Kein schöner Anblick: Das Café Johannisberg ist seit März von einem Bauzaun samt Stacheldraht umgeben. Seit Mittwoch ist das Restaurant wieder geschlossen - vorübergehend, wie es heißt.
+
Kein schöner Anblick: Das Café Johannisberg ist seit März von einem Bauzaun samt Stacheldraht umgeben. Seit Mittwoch ist das Restaurant wieder geschlossen - vorübergehend, wie es heißt.

Erneut geschlossen

Café Johannisberg Bad Nauheim: Gerüchte machen Runde - So geht es wirklich weiter

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
    schließen

Hübsch ist anders. Seit Wochen ist das Café Johannisberg über Bad Nauheim von einem Bauzaun samt Stacheldraht umgeben. Restaurant und Hotel sind seit Mittwoch erneut geschlossen.

  • Café Johannesberg Bad Nauheim aktuell geschlossen
  • Gerüchte machen die Runde
  • Verantwortliche äußern sich zu Gastronomie und Hotel

Der Johannisberg ist ein geschichtsträchtiges und beliebtes Ausflugsziel für Bad Nauheimer und andere Bürger aus der Region. Vor gut 160 Jahren wurde hier der erste gastronomische Betrieb eröffnet. Deshalb verfolgen die Bad Nauheimer mit Argusaugen, was sich auf ihrem »Hausberg« tut.

Im Frühjahr stand rund um das Gebäude des Café-Restaurants plötzlich ein Bauzaun, auf dem zusätzlich ein gerollter Stacheldraht angebracht ist. Wie Schildern zu entnehmen ist, dürfen Unbefugte das Gelände nicht mehr betreten, nur noch Restaurant-Besucher konnten bis Dienstag durch eine Bauzaun-Lücke schlüpfen. Bis zur Einfriedung hatten alle Spaziergänger die Gelegenheit genutzt, von der Terrasse vor dem Café aus den herrlichen Blick auf den Weinberg und Bad Nauheim, in die Wetterau und ins Rhein-Main-Gebiet zu genießen.

Das ist nicht mehr erlaubt, wie Günter Wagner, Mitarbeiter des Gebäudeeigentümers Prof. Johannes M. Peil, bestätigt. Der Zaun sei errichtet worden, um nach der Corona-bedingten Schließung des Hotels und Restaurants Randalierer und Einbrecher abzuschrecken. »Durch die Einzäunung soll sowohl der aus Erfahrung bekannte Vandalismus als auch das Risiko von Sachbeschädigung bis hin zum Einbruch und zur Brandgefahr vermieden, zumindest verringert werden«, erklärt Wagner. Auch aus sicherheits- und versicherungstechnischen Gründen müsse das Betreten des Privatgeländes durch Unbefugte verhindert werden.

Café Johannesberg Bad Nauheim: Dementi! Keine endgültige Schließung

Wie alle Restaurants und Cafés in Bad Nauheim musste das Haus auf dem Johannisberg im März schließen. Zeitgleich wurde der Zaun aufgestellt. Nach Auskunft von Wagner wurde das Restaurant nach Lockerung der Corona-Vorschriften Anfang Juni wieder zugänglich gemacht. »Es galten angepasste Öffnungszeiten für die Gastronomie mit dem Ziel, zumindest ein eingeschränktes Angebot für Besucher des Johannisbergs realisieren zu können. Dieser Versuch ist jedoch nur bedingt erfolgreich gewesen«, sagt der Peil-Mitarbeiter.

Deshalb sei der Betrieb von Hotel und Restaurant zum 1. Juli erneut temporär eingestellt worden. Während andere Gastronomen heilfroh sind, wieder Gäste empfangen zu können, wird das Café Johannisberg geschlossen. Obwohl dort der 1,5-Meter-Abstand zwischen den Tischen problemlos einzuhalten wäre. Fragen nach den Gründen für diese Entscheidung beantwortete Wagner bis Mittwoch nicht. Er sagte auch nicht, was aus den Mitarbeitern wird, ob sie in Kurzarbeit geschickt oder entlassen wurden.

Angesichts des Hin und Hers auf dem Johannisberg wird über eine endgültige Schließung des Restaurants spekuliert. So hat sich ein Stammgast bei der WZ gemeldet. »Dem Personal wurde gesagt, es solle sich einen anderen Job suchen«, berichtet der Mann aus Karben. Der Betrieb werde wohl endgültig aufgegeben.

Café Johannesberg Bad Nauheim: Seit 1998 im Eigentum von Peil

Dieser Darstellung widerspricht Wagner: »Eine endgültige Schließung, sowohl der Gastronomie als auch des Hotels, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht geplant. In den nächsten Wochen wird regelmäßig geprüft, wann eine Öffnung der Gastronomie und Hotellerie unter Einhaltung der Rahmenbedingungen sowie der medizinischen Notwendigkeiten unter ökonomischen Gesichtspunkten wieder möglich ist.« Erst nach der Wiedereröffnung könne der Bauzaun entfernt werden.

Das Rathaus wurde über die Einfriedung rechtzeitig informiert, wie Erster Stadtrat Peter Krank bestätigt. Da es sich um Privatgelände handele, habe die Stadt kein Mitspracherecht. Laut Wagner sei die Stadt ebenfalls daran interessiert, Vandalismusschäden zu verhindern.

Prof. Johannes M. Peil, Betreiber des Sportparks und der Sportklinik, wollte das traditionsreiche Café bereits 1996 vom ehemaligen Hessischen Staatsbad erwerben, das damals sein Tafelsilber in Bad Nauheim vergoldete. Ein erster Anlauf scheiterte. Nachdem sich das Staatsbad mit anderen Bewerbern nicht einigen konnte, kam Peil wieder ins Spiel.

1998 ging die Immobilie in sein Eigentum über. Von einem Kaufpreis, der über 1,5 Millionen Mark liegt, war die Rede. Hunderttausende dürften zudem in die aufwendige Renovierung nach Plänen aus den 1930er Jahren investiert worden sein. Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Café-Restaurant-Hotel von Beginn an kein wirtschaftlicher Erfolg für Peil war, sondern eher ein Zuschussbetrieb.

Café Johannesberg Bad Nauheim: Die Geschichte des Cafés

Der 268 Meter hohe Johannisberg war bereits in der Stein- und Bronzezeit besiedelt. Im Jahr 779 soll hier die erste Missionskirche errichtet worden sein, im 12. Jahrhundert folgte das Gotteshaus, dessen Turm noch heute als Volkssternwarte Wetterau genutzt wird. In späteren Jahrhunderten mauserte sich der Hügel zum Ausflugsziel. Seit 1858 existiert auf dem Gipfel ein Restaurationsbetrieb, zehn Jahre später wurde der Kirch- zum Aussichtsturm. Illustre Kurgäste wie Kaiserin Sissi (1898) oder König Ibn Saud (1959 und 1962) ließen sich dort bewirten und genossen den tollen Ausblick. Großen Aufschwung erlebte das Restaurant-Geschäft unter Gastwirt König.

1933 entschlossen sich die Verantwortlichen, das veraltete Holzgebäude abzureißen und durch einen massiven Steinbau zu ersetzen. 1998 veräußerte das ehemalige Hessische Staatsbad das Café Johannisberg an den Bad Nauheimer Mediziner und Unternehmer Prof. Johannes M. Peil, der die Immobilie nach alten Vorlagen umfassend renovieren ließ. Da die Sichtachse freigeschnitten wurde, thront das rote Dach des Restaurants heute weithin sichtbar über der Stadt, wurde zu einem ihrer Wahrzeichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare