Das Coronavirus stellt Bewohner und Mitarbeiter der Seniorenresidenz am Kaiserberg auf eine harte Probe.	FOTO: NIC
+
Das Coronavirus stellt Bewohner und Mitarbeiter der Seniorenresidenz am Kaiserberg auf eine harte Probe.

Am Kaiserberg

Corona in Seniorenresidenz: 119 Infizierte, aber nur drei schwere Fälle

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
    schließen

Obwohl 107 von 160 Bewohnern der Bad Nauheimer Seniorenresidenz am Kaiserberg mit Corona infiziert sind, ist nach Angaben der Leiterin eine gute Versorgung gesichert. Kritik weist sie zurück.

Wie ein Lauffeuer hat sich das Covid-19-Virus im Bad Nauheimer Seniorenheim am Kaiserberg verbreitet. 107 von 160 Bewohner sind betroffen. »Bislang wurden vier schwere Fälle im Krankenhaus behandelt. Eine Bewohnerin ist wieder zurückgekehrt, weil es ihr besser geht«, berichtet die Leiterin der Seniorenresidenz, Samirah Pöpel. Trotz der Vielzahl von Infektionen habe es bislang glücklicherweise keinen Todesfall gegeben.

Erstaunt zeigt sich Pöpel über einen »anonymen Hilferuf«, der vermutlich aus Mitarbeiterkreisen stammt und die WZ erreicht hat. Darin wird Kritik an der Geschäftsführung und deren Krisenmanagement geübt. »Hier herrscht das blanke Chaos«, heißt es da. Im Schnitt müssten sich zwei Mitarbeiter um 25 infizierte Bewohner kümmern. Die Ausstattung mit Schutzkleidung und FFP2-Masken sei unzureichend. Masken, Kittel, Handschuhe und Visiere müssten drei Tage lang getragen werden. Zudem seien längst nicht alle Beschäftigten getestet worden. Angestellte häten sich beim Hausarzt testen lassen - auf eigene Kosten.

Die Leiterin der Seniorenresidenz bezeichnet die Vorwürfe als unwahr. Obwohl 12 der 120 Mitarbeiter »positiv« seien, könne eine gute Betreuung der Bewohner gewährleistet werden. Jeden Tag werde ein Gesundheitsscreening vorgenommen, das unter anderem drei Fiebermessungen beinhalte. Zudem schauten Hausärzte nach Patienten mit Symptomen. »Das Angebot mancher Pflegekräfte, ihren Urlaub abzubrechen, mussten wir noch nicht in Anspruch nehmen«, sagt Pöpel. Alle Angestellten seien hoch motiviert, es herrsche ein guter Zusammenhalt.

Corona-Ausbruch in Seniorenresidenz Bad Nauheim: Probleme beim Testen des Personals

Probleme räumt Pöpel ein, was das Testen der Belegschaft angeht. Das Gesundheitsamt habe aus Kapazitätsgründen nur bei den Senioren PCR-Tests vornehmen lassen. Das Personal sei gebeten worden, zum Hausarzt zu gehen. Das funktioniere aber nicht wie gewünscht. »Deshalb soll noch in dieser Woche ein Arzt in die Residenz kommen, um Mitarbeiter zu testen, die das wünschen. Die Kosten werden von uns übernommen«, erläutert die Leiterin. Sollten sich viele weitere Angestellte infiziert haben, werde das Gesundheitsamt möglicherweise erlauben, dass positiv getestete Pflegekräfte ohne Symptome arbeiten dürften.

Die Arbeitsbelastung ist laut Pöpel nicht zu hoch. Allerdings seien die Mitarbeiter einer seelischen Belastung ausgesetzt. »Wir machen uns Sorgen um die betroffenen Bewohner, die wir ins Herz geschlossen haben.« Angehörige, die zurzeit nur zu Besuch kommen dürften, wenn jemand im Sterben liege, meldeten sich oft täglich per Telefon, um sich nach dem Gesundheitszustand ihrer Familienmitglieder zu erkundigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare