Schausteller Alexander Köhler kann nur auf bessere Zeiten hoffen. Doch ein Ende der Corona-Krise und der Absage von Volksfesten ist nicht absehbar. ARCHIVFOTOS: CORINNA WEIGELT
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Schausteller Alexander Köhler kann nur auf bessere Zeiten hoffen. Doch ein Ende der Corona-Krise und der Absage von Volksfesten ist nicht absehbar. ARCHIVFOTOS: CORINNA WEIGELT

Auch Kerb fällt aus

Corona-Krise: Keine Umsätze für Schausteller

  • vonCorinna Weigelt
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Die Bad Nauheimer Kerb ist etwas Besonderes. Es wird länger gefeiert als andernorts, Fahrgeschäfte und Buden stehen in Straßen und auf Plätzen der City. Doch auch dieses Fest entfällt wegen Corona.

Als der Lockdown kam, wussten wir noch gar nicht, was auf uns zukommt", beginnt Schausteller Alexander Köhler aus Florstadt zu erzählen. Volksfeste waren für dieses Jahr fest eingeplant. Dann kamen die Absagen, zunächst für alle Großveranstaltungen, die vor dem 31. August datiert waren.

Für Köhler und seine Kollegen galt es zunächst, die Zeit bis Ende August finanziell zu überbrücken. "Situationsbedingt müssen wir Schausteller ja seit Generationen zwischen Januar und März ohne Einkommen leben", sagt Alexander Köhler. Die laufenden Kosten werden in dieser Zeitspanne durch Umsätze aus dem Vorjahr gedeckt. Da die wichtige Frühjahr-/Sommer-Saison 2020 nicht stattfinden konnte, fiel der Blick der Schausteller hoffnungsvoll auf Oktoberfeste und Kerbtermine. Köhler: "Die Frist für die Absage solcher Veranstaltungen wurde dann aber bis zum 31. Oktober ausgeweitet."

Verdienstausfall ist verheerend

Ein Schock für alle Schausteller. Ein monatelanger Verdienstausfall sei unmöglich zu überbrücken. "Die Betriebskosten laufen ja weiter." Wie viele andere Unternehmer beantragte auch Köhler Soforthilfen des Staates. Überbrückungsgelder, die nur eine Zeit lang weiterhelfen. Gemeinsam mit dem Schausteller Peter Roie (Altenstadt) suchte Köhler nach einer Möglichkeit, ein coronagerechtes Konzept für das Herbstmarktgelände in Friedberg zu erarbeiten. "Eine deutsche Firma hat ein Hygienekonzept für Freizeitparkanlagen entwickelt, auch ein Konzept für Schausteller." Köhler investierte viel Zeit, um dieses Papier zu erweitern und entsprechende Pläne auszuarbeiten. Mit diesem Konzept stieß er allerdings auf Ablehnung.

In Kommunen werde vieles unternommen, um der Gastronomie durch die Krise zu helfen. "Aber an Schausteller wird leider nicht gedacht." Köhler wünscht sich Gespräche, wie die Zukunft der Branche gesichert werden kann. Nun steht er mit der Stadt Friedberg bezüglich der Eisbahn in Kontakt. Die Umsetzung von Hygienevorschriften dürfte möglich sein, sagt der Unternehmer. Ob eine Genehmigung erfolgen kann, hänge aber auch davon ab, ob ein Weihnachtsmarkt - in welcher Form auch immer - veranstaltet wird. Eine Entscheidung werde im Oktober erwartet.

Was ihm neben den finanziellen Einbußen zu schaffen mache, sei der Verlust des sozialen Umfelds. "Seit meiner Kindheit bin ich in ganz Deutschlands unterwegs", berichtet Köhler. "Der gesellige Austausch unter den Schaustellern fehlt mir sehr, die Freundschaften vor Ort und der Kundenkontakt." Jetzt beginnt er mit den Planungen für das kommende Jahr. "Die Bewerbungen gehen raus. Dann heißt es abwarten, wie sich alles entwickelt." Die Frage, wie es weitergeht, beschäftige ihn sehr. "So etwas geht nicht spurlos an einem vorüber." Er hofft, dass irgendwann wieder Normalität einkehrt und der Betrieb, der bereits seit über 120 Jahren existiert, wieder laufe.

"Mir blutet das Herz, dass unsere traditionelle und überregional beliebte Straßenkerb in diesem Jahr nicht stattfinden kann", betont Bad Nauheims Bürgermeister Klaus Kreß. "Besonders schmerzhaft ist die Absage für die Schausteller und Geschäftsleute, die in wirtschaftlicher Hinsicht besonders stark von den Corona-Auswirkungen betroffen sind." Gleichzeitig zeigt sich der Bürgermeister erfreut über die verständnisvolle Reaktion der Menschen auf diese Entscheidung. Der Gesundheitsschutz werde ernst genommen. "Ich glaube fest daran, die Bad Nauheimer Kerb im nächsten Jahr wieder feiern zu können", sagt Kreß.

Blaue Kolonne muss pausieren

"Wir sind natürlich auch traurig", sagt Harald Ströhle, Vorsitzender der Bad Nauheimer Hiesbach-Karnevalisten und Chef der Blauen Kolonne. Diese Gruppe ist traditionell dafür zuständig, den Kerbbaum aufzustellen. "Gleichzeitig haben wir Verständnis. Wie soll man bei so einer Veranstaltung die Einhaltung von Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen gewährleisten?" Ströhle bezieht diese Aussage besonders auf die Kneipenkerb. Dabei alle Regeln einzuhalten, sei kaum möglich. Ströhle denkt bezüglich der Kerbabsage besonders an die Schausteller. "Die hat es am härtesten getroffen." Insgesamt haben die Burschen der Blauen Kolonne bei den Kerberöffnungen schon 53-mal den Baum aufgestellt. "Bei der Bad Nauheimer Kerb hat es noch nie eine Unterbrechung gegeben", sagt Ströhle.

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