Bürger wollen Jugendstilbad vorm Verfall retten

Friedberg/Bad Nauheim (abb). Während des Jugendstil-Festivals ist im Badehaus 7 in Bad Nauheim eine Aktion zur Rettung des Friedberger Jugendstilbads angelaufen. An der Tür warb ein selbstgestaltetes Plakat für einen Vortrag mit Lichtbildern über die Geschichte sowie neue Perspektiven des vom Verfall bedrohten Jugendstilbads.

Friedberg/Bad Nauheim (abb). Während des Jugendstil-Festivals ist im Badehaus 7 in Bad Nauheim eine Aktion zur Rettung des Friedberger Jugendstilbads angelaufen. An der Tür warb ein selbstgestaltetes Plakat für einen Vortrag mit Lichtbildern über die Geschichte sowie neue Perspektiven des vom Verfall bedrohten Jugendstilbads. Etwa 50 Menschen hatten sich daraufhin eingefunden und wurden vom vortragenden Ehepaar Gerlinde und Bernd Pollack begrüßt. Die meisten kamen aus Friedberg und verbinden mit dem Schwimmbad Erinnerungen an ihre Kindheit, die so nachhaltig sein müssen, dass sie bereits Mitglied dieses Vereins geworden sind. Denn die erst vor einem Jahr als Kuratorium gegründete Gesellschaft hat bereits 1300 zahlende Mitglieder und will demnächst die Zahl 2500 erreichen, um als gemeinnützige GmbH ihr Ziel verwirklichen zu können.

Dieses Ziel wird in der Beitrittsbroschüre so beschrieben: »Wir wollen das Gebäude sanieren und der Öffentlichkeit für kulturelle Veranstaltungen zugänglich machen. Die noch vorhandenen Jugendstilelemente sollen weitestgehend erhalten und rekonstruiert werden. In den neu entstehenden Räumlichkeiten mit 150 bis 200 Plätzen sollen Theateraufführungen, Konzerte, Vorträge, Literaturlesungen, Kleinkunstveranstaltungen, Abschlussfeiern von Schulen, Aufführungen der Wetterauer Musikschule und private Veranstaltungen stattfinden.«

Im Vortrag schilderte Gerlinde Pollack das Badewesen im geschichtlichen Abriss von der Römerzeit über das Kaiserreich. Außerdem erwähnte die Referentin das im Jahr 1260 erbaute Judenbad und die Badeanstalten an der Usa. Auch die Zusammenarbeit der beiden Städte Friedberg und Bad Nauheim hat Geschichte, wurde aber erst in den 1980er-Jahren durch das Usa-Wellenbad gekrönt.

Bernd Pollack referierte über die Vergangenheit des Friedberger Bads. Er berichtete vom ersten Spatenstich am 17. Februar 1908 und der Eröffnung am 7. Juni 1909 an Pfingsten. Finanziert wurde das Projekt damals durch Spenden der Bürger, die dadurch Aktionäre wurden. Viele Firmen, Vereine und Personen der Zeitgeschichte wurden erwähnt, beispielsweise der »Diamantenkönig« Sir Ernest Oppenheimer.

Vornehm, warm und heiter

Auch die Verdienste des Architekten Hans Meyer aus Gießen wurden gewürdigt. Denn bei der Präsentation der Bilder vom Bau und der Architektur zeigten die Ausschnitte viele Details: Die Kandelaber, das Licht durch die kunstverglasten Fenster, der Nixenbrunnen im Eingangsbereich und der Neptunbrunnen im Schwimmbecken, das schmiedeeiserne Geländer an der Treppe und auf der Empore - alles wirkte vornehm, gediegen, warm und heiter. Da waren sie, die Bilder aus der Kindheit. »Wir sind Menschen, die Freude an Schönheiten mit Geschichte haben«, schreiben die Freunde des Alten Hallenbads und versuchen, den alten Bürgersinn für das Allgemeinwohl in Friedberg und der ganzen Wetterau neu zu erwecken.

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