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Aktive des Vereins Bad Nauheim fair wandeln stellen ihre Lieblingsbücher vor und diskutieren darüber (v. l.) Dr. Wolfgang Kessler, Dr. Christine Kunert, Dr. Helmut Francke, Hermann und Agnes Römer.

Bücher, die Mut machen

  • VonAntje Lilienthal
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Bad Nauheim (all). »Menschlichkeit braucht Mut«: Unter diesem Motto stellten Aktive des Vereins Bad Nauheim - fair wandeln anlässlich der Interkulturellen Wochen ihre Lieblingsbücher im Weltladen vor. Dabei dürfte das neue Buch des Bestsellerautors Frank Schätzing »Was, wenn wir einfach die Welt retten«, den Nerv der Zeit besonders treffen. Stellt es doch die Klimakrise teils als Sachbuch, teils als Thriller dar, an dem wir alle beteiligt sind:

und über dessen Ausgang wir folglich selbst bestimmen. Agnes und Hermann Römer lasen daraus vor und lobten die umfassende Sachkenntnis zum Thema Klimawandel, die dem Leser unterhaltsam vermittelt wird. Das richtige Buch also für all jene, die manche Debatte zu dem komplexen, aber dringenden Thema nur ansatzweise verstehen. Mut macht Schätzings Einschätzung, dass alle Instrumente zur Bewältigung der Klimakrise da sind. Die Katastrophe sei noch abzuwenden, wenn sie im Einklang von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik umgehend eingesetzt werden.

Reise um die Welt

Dr. Helmut Francke empfahl den Zuhörern und Zuhörerinnen das bereits 2008 erschienene, aber heute nicht minder aktuelle Buch des französischen Autoren Erik Orsenna »Die Zukunft des Wassers«. Der Autor nimmt seine Leser mit auf eine Reise um die Welt, um ihm genauso »wissenschaftlich fundiert wie anschaulich zu vermitteln, welche Bedeutung das Wasser für die Menschen in den unterschiedlichen Kulturen hat, welche Kraft in ihm liegt und welche Probleme es mit sich bringt«, so Dr. Francke.

Menschlichkeit und Mut in einem zwiespältigen kriegs- und nachkriegstypischen Mutter-Tochter-Verhältnis beschreibt die 1940 geborene Schriftstellerin Helga Schubert in ihrem Erzählband »Vom Aufstehen«. Dr. Christine Kunert las die ergreifende Titelgeschichte vor, in der die Ich-Figur am Totenbett der Mutter von ihr »drei Heldentaten« erfährt: Sie habe die Tochter nicht abgetrieben; sie habe sie mit auf die Flucht genommen; und sie habe sie vor dem Einmarsch der Russen nicht vergiftet. Die Tochter antwortet so einfach wie ergreifend: »Ich danke Dir, dass ich lebe. Es ist alles gut«. Für diese Erzählung erhielt Helga Schubert, die bis zur Wende in der DDR gelebt hat, im vergangenen Jahr als 80-Jährige den Ingeborg-Bachmann-Preis. Für Dr. Kunert beweist »Helga Schubert in ihrer Literatur den Mut, sich mit anderen auseinanderzusetzen und auch mit sich selber.«

Dr. Wolfgang Kessler lenkte den Blick auf eine junge Hoffnungsträgerin: die 22-jährige farbige Poetin Amanda Gorman. Sie trug auf Bitte der Familie Biden bei der Vereidigung des neuen US-Präsidenten das Gedicht »The Hill We Climb« vor. Es berührte Millionen Menschen rund um den Globus und »ist derzeit sicher eines der berühmtesten Gedichte der Welt, weil es eine berühmte Geschichte hat«, so Dr. Kessler. Es ist nun auch zusammen mit der Originalfassung bei dem Verlag Hoffmann und Campe in deutscher Sprache erschienen. Für Dr. Kessler ist es »nicht nur ein Abgesang auf die Trump-Regierung und die Spaltung der Nation, über die Gefahr für die Demokratie, sondern es handelt von Versöhnung und Hoffnung.«

Nerv getroffen

Den Vortragenden gelang es, mit ihren Lieblingsbüchern das Publikum besonders auch emotional anzusprechen. Die Präsentation des Erzählbandes von Helga Schubert habe »einen Nerv« bei ihr getroffen, sagte eine Zuhörerin. Ebenso erging es dem Ehepaar Villagra mit dem Gedicht von Amanda Gorman. »Sehr vielseitig«, lobte Christina Ponto die Büchervorstellung. Sie will sich mit dem Buch »Die Zukunft des Wassers« näher beschäftigen. Sie alle wollen wiederkommen, sagten sie, auch mehr als einmal im Jahr.

Eine vielseitige Auswahl auf dem Büchertisch.

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