Die Bypässe und der "Mäzen aus Jordanien"

Bad Nauheim/Friedberg (lk). Hat ein Ehepaar aus Frankfurt die Kerckhoff-Klinik um rund 16 000 Euro betrogen? Diese Frage musste am Dienstag während eines Verfahrens am Friedberger Amtsgericht geklärt werden. Richterin Dr. Gerlinde Kimpel entschied, dass den beiden Angeklagten ein Betrug nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden könne und sprach das Paar frei.

Ein 67-jähriger Frankfurter und seine 62-jährige Ehefrau mussten sich am Dienstag vor dem Friedberger Amtsgericht verantworten. Dem Paar wurde vorgeworfen, die Kerckhoff-Klinik betrogen zu haben. Die 62-Jährige soll im Januar 2009 einen Vertrag zur Behandlung ihres Mannes unterschrieben haben. Dabei habe sie den Eindruck erweckt, zahlungswillig zu sein, hieß es in der Anklageschrift. Das Paar habe die Rechnung in Höhe von rund 16 000 Euro jedoch bis heute nicht bezahlt. Und das, obwohl der 67-Jährige eine Chefarztbehandlung im Einbettzimmer bekommen und insgesamt zehn Tage in der Klinik verbracht hatte.

Verteidiger Dr. Ulrich Endres und Verteidigerin Catrin Runge gaben Erklärungen für ihre Mandanten ab. Demnach sei das Paar damals mit einem "Mäzen aus Jordanien" gut befreundet gewesen, der gesagt habe, er übernehme die Behandlungskosten für den 67-Jährigen, der damals selbst nicht versichert gewesen sei. Nach Absprache mit dem Jordanier habe die Ehefrau des Frankfurters den Vertrag mit der Klinik unterschrieben. Drei Bypässe seien gelegt, das Leben des 67-Jährigen sei gerettet worden. "Die Ärzte haben ganz tolle Arbeit geleistet", sagte Endres. Der vermögende Jordanier habe übrigens auch mit dem Verwalter der Klinik telefoniert und diesem seine Zahlungswilligkeit mitgeteilt.

Wie sich ein Klinik-Mitarbeiter im Zeugenstand erinnerte, habe man vom Jordanier per Fax Kopien bekommen, die belegen sollten, dass das Geld angewiesen sei. "Wir haben das von unserer Hausbank überprüfen lassen, es stellte sich heraus, dass die Unterlagen nicht richtig waren." Bis zum Entlassungstermin des 67-Jährigen sei die Summe nicht auf dem Klinik-Konto eingegangen, weshalb man den Frankfurter ein Schuldeingeständnis habe unterschreiben lassen.

Richterin Kimpel verlas auszugsweise Telefonprotokolle – die Polizei hatte Gespräche zwischen dem Jordanier, der Angeklagten und dem Verwalter der Klinik überwacht und aufgezeichnet. Aus ihnen ging hervor, dass die 62-Jährige tatsächlich der Auffassung war, der scheinbar reiche Freund der Familie übernehme die Behandlungskosten.

"Dachte, das ominöser Freund zahlt"

Staatsanwaltschaft und Verteidigung plädierten auf einen Freispruch, dem die Richterin schließlich nachkam. In ihrer Urteilsbegründung sagte Kimpel, die Angeklagte habe nicht vorgetäuscht, zahlungswillig zu sein, sondern sei davon ausgegangen, dass der "ominöse Freund" zahlen werde. Ein Betrug setze jedoch das Element der vorsätzlichen Täuschung voraus. Auch gebe es keinen Hinweis darauf, dass das Ehepaar mit dem Jordanier – nach ihm wird gefahndet – gemeinsame Sache gemacht habe.

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