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Steffen Michel, Bernd Overath und Peter Nicol Jüngermann (v. l.) haben in ihrer Classic Garage auch Platz für Co-Working.

»Nomaden mit Rucksack«

Co-Working: Neue Form der Arbeit auch in Bad Nauheim

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Berufstätige können mitunter wählen, wo sie arbeiten: im Unternehmen oder im Homeoffice. Beides ist nicht ideal. Als Alternative bietet sich das Co-Working an, das auch in Bad Nauheim möglich ist.

Bad Nauheim – Es zischt, als der Kaffee in die Tassen strömt. Gründer- und Mittelstandscoach Holger Reuschling und seine Gäste haben gleich eine Besprechung, doch zuvor versorgen sie sich an der Getränketheke. Zu dem geschäftlichen Treffen kommt es im Aufenthaltsraum der Classic Garage Bad Nauheim in der Steinkopfstraße.

Ein kurzer Plausch mit anderen Nutzern der Räume, ehe Reuschling mit den Besuchern zu einem Konferenzraum geht. Reuschling ist Co-Worker in der Classic Garage. »Das Branchenübergreifende ist das Schöne«, sagt Bernd Overath. Der 55-Jährige betreibt gemeinsam mit Peter Nicol Jüngermann und Steffen Michel die Classic Garage. Jüngermann hat ein Ingenieurbüro, Michel ist Steuerberater und Overath Event-, Messe- und Innenausbauer.

»Die Idee ist entstanden, weil wir in Bad Nauheim ein Büro und einen Stellplatz gesucht haben«, erzählt Overath. Im Austausch mit Jüngermann, der sein Nachbar ist, entwickelten die beiden Bad Nauheimer die Idee, als Bauherren selbst ihren Arbeitsplatz zu errichten.

Co-Working in Bad Nauheim: Konzept überzeugt im Rathaus

Das Konzept einer Classic Garage mit Büroflächen und Co-Working überzeugte im Rathaus, die Stadt gab den Zuschlag für ein Grundstück. Es liegt im Gewerbegebiet Frankfurter Landstraße. In Frankfurt gibt es mit dem Konzept Klassikstadt etwas Ähnliches: mit Werkstatt, Unterstellmöglichkeiten für Oldtimer und Gastronomie.

Den Bad Nauheimern schwebte allerdings eine Classic Garage vor, die neben der Stellfläche für Oldtimer Büros anbietet. »Das Konzept basiert auf kleinen Büroeinheiten mit viel Allgemeinfläche«, erläutert Overath. Den Büro-Mietern stehen auch 686 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, die in Aufenthaltsraum, Lounge, Konferenzräume, Terrassen, Toiletten, Küchen und Parkplätze unterteilt sind. Die Nutzung der Allgemeinflächen ist in den Mietpreisen für die elf Büros enthalten, in denen Firmen sitzen.

Weiterer Baustein des Konzepts ist das Co-Working, für das die Nutzer eine Pauschale zahlen. Die Co-Worker halten sich nur auf den Allgemeinflächen auf, sie haben kein eigenes Büro. »Die Konferenzräume kann man dazubuchen. Sie sind im Preis enthalten, ebenso wie die Technik«, erläutert Overath.

Co-Working in Bad Nauheim: Nutzerpalette breit gefächert

Die Nutzerpalette ist breit gefächert. Es gibt Co-Worker wie Unternehmensberater Reuschling, der vor allem den Konferenzraum braucht. Auch für Studenten kann sich das Co-Working eignen, wenn sie beispielsweise ihre Diplomarbeit schreiben wollen, zu Hause aber nicht zur Ruhe kommen. Texter und Freiberufler aus dem Marketingbereich sind ein weiteres Beispiel. »Die Leute sitzen mit kabellosen Kopfhörern hier und machen ihre Online-Meetings. Sie freuen sich, dass sie ein Büroumfeld bekommen«, sagt Overath.

Der Konferenzraum ist der einzige geschlossene Bereich, ansonsten sitzen die Nutzer mit anderen Leuten zusammen: im Aufenthaltsraum, in der Lounge oder auf einer der Terrassen.

Unweit der Classic Garage, in der Straße Auf dem Hohenstein, baut das Unternehmen Artec IT Solutions aus Karben ein neues Gebäude. Mitte bis Ende 2022 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Auch dort sollen moderne Arbeitsplätze entstehen. Zum einen wird Artec das Gebäude selbst nutzen, zum anderen spielt Inhaber Jerry J. Artishdad mit dem Gedanken, Co-Working zu etablieren. »In zahlreichen Bereichen der IT, wie Programmieren und Softwareherstellung, kann vieles zu Hause gemacht werden. Dauerhafte Präsenz im Büro ist nicht unbedingt nötig. Wir stellen uns vor, dass Arbeitnehmer und Freelancer wie Nomaden mit dem Rucksack zu uns kommen«, sagt Artishdad.

Co-Worker verschiedener Branchen können, so das Gedankenspiel, ein Büro oder einen Schreibtisch mit entsprechender Hardware und Internetanschluss stundenweise anmieten. »Das ist eine neue Ära. Es ist viel umweltfreundlicher, effektiver, und die Work-Life-Balance wird viel schneller hergestellt«, sagt der Unternehmer. Ob Artishdad das Co-Working realisieren wird, ist noch offen. Zuvor müssten einige arbeitsrechtliche Fragen geklärt werden.

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