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"Die Mitglieder des Bundestages faulenzen nicht", sagt Peter Heidt. Seit Juli ist er selbst eines. Für die FDP-Fraktion ist er Obmann im Menschenrechte-Ausschuss geworden. "Das als Neuling zu kriegen, ist schon was", sagt der 54-Jährige. Fotos: Ihm-Fahle

FDP-Politiker

Neu im Bundestag: Peter Heidt über die ersten Tage in Berlin

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Nach über 30 Jahren als Kommunalpolitiker gelang dem Bad Nauheimer FDP-Mann Peter Heidt kürzlich der Sprung in den Bundestag. 2017 hatte er den Einzug nur haarscharf verfehlt. Die WZ hat den Liberalen in der Hauptstadt getroffen.

Wie war es für Sie, zum ersten Mal in den Bundestag zu gehen?

Das erste Mal - neun Uhr morgens donnerstags. Herr Schäuble fährt rein, und alle stehen auf. Das hatte etwas Berührendes.

Seit wann sind Sie in Berlin?

Seit 1. Juli. Nicola Beer wurde ins Europäische Parlament gewählt, gab ihr Mandat zum 30. Juni ab und ich bin nachgerückt. Die FDP hatte ja eine Landesliste und ich war der nächste.

Haben Sie ein eigenes Büro?

Ja. Das Büro von Nicola Beer hat die neue Generalsekretärin Linda Teuteberg bekommen, und ich bin in deren Büro gezogen.

Sind Sie in die Hauptstadt umgezogen?

Ich würde niemals Bad Nauheim den Rücken kehren. Hessen ist meine Heimat, hier bin ich verwurzelt. Ich habe in Berlin eine möblierte Zweitwohnung gemietet. Es gibt Abgeordnete, die immer ins Hotel gehen. Aber ich finde es gut, einen Rückzugsort zu haben, wo ich zu Hause bin und mir abends noch einen Tee kochen kann.

Wie sah der Einstieg in die Arbeit des Bundestags für Sie aus?

Zu Beginn habe ich Mitarbeiter gesucht, bin ins Büro eingezogen und musste viele Formalitäten klären. Außerdem habe ich Gespräche geführt, etwa mit Christian Lindner. Die Kollegen wollten natürlich wissen, was ich mir für Berlin vorgenommen habe. Es ging auch darum, in welche Ausschüsse ich komme: Es sind Menschenrechte und humanitäre Hilfe, sowie Bildung und Sport geworden. Im Menschenrechte-Ausschuss bin ich Obmann meiner Fraktion geworden. Das ist ein Erfolg. Das als Neuling zu kriegen, ist schon was.

Welche besonderen Erlebnisse hatten Sie schon?

Man lernt viele neue Menschen kennen. Faszinierend war beispielsweise das Treffen mit dem Parteivorsitzenden der liberalen Partei Kambodschas, Sam Rainsy. Kambodscha ist eine Diktatur, er lebt im Exil. Während solch eines Gesprächs wird einem wieder sehr bewusst, wie wertvoll unsere freiheitliche Demokratie und Meinungsfreiheit in Deutschland ist. Das gibt es in den meisten Ländern der Welt so nicht. Menschen wie Sam Rainsy zu unterstützen, ist eine sehr bewegende Sache.

Wie ist die Zusammenarbeit in Ihrer Fraktion?

Ende August hatte ich mein erstes Treffen mit der Fraktion. Das war bei der Klausurtagung in Jena. Ich wurde supergut aufgenommen, alle bieten sofort das Du an. Wir haben eine echt kollegiale Fraktion. Wir sitzen in einem Boot, haben ein gemeinsames Ziel und wollen es zusammen erreichen. Beeindruckend ist das hohe Niveau unserer Arbeit. Das gilt auch für das Arbeitspensum, das jeder Einzelne hier leistet. Man muss richtig tief in seinen Themen drin sein, um mit- und gegenhalten zu können. Es macht Spaß.

Wieso wirkt der Bundestag oft so leer?

Die Mitglieder des Bundestages faulenzen nicht, nur weil sie nicht immer im Plenum sitzen. Sie sitzen in Ausschüssen, treffen sich zum Austausch mit anderen Fachleuten, lesen sich in Themen ein. Die Meinungsbildung für das Plenum erfolgt überwiegend in den Arbeitskreisen. Im Bundestag wechseln immer die Fachleute aus den Arbeitskreisen - je nach Thema. Es besteht Arbeitsteilung, da es sonst unmöglich zu schaffen wäre. Der Bundestag tagt bis nachts, das wissen die wenigsten Menschen. Bei Abstimmungen sind alle da.

Wie war Ihre erste Rede im Bundestag?

Ich war vorher nervös. Aber wenn es erst mal losgeht, macht es Spaß. Es war schön, dass von der FDP-Fraktion viele da waren, um mich zu unterstützen. Es hat mich auch sehr gefreut, dass mein Fraktionskollege Wolfgang Kubicki die Sitzung meiner ersten Rede geleitet hat. Es ging um das Thema Chancengerechtigkeit in der Bildung.

Wann halten Sie Ihre nächste Rede?

Ich freue mich sehr, dass ich nächste Woche im Plenum zu 30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention für meine Fraktion sprechen darf. Es hat sich viel getan in Sachen Kinderrechte, aber es gibt noch viel zu tun. Mich hier zu engagieren, ist mir eine Herzensangelegenheit.

Was möchten Sie in Berlin politisch umsetzen?

Da habe ich mir viel vorgenommen. Ganz oben steht für mich, mich um mehr Internationalität in der Ausbildung zu kümmern. Ohne dies werden wir in unserer globalen Welt nicht bestehen können. Unser Bildungssystem muss es jedem ermöglichen, seine Begabungen zu nutzen - unabhängig vom Elternhaus. Beim Thema Menschenrechte will ich zweierlei Dinge zuvorderst anstoßen: Die Entwicklungshilfe muss sich mehr um Mädchen und Frauen kümmern. Außerdem darf es nicht sein, dass wir überwiegend nur nationale Projekte betreiben. Wir müssen uns mit anderen Staaten zusammentun, um gemeinsam etwas zu bewirken. Und im Sportbereich schaue ich mir als Jurist Themen wie Doping an.

Konnten Sie schon kommunale Themen ins Gespräch bringen?

Das ist mir ein großes Anliegen. Ich bringe meine Erfahrungen als Kommunalpolitiker und Wetterauer ein und weise immer darauf hin: ›Langsam - das was ihr macht, hat eine Auswirkung auf Städte, Gemeinden und Landkreise.‹ Wir haben jetzt das Angehörigen-Entlastungsgesetz - finde ich gut. Aber dass die Hälfte der Kosten die Kommunen zahlen sollen, ist für mich ein Unding. Weiteres Thema sind die Bauern. Wir bekämpfen vehement, was das Umweltministerium auf den Landwirten ablädt.

Wie klappt das Pendeln nach Hause?

Das geht. Ich fliege öfter, weil meine Erfahrungen mit der Bahn ambivalent sind. Die Züge sind oft nicht pünktlich und voll. Ich finde es immer so schön, wenn man nach den öffentlichen Verkehrsmitteln schreit - aber dann muss man investieren und ihn ausbauen.

Wieso behalten Sie Ihre Mandate zu Hause in der Wetterau?

Ich will meine kommunale Basis nicht verlieren. Was ich dort erlebe, nehme ich nach Berlin mit und hoffe, an der einen oder anderen Stelle etwas für die Wetterau tun zu können. Ich bekomme immer mehr Post aus der Wetterau und versuche, diese abzuarbeiten. Meine Fraktionen zu Hause unterstützen mich. Wenn ich zu den Sitzungen gehen kann, gehe ich - wenn nicht, werde ich vertreten. Die Sitzung des Kuratoriums Sprudelhof habe ich beispielsweise wahrgenommen und mich in Berlin entschuldigen lassen.

Info: Von Ortsbeirat bis Bundestag

Peter Heidt ist 54 Jahre alt, wurde in Frankfurt geboren und wuchs im Bad Nauheimer Stadtteil Nieder-Mörlen auf. Er studierte Jura, wurde Rechtsanwalt und ist zweifacher Vater. Seit über 30 Jahren ist Heidt für die FDP in der Politik aktiv. Er war im Ortsbeirat, sitzt in Stadtparlament und Kreistag, kandidierte für Landtag, Bundestag und als Bürgermeister von Bad Nauheim. Seit Juli 2019 ist er Bundestagsabgeordneter und vertritt Wetterau- und Main-Kinzig-Kreis. Zu seinen Hobbys gehören Eishockey (EC) und Fußball (SGE). Heidt ist Vorsitzender des VfB Friedberg und 2. Vorsitzender des Vereins "Schönes Dorfleben Wisselsheim".

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