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Buntes Programm mit Musik und Gesang

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Bad Nauheim (pm). Eine Rede zum »Tag der Selbstbestimmung« stand im Mittelpunkt des jüngsten Begegnungsnachmittags des Bundes der Vertriebenen (BdV) Ortsverband Bad Nauheim. Danach ging im gemütlichen Teil ein buntes Programm mit Musik, Gesang und Vorträgen über die Bühne. Die Besucher waren begeistert.

Zu Beginn wurde Bertl Kriegk zum 90. Geburtstag gratuliert.

In seiner Gedenkansprache zum 4. März erinnerte Helmut Körner daran, dass sich die Donaumonarchie und damit auch die deutschen Siedlungsgebiete im böhmisch-mährischen Raum schon vor ihrem eigentlichen Ende in unkontrollierter Auflösung befand.

Historischer Rückblick

Die in den Reichsrat gewählten Abgeordneten der böhmischen Länder wollten am 4. März 1919 nach Wien reisen. Dies wurde ihnen mit der Abnahme ihrer Pässe verweigert. So kam es zu dem bekannten Generalstreik der deutschen Bevölkerung im ganzen Land mit ausgesprochen friedlichen Kundgebungen, in denen sie nicht gegen das tschechische Volk demonstrieren, sondern ihr Recht auf freie Entfaltung einfordern wollten. Das Militär erhielt aber Schießbefehl und so betrauern viele bis heute den Tod von 54 unschuldigen Männern, Frauen und Kindern. Unter ihnen befanden sich sogar nachweislich zwei jüdische Mitbürger. »In diesem neuen Vielvölkerstaat hat es trotz der Zusicherungen in der Verfassung von Anfang an kein Recht auf Selbstbestimmung der Volksgruppen gegeben«, fuhr Körner fort. »Hätte dieses Selbstbestimmungsrecht wirklich gegriffen, hätten wir weder einen Anschluss an das Reich 1938 noch den viel verheerenderen Zweiten Weltkrieg oder die Vertreibung von mehr als 15 Millionen Menschen über uns ergehen lassen müssen.« »Ich verneige mich«, so Körner vor der Enkelgeneration unserer tschechischen Vertreiber, die trotz der radikalen Umerziehungsmaßnahmen ihrer Eltern nach der vorgefundenen deutschen Vergangenheit forschten und mit den Sudetendeutschen freundschaftliche Beziehungen suchten.

Das konnte Julia Rauner bestätigen. Sie wurde kürzlich von zwei jungen Tschechen besucht, die Geschichte studiert hatten und in ihrer Heimatstadt Chodau im Egerland leben. Die beiden hatten die 92-Jährige für ein Interview ausgesucht. Rauner schilderte ihnen ihre schreckliche Vertreibung und die ärmlichen Nachkriegsjahre in Hessen. Schließlich überraschte sie die Besucher damit, dass sie den Text der tschechischen Nationalhymne in Deutsch vortragen konnte, den sie als 10-jährige noch in der Schule in Chodau gelernt hatte: «

Franz-Walter Rossel hat die Bibel genau studiert und entdeckt, dass es noch einen vierten hl. Drei König gab. Die bekannten Kaspar, Melchior und Balthasar hatten Gold, Weihrauch und Myrrhe in ihrem Gepäck. Der vierte legte als Geschenk für das Jesususkind ein hölzernes Kistel in die Krippe. Darin hatte er Olmützer Quargeln verpackt. Quargeln riechen bekanntlich markant, sie erinnern an den deutschen Harzer Käse. Josef fragte Maria: Ich möchte wissen, hat der Bub schon wieder in die Hose gemacht?« »Der Evangelist Matthäus hat gestrichen drum, mich aus dem Evangelium. Man kennt mich darum nur sehr wenig, ich bin der vierte der Heiligen Drei König.«

Unerschöpfliche Kreativität

Vor dem Mikrofon zeigte sich dann, dass die Reihe der Aktiven im Ortsverband schier unerschöpflich ist: Elisabeth Führer hat auf ihrem Dachboden eine Kiste entdeckt, die das Wenige enthielt, mit dem sie aus ihrer Heimat vertrieben wurde. Rosemarie Kunz rief in den Saal: »Mollig ist herrlich, ihr werdet’s verstehn, dick ist nicht hässlich, dick ist fast schön!«

Gottfried Leitner sorgte für die musikalische Unterhaltung, und Kreisvorsitzender Reinhard Schwarz dankte der Ortsgruppe für ihre außerordentlichen Aktivitäten.

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