"Burger unser" eines Bad Nauheimers

Bad Nauheim (lk). 70 Burger-Rezepte, die zehn Gebote der Zubereitung, Fleischkunde, Empfehlungen von Burger-Läden, Rezepte für Soßen, Beilagen und, und, und: Hubertus Tzschirner hat all das im "Burger unser" zusammengetragen. Der Autor kommt aus Bad Nauheim.

Das Buch-Cover: die "Betenden Hände" von Albrecht Dürer, die einen Burger halten. Das erste im Buch abgebildete Foto: eine sehr spezielle Version von da Vincis "Abendmahl". Zudem ein Gebet, das mit den Worten "Burger unser im Munde, geheiligt werde dein Flavour ..." beginnt. Logisch, dass Autor Hubertus Tzschirner bereits Blasphemie vorgeworfen wurde. "Sogar aus den eigenen Reihen." Natürlich sei das "Burger unser" augenzwinkernd zu lesen. Abgesehen davon: Die im Buch abgebildeten Burger sehen einfach göttlich aus.

Wenn der Bad Nauheimer von den "eigenen Reihen" spricht, meint er seine vier Mitstreiter, mit denen er in den vergangenen zwei Jahren das "Burger unser" konzipiert und geschrieben hat. Seit März ist das 288 Seiten starke Buch auf dem Markt "und geht ab durch die Decke", ist immer wieder ausverkauft. Inzwischen hat Tzschirner die dritte Auflage geordert. Beim Online-Händler "Amazon" ist das "Burger unser" aktuell auf Rang 2 in der Kategorie "Kochen & Genießen – Kochen nach Zutaten – Fleisch" gelistet.

Dabei ist es längst nicht das erste Buch, das sich mit dem Thema Hamburger beschäftigt. "Aber es ist das beste und umfangreichste", sagt Tzschirner. Von einer kleinen Fleischkunde über die Herstellung der Burger-Brötchen – genannt Buns – und der Hacksteaks – genannt Patties –, der Soßen und Beilagen, alles wird erklärt. Zudem werden für Burgerliebhaber essenzielle Fragen geklärt: Grill oder Pfanne? Gas oder Holzkohle? Smoken oder nicht? Und es gibt jede Menge Rezepte für Burger – klassisch, vegetarisch und süß. Auch eine Übersicht der besten Burger-Läden Deutschlands, Österreichs und der Schweiz hat es ins Buch geschafft. "Wir haben das Thema ausgeschlachtet, im positiven Sinne", sagt der 39-Jährige lachend.

Wer aber vermutet, der in Görlitz geborene Tzschirner sei seit jeher ein wahrer Burger-Jünger, dessen Religion die perfekte Zubereitung ist, liegt daneben. "Vor Verfassen des Buchs war ich nicht Burger-affin. Also ich habe Burger schon gerne gegessen, aber die Zubereitung gehörte nie zu meinem täglichen Geschäft." Inzwischen sei er aber zum Burger-Freak geworden.

Tzschirner, der Anfang der 80er Jahre mit seinen Eltern in die Wetterau kam, entschied sich nach der Schule dafür, eine Ausbildung als Koch zu machen. Er lernte im Hotel Rosenau, danach ging es weiter nach Steinfurth ins Herrenhaus von Löw. Im Anschluss besuchte er die Hotel-Fachschule in Marburg, es folgte die Selbstständigkeit. Jahrelang lebte er in München, nun zog es Tzschirner, inzwischen verheiratet und Vater einer kleinen Tochter, zurück zu den Wurzeln. "Familienzusammenführung", begründet dies der 39-Jährige.

Beruflich hat Tzschirner heute mehrere Standbeine, er kocht auf Messen, entwickelt Produkte und Rezepte, gibt Seminare, rückt Lebensmittel für die Kamera ins richtige Licht. Das "Burger unser" ist sein viertes Buch. Erschienen sind bereits Werke zur Sous-Vide-Methode, bei der unter Vakuum gegart wird, im Buch "Roh!" ging es um Rohkost, und bei "Lollies & Cones" stand Fingerfood im Fokus. Bei allem, was er kocht, steht für Tzschirner "das Produkt an sich, die Qualität der eingesetzten Lebensmittel immer im Vordergrund". Er ist daher der Meinung, dass ein guter Burger ruhig auch 10 Euro und mehr kosten darf.

Genuss geht vor Etikette

Der Hamburger ist längst raus aus der Schnellimbiss-Ecke. In fast jeder Kleinstadt gibt es inzwischen ein Burger-Restaurant. "Der Burger ist sogar in der gehobenen Küche angekommen." Unbestritten: Lecker ist er ja, allerdings oft gar nicht so leicht zu essen. Im "Burger unser" ist daher zu jedem Rezept der sogenannte Sauerei-Faktor benannt. Denn die Etikette steht in Tzschirners Welt deutlich hinter dem Genuss: "Klar, man kann den Burger im Sterne-Restaurant mit Messer und Gabel essen, aber ich finde, das sieht einfach affig aus." Erlaubt sei, was schmeckt.

Zu viele Tipps für die perfekte Burger-Zubereitung mag Tzschirner nicht verraten, steht schließlich alles im Buch. Einen wichtigen Rat gibt er aber: "In Hackfleisch aus dem Supermarkt ist oft Wasser eingemengt, es hat maximal fünf bis acht Prozent Fett." Er empfehle, das Hack beim Metzger zu kaufen. Noch besser sei, es selbst zu wolfen. "Das ist die Königsklasse." Die schafft er selbst oft, aber nicht immer. "Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin und großen Hunger habe, gehe ich auch mal zu McDonalds. Obwohl der Burger dort nichts mit einem guten Burger zu tun hat."

Das "Burger unser: Das Standardwerk für wahre Liebhaber" ist im März im Callwey Verlag erschienen. Es kostet 39,95 Euro. ISBN 978-3766722010.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare