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Bürgerversammlung zur Therme: Vielleicht mit Badehaus 2

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Die Kosten für die Therme werden aufgrund des Denkmalschutzes im Sprudelhof steigen, warnt Dr. Magnus Peil.
Die Kosten für die Therme werden aufgrund des Denkmalschutzes im Sprudelhof steigen, warnt Dr. Magnus Peil. © Jürgen Wagner

Bad Nauheim (jw). Wird die neue Bad Nauheimer Therme im dritten Quartal 2020 eröffnet? »Der Zeitplan ist illusorisch«, sagte Bürgermeister Häuser am Freitagabend in der Trinkkuranlage. Die Bürger indes fragten sich, warum die Bürgerversammlung erst nach dem Beschluss des Parlaments einberufen wurde.

Mitglieder des Theaters Alte Feuerwache (TAF) verteilten vor der Trinkkuranlage eine Werbebroschüre. »Faust – Der Tragödie erster Teil« wird auf der Rückseite angekündigt, eine Produktion von 2014. Der wievielte Teil der Tragikomödie »Therme« am Freitagabend gegeben wurde, kann niemand sagen. Seit zehn Jahren wird über Sanierung oder Neubau diskutiert, im Januar schloss das Thermalbad, seitdem ist die Politik nicht wirklich weitergekommen. So sehen es die Bürger. Die Politiker würden sagen: Doch, wir haben den Beschluss vom 13. Oktober, »mit Zweidrittelmehrheit gefasst«, wie mehrfach betont wurde. »Auch Mehrheiten können sich irren«, kommentierte Bürgermeister Armin Häuser (CDU) bitter.

Der Beschluss des Stadtparlaments vom Oktober ist ein gutes Beispiel für koalitionäre Kompromisse. Stadtverordnetenvorsteher Gerhard Hahn (UWG) las ihm komplett vor. Die wichtigsten Punkte: Die alte Therme wird »unverzüglich« abgerissen und durch den »Neubau einer autarken Therme« ersetzt. Inbetriebnahme: drittes Quartal 2020.

Außerdem soll die Stadt mit der Stiftung Sprudelhof und dem Denkmalschutz über die Anbindung des Badehauses 2, der Spielstätte des TAF, verhandeln; dort soll der für eine Kurstadt unabdingbare Wellnessbereich eingerichtet werden. Sprecher der im Parlament vertretenen Fraktionen erläuterten ihre Haltungen, während die Verwaltung in Person der Ersten Stadträtin Brigitta Nell-Düvel (Grüne) trotz eigener Bedenken betonte: »Das ist ein demokratischer Beschluss, die Verwaltung wird das umsetzen.«

Wie unterschiedlich die Meinungen der Bürger in der Thermen-Frage sind, zeigte sich während der Diskussion. Eine Bad Nauheimerin meinte, man könne die Therme doch im Goldsteinpark bauen, eine Friedbergerin wünschte sich, es würde in größeren Dimensionen gebaut, damit die einstige »Weltstadt« Bad Nauheim wieder an glorreiche Zeiten anknüpfen könne.

Dieter Heier von der BI Therme bemängelte, dass die Bürgerversammlung »recht spät« komme: »Die Beschlüsse sind ja schon gefasst, wir haben keine Möglichkeit mehr zur Mitwirkung. Das ist ganz traurig.« Die Bürgerversammlung sollte eigentlich Anfang Oktober stattfinden, sagte Hahn. »Da waren wir noch im Meinungsfindungsprozess.« Und dabei stören die Bürger offensichtlich. »Die Bürger sollten vorher angehört werden«, kritisierte Gerrit Fischer. »Nach dem Abriss hätte sofort die Sanierung sofort starten müssen. Die Schließung hätte nicht passieren dürfen«, bekräftigte Dr. Magnus Peil und erntete Applaus. »Ich gehe jede Wette ein: die Kosten werden aufgrund des Denkmalschutzes um 40 bis 50 Prozent steigen.«

Was kostet die Anbindung?

Das ist der nächste strittige Punkt: Bleibt es bei den vorgesehenen 18 Millionen Euro für den Neubau? Was kostet die Anbindung? Und wird der Denkmalschutz den Plänen der Stadtverordneten zustimmen? Doch was, wenn sich die Verhandlungen hinauszögern und es zu keiner Einigung kommt? Dann wurde eine Therme ohne Wellnessbereich gebaut. Eine andere Fragen ist, ob der Wellnessbereich im Badehaus 2 wirklich als Alleinstellungsmerkmal dient und Besucher anlockt, wenn es dort, wie ein Bürger meinte, »doch nur ein paar Badewannen und Ruheliegen gibt?«

Nächste Hürde: Im Sprudelhof soll neben Wellness auch Kultur angeboten werden. Warum vertreibt man dann das TAF und was kostet die Stadt eine neue Spielstätte? »Das TAF steht den Plänen nicht im Weg«, betonte der Vereinsvorsitzende Gunnar Bolsinger, brachte aber sein Unverständnis darüber zum Ausdruck, dass die Therme nicht auf der »grünen Wiese« gebaut wird.

Die Politiker mussten sich viele kritische Frage gefallen lassen. Aufgrund der komplizierten Sachlage – Denkmalschutz, Baurecht, Finanzierung, Auschreibung etc. – ist das nicht verwunderlich. Aber es gab auch Lob: »Ich habe noch kein Projekt erlebt, in das sich die Stadtverordneten so intensiv eingearbeitet haben. Die Stadtverordneten verhalten sich sehr verantwortungsbewusst«, sagte Dr. Ulla-Ira Stamm, die Zeit könne man nicht mehr zurückdrehen. Also bleibt nur der (bange) Blick in die Zukunft und das gallige Schlusswort des Bürgermeisters: »Der Zeitplan ist nicht zu schaffen, und die, die das beschlossen haben, glauben selbst nicht dran.« Es liegt an den Kommunalpolitikern, das Gegenteil zu beweisen.

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