In "Kein Gott - was nun?" geht Dr. Helmut Fischer davon aus, dass die große Mehrheit der Deutschen nicht mehr an Gott glaube. 	FOTO: PV
+
In »Kein Gott - was nun?« geht Dr. Helmut Fischer davon aus, dass die große Mehrheit der Deutschen nicht mehr an Gott glaube. FOTO: PV

Die christliche Botschaft für Atheisten

  • vonRedaktion
    schließen

Bad Nauheim (pm). Der Bad Nauheimer Theologe Helmut Fischer hat ein neues Buch veröffentlicht. Darin möchte er auch Atheisten für das Evangelium Jesu gewinnen

Dr. Helmut Fischer, ehemals Professor für Predigtausbildung am Friedberger Theologischen Seminar, zufolge müsse der Ausgangspunkt jeder Predigt einerseits der biblische Text, andererseits aber auch die Vorstellungswelt des modernen Hörers sein.

In seinem neuesten Buch Kein Gott - was nun? Glauben in posttheistischer Zeit (2020) geht Fischer davon aus, dass die große Mehrheit der Deutschen nicht mehr an Gott glaubt, weshalb sich die Frage stellt, ob für diese große Gruppe die Botschaft Jesu noch etwas bedeuten solle und könne. Fischers Antwort ist ein eindeutiges Ja.

Wissenschaftliche Revolution

Auf dem Umschlagtext seines mehr als 400 Seiten umfassenden Buches heißt es, der Autor mische sich nicht ein »in die Debatte über die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht«. Gleichwohl sei es das Ziel des Buches, »die Botschaft Jesu denen zu vermitteln, die sich vom Gottesgedanken verabschiedet haben«.

Allerdings geht es dem Autor in großen Teilen des Buches darum, das theistische Denkschema (»es gibt einen Gott«) neben das nicht theistische Denkmodell zu stellen und deren jeweilige Denkvoraussetzungen zu erläutern.

Fischer zufolge sei die theistische Weltdeutung - er spricht meist vom »subjektivischen Paradigma« - »nur eine unter vielen Ausdrucksformen des Religiösen«. Dieses Paradigma bezeichnet ein Weltverständnis, das hinter oder in allen Geschehnissen dieser Welt Aktionssubjekte am Werk sieht - eben Götter oder einen Gott. In diesem subjektivischen Paradigma bedeutete das »Erklären« eines Vorgangs stets, dessen Urheber, ein agierendes Subjekt, zu benennen. Dieses subjektivische Handlungsmuster finde man in allen frühen Kulturen als verbindliches Grundmuster des Weltverstehens bis in die Neuzeit.

Das änderte sich aber mit dem Aufkommen der wissenschaftlichen Revolution. Das alte Weltverständnis begann sich ab dem 16. Jahrhundert aufzulösen und durch das »funktionale Paradigma« ersetzt zu werden. Die Veränderung vollzog sich vor allem durch astronomische Entdeckungen. War man bisher sicher, dass Gott die Sterne auf ihre Bahnen gesetzt hatte und dort hielt, so fragten Naturforscher jetzt danach, nach welchen Gesetzen sie sich auf ihren Bahnen hielten.

Die Naturwissenschaft fragt nicht mehr danach, wer etwas verursacht hat, sondern, wie und nach welchen Gesetzmäßigkeiten etwas zustande gekommen ist. Es wird nach der Ursache, nicht mehr nach dem Verursacher gefragt.

Obwohl dieses nicht theistische Weltverständnis schon seit mehreren Jahrhunderten die Naturwissenschaften prägte, habe es sich erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch im Alltagsdenken großer Bevölkerungsteile durchgesetzt. »Vor unseren Augen, aber unterhalb des Radars des öffentlichen Bewusstseins und auch der Kirchen vollzieht sich der am tiefsten greifende Umbruch in der Religionsgeschichte der Menschheit«, sagt Fischer.

Umfragen zufolge glauben in Deutschland heute nur noch knapp 25 Prozent der Menschen an einen Gott im traditionellen Sinne.

Dramatischer Gottesverlust

Aus diesem »dramatischen Gottesverlust« zieht Fischer die Konsequenz, dass man nicht mehr im theistischen Weltverständnis verhaftet sein müsse, »um die Botschaft Jesu zu verstehen und sie zu leben. Wir haben als Kirche zu lernen, in der öffentlichen Verkündigung der Botschaft Jesu jene Anschauungsformen loszulassen, die außer Kurs geraten sind und im Denken der Zeitgenossen ihre Plausibilität verloren haben«, meint Fischer. Vieles sei heute säkular sagbar. Aber wie?

Zwar spreche Fischer niemandem das Recht ab, seinen Glauben im (mono-)theistischen Paradigma zu leben; doch begrüße er in seinem neuesten Buch durchaus das mit dem Paradigmenwechsel erforderliche Umdenken, die dogmatischen Umrankungen der christlichen Botschaft in der Geschichte stehen zu lassen und sich ganz auf die Verkündigung Jesu zu konzentrieren. Kurt Bangert

Helmut Fischer: »Kein Gott - was nun? Glauben in posttheistischer Zeit«, Verlag Traugott Bautz: Nordhausen, 2020, 437 Seiten (ISBN 978-3-95948-452-7).

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare