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Brutzeit: Vögel können loslegen

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Von: Bernd Klühs

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Die Pflege des Insektenhauses im »Nizza« ist eine von vielen Aufgaben, die der Umweltbeauftragte Rudi Nein zu erledigen hat. © pv

Bad Nauheim (bk). In Bad Nauheim Süd gibt es eine Straße mit dem Namen An den Streuobstwiesen. Tatsächlich sind am Ostrand des Neubaugebiets einige Obstbäume erhalten geblieben. Eine der zahlreichen Aufgaben des ehrenamtlichen Umweltschutzbeauftragten der Stadt Bad Nauheim, Rudi Nein, ist es, sich dort um Nisthilfen für Vögel zu kümmern. Außerdem hat er den Bau von zwei großen Insektenhäusern veranlasst, die in absehbarer Zeit aufgestellt werden sollen.

»Weil es immer weniger Fluginsekten gibt, fehlt auch Nahrung für Vögel«, sagt Rudi Nein. Vor der Ausweisung des neuen Baugebiets sei das Areal östlich und südlich des Kernstadt-Friedhofs ein »Paradies« für viele Arten gewesen. »Was wir als ›Unkraut‹ bezeichnen, ist aus ökologischer Sicht oft am wertvollsten. Verschwindet eine bestimmte Pflanze, kommt auch die darauf spezialisierte Wildbienen-Art nicht mehr vor«, erklärt der Umweltexperte. Er appelliert an die Bewohner des Gebiets, bei der Gartengestaltung an den Tierschutz zu denken.

In den letzten Monaten haben Rudi Nein und seine Helfer die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Brutjahr geschaffen. Ein Beispiel ist das Schwalbenhaus in Steinfurth mit 32 Kunstnestern. Weitere sechs Bruthilfen gibt es an der dortigen Sporthalle. Mithilfe eines Hubwagens der Stadtwerke wurden alle Nester gereinigt.

Viel zu wenig Fluginsekten

Auch in Steinfurth gibt es nach Aussage des Umweltschutzbeauftragten immer weniger Mehlschwalben, weil Fluginsekten fehlen. »Vor zwei Jahren waren noch 28 Nester besetzt, zuletzt nur 19«, sagt Rudi Nein. Als das Schwalbenhaus errichtet worden war, hatten die Naturschützer mit Lautsprechern Schwalbenlaute ertönen lassen, um die Vögel zu den neuen Nisthilfen zu locken. »Diese Aktion tauchte bei den Büttenreden in der Faschingszeit auf«, blickt Rudi Nein schmunzelnd zurück.

Insgesamt kümmert sich das Nein-Team um rund 300 Nisthilfen für Kleinvögel, Fledermäuse, Schleiereulen, Steinkäuze und Turmfalken. Oft sind die Naturschützer in Wäldern, auf Wiesen, Friedhöfen, in Kirchen oder Türmen im Einsatz. Als »Erfolgsgeschichte« wertet der Umweltschutzbeauftragte die sechs Storchenhorste im Wettertal, die bereits alle wieder mit Brutpaaren besetzt sind. Ein Storchenpaar brütet seit drei Jahren auf einem gekappten Weidenstamm an der »Ranch« bei Steinfurth. Die dünnen Äste rund um den Horst müssen jedes Jahr beschnitten werden, damit die Schneisen für An- und Abflug der Vögel erhalten bleiben.

Viel Arbeit wird in den ökologischen Waldlehrgarten in der Nähe des Waldhauses gesteckt. Dort ist ein großes Insektenhaus entstanden, das vor allem Wildbienen zur Verfügung steht. Die Vielzahl verschiedener Pflanzen am Lehrpfad lockt etliche Tierarten an, etwa Greifvögel, Spechte Hirschkäfer Amphibien, Rehe und Schmetterlinge.

Auf der langen Liste, die von Rudi Nein und seinen Helfern abgearbeitet wird, stehen zudem die Pflege des oberen Waldteichs, des Trockenbiotops an der »Wisselsheimer Sode« und der Wetterinsel in Steinfurth. Rentner Rudi Nein sammelt im Laufe eines Jahres etliche Einsatzstunden an. »Meine Frau spricht von einem Vollzeitjob«, sagt der Umweltschutzbeauftragte.

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Um die Anflugschneise für Störche frei zu halten, müssen etliche Äste gekappt werden. © pv

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