Die Demonstranten ziehen unter anderem durch die Parkstraße.
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Die Demonstranten ziehen unter anderem durch die Parkstraße.

Naturschützer-Demo

BUND-Jugend demonstriert in Bad Nauheim gegen Abholzung im Dannenröder Forst

  • vonJürgen W. Niehoff
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In Bad Nauheim sind am Samstag Demonstranten von der Wilhelmskirche zum Bahnhof gezogen und habengegen die geplante Abholzung im Dannenröder Forst Stellung bezogen.

Es ist keine große, dafür aber eine sehr lautstarke Demo gewesen, die am Samstag durch die Kurstadt gezogen ist, um auf die geplante Rodung eines Waldstückes in Nordhessen aufmerksam zu machen. Es geht um die Abholzung eines Teils des Dannenröder Forstes nahe Homberg/Ohm zum Zwecke des Ausbaus der Autobahn 49.

"Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Wälder klaut" lautete eine der Parolen, die die 16 Demonstranten auf ihrem Weg von der Bad Nauheimer Wilhelmskirche, dem Sammelplatz, über die Friedrichstraße, die Parkstraße bis hin zum Bahnhof vortrugen.

Die jungen Erwachsenen, allesamt Mitglieder der BUND-Jugend Hessen, die an diesem Tag ihre Jahreshauptversammlung coronabedingt in der Wilhelmskirche abhielt, wollten mit ihrem Zug durch Bad Nauheim darauf hinweisen, dass das Abholzen im Dannenröder Forst zwecks Ausbaus der A 49 nicht rechtens sei.

Hinweis auf Trinkwasserschutzgebiete

Deshalb stellte der Sprecher und ehemalige Vorsitzende der BUND-Jugend, Lukas Laufenberg, in seiner Abschlussrede vor dem Bahnhof noch einmal ausdrücklich fest, dass durch den Autobahn-Ausbau bedeutende Trinkwasserschutzgebiete gefährdet würden. Der Bau werde zudem wertvolle Acker- und Wiesenflächen zerstören. Kritisch sei auch die zu erwartende Verkehrsbelastung zu bewerten, sagte Laufenberg. "Wir fordern daher ein Moratorium beim Straßenneubau. Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten! Und das in Zeiten der Klimaerwärmung."

Seit dem 1. September habe das Straßenbauunternehmen Strabag die Besitzrechte an der Trasse durch den Forst, und am 1. Oktober beginne die Rodungssaison. "Unsere Forderung ist also sehr akut", erklärte Laufenberg gegenüber dieser Zeitung. Wer könne es denn noch gut heißen, im Jahr 2020 einen gesunden Mischwald für eine Autobahn zu zerstören? Einen über 250 Jahre alten Wald zu erhalten, sei für ihn zielführender als Rodungen und Ersatzpflanzungen, sagte Laufenberg.

Passanten zeigen auch Unverständnis

Deshalb habe die BUND-Jugend Hessen beschlossen, den Samstag, an dem bundesweit der "Parking Day" begangenen wurde und Grünflächen statt Parkplätze eingefordert werden sollten, dafür zu nutzen, um den Rodungsstopp für den Dannenröder Forst einzufordern. Zum Schutze eines intakten Natur-, Arten- und Trinkwasserschutzgebietes.

Bei Passanten entlang des Demonstrationszuges in Bad Nauheim stießen Sprüche wie "Ohne Bäume keine Träume" oder "Wasser statt Raser - Wald statt Asphalt" nicht nur auf Zustimmung. "Was haben wir hier in Bad Nauheim mit dem Dannenröder Forst zu tun? Wenn überhaupt, dann sollen die dort im Wald demonstrieren", kommentierte ein älterer Herr das Geschehen. Andere Äußerungen waren deutlich abwertender: "Schon wieder solche Hirnis. Die sollen lieber lernen statt zu demonstrieren." Ein Anderer behauptete: "Wollen wir wetten, dass die nach ihrer Demo ins Autos steigen und nach Hause fahren?"

Appell an die Landesregierung

Bei der Abschlusskundgebung, dem Demonstrationszug hatten sich auf seinem etwa 20-minütigen Weg sechs bis sieben Bürger angeschlossen, trat ein Bürger vor und forderte das Ende der Veranstaltung, weil der Ausbau der A 49 durchaus sinnvoll sei. Auch davon ließ sich Laufenberg nicht abhalten. Er forderte die Landesregierung und da namentlich auch Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) dazu auf, im Interesse der heutigen und künftiger Generationen zu handeln und den Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau der A 49 aus dem Jahr 2012 zurückzunehmen. Der Beschluss habe vor acht Jahren die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Bedeutung des Waldes als Kohlendioxid-Speicher nicht berücksichtigen können. Heute wisse man umso mehr, dass der Wald in Zeiten der Klimakrise existenziell sei.

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