Nach der überstandenen Corona-Erkrankung kann Helga B. wieder in den Kurpark, hier betreut durch Tochter Sabine (beide Namen geändert).
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Nach der überstandenen Corona-Erkrankung kann Helga B. wieder in den Kurpark, hier betreut durch Tochter Sabine (beide Namen geändert).

Nach der Krankheit

Corona und Reha in Bad Nauheim: »Wir warten auf Patienten, die nicht kommen«

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Eine Reha kann Menschen helfen, nach überstandener Corona-Krankheit auf die Beine zu kommen. Die Median-Klinik am Südpark in Bad Nauheim macht dieses Angebot - auch für Helga B..

Ein Schluck Kaffee und ein Stück Kuchen - das tut gut. Dazu das Ambiente des Bad Nauheimer Kurparks, wo Sabine B. mit ihrer Mutter Helga spazieren geht (beide Namen geändert). Wegen einer Covid-19-Erkrankung war Helga B. im Hochwaldkrankenhaus (HWK) behandelt worden. Dass es der Mama mittlerweile wieder gut geht, hat aber auch etwas mit der Reha zu tun, die sie in der Median-Klinik am Südpark hat machen können. Dass die Kostenträger nur wenige Nach-Covid-19-Patienten zum Kuren dorthin schicken, finden Mutter und Tochter schade.

Helga B. hätte nicht ernsthaft erwartet, dass das Virus sie erwischen könnte, doch Anfang April ging es der 84-Jährigen plötzlich sehr schlecht. Ihr war übel, sie war schlapp, hatte Fieber, weshalb sie ins HWK kam. Wie ein Test ergab, hatte Helga B. Covid-19. »In der Klinik bekam sie eine Lungenentzündung«, berichtet Tochter Sabine. Kontakt zur Familie war nur noch telefonisch möglich Doch zumindest am Muttertag durfte sich die Familie vors Stationsfenster stellen und winken.

Mitte Mai hatte Helga B. die Covid-19-Erkrankung überstanden, wie Tests ergaben. »Wir überlegten, wie es weitergeht. Unsere Mutter hatte Angst, nicht wieder auf die Beine zu kommen. Wir stellten uns eine Reha oder geriatrische Reha vor«, blickt Tochter Sabine zurück. Sie und ihre Schwester riefen zahlreiche geriatrische Kliniken in Deutschland an, doch es gab keine Plätze. »Im Internet habe ich dann ›Corona‹ und ›Reha‹ gegoogelt, dann stieß ich auf die Median-Klinik am Südpark in Bad Nauheim.«

Corona und Reha in Bad Nauheim: Nur drei Patienten

Dr. Bernd Friederichs, Chefarzt der Abteilung für Kardiologie, rief zurück, stellte sich vor. »Da war ich sehr beeindruckt«, sagt Sabine B. Der Mediziner habe die Reha mit entwickelt, deren Ziel es sei, den Patienten wieder fit zu machen. »Ich sagte, unsere Mutter ist über 80, sie ist im Moment nicht so selbstständig. Er sagte, er guckt sich das an, und besuchte sie in der Hochwaldklinik. Das war ein Lichtblick in diesen schweren Zeiten.«

Vier Wochen war die Mama in der Median-Klinik, vorgesehen waren zunächst nur drei. Doch der Aufenthalt wurde mit Unterstützung von Chefarzt Friederichs verlängert.

Helga B. ist allerdings nur eine von drei Personen, die zur Covid-19-Reha in Bad Nauheim gewesen sind. »Wir warten auf Patienten, die nicht kommen«, sagt Friederichs. Eventuell liege dies daran, »weil wir ein Fachkrankenhaus für Kardiologie, Innere Medizin, Psychosomatik und Orthopädie sind, aber nicht für Pulmologie«. Die Covid-19-Kranken seien häufig lungengeschädigt, wie der 51-Jährige ausführt. Zu Beginn der Corona-Krise hätten sich die Kassen anders verhalten und gesagt: »Es macht nichts, dass Sie keine pulmologische Abteilung haben. Corona ist solch eine Ausnahme, wir schicken Ihnen auf jeden Fall die Patienten.« Daher sei es bei Helga B. kein Problem gewesen.

Corona und Reha in Bad Nauheim: Problem mit Krankenkassen

Die Median-Klinik in Heiligendamm an der Ostsee habe eine pulmologische Abteilung, werde von Post-Covid-19-Patienten daher überrannt und habe lange Wartelisten. Post-Covid-19-Patienten seien aber auch in Bad Nauheim gut aufgehoben, denn in der Median-Klinik am Südpark bestünden umfängliche Erfahrungen mit Patienten, die Atemprobleme haben. Patienten sollten sich nach Friederichs’ Ansicht bewusst machen, dass ihnen eine Reha helfe. Gegebenenfalls sollten sie bei der Krankenkasse auf Kostenübernahme pochen, denn die Median-Klinik habe ein Konzept vorgelegt. »Was nutzt es einem Patienten, wochenlang auf ein Angebot zu warten, das 100 Prozent zugeschnitten ist, als sofort etwas zu bekommen, das nur zu 90 Prozent zugeschnitten ist?« Auch Ärzte, medizinische Entscheidungsträger und Angehörige will er auf seine Covid-19-Reha aufmerksam machen. »Weil es sich lohnt«, wie Friederichs konstatiert. Das beste Beispiel ist Helga B..

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