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Endlich Einweihung: Musiker Toni Cardone, Bürgermeister Klaus Kreß, die Initiatorinnen Meike Berger und Angela Storm sowie Fachbereichsleiter Steffen Schneider (v. l.) feiern Elvis.

Europäisches Festival

Bronze-Elvis in Bad Nauheim endlich eingeweiht – „Hohes Risiko“ für Diebe

  • Bernd Klühs
    VonBernd Klühs
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Dieses Motiv darf in keinem digitalen Fotoalbum von Elvis-Fans fehlen: Seit Freitag kann die Bronzestatue des King of Rock ’n’ Roll in Bad Nauheim abgelichtet, angeschaut oder angebetet werden.

Bad Nauheim – Manche Bad Nauheimer haben Meike Berger (Bochum) und Angela Storm (Lübeck) belächelt, als sie 2018 die Idee vorstellten, in der Kurstadt eine lebensgroße Bronzestatue ihres Idols Elvis Presley aufzustellen - die erste in Deutschland. Die beiden Frauen sind regelmäßige Besucherinnen des European Elvis Festivals in der Stadt, die als einziger Wohnsitz des Weltstars außerhalb der USA gilt.

Im Rathaus wurde die Initiative dagegen von Anfang an ernst genommen, kann damit doch das wertvolle Image Bad Nauheims als »Elvis-Stadt« weiter aufgepeppt werden. Fachbereichsleiter Steffen Schneider (Kur- und Servicebetrieb) machte schließlich den Vorschlag, das in Fan-Kreisen berühmte Foto von 1959 nachzustellen, das den »King« in US-Armee-Uniform auf der Usa-Brücke zwischen Rosengarten und Stadtbücherei zeigt.

Bronze-Elvis in Bad Nauheim: Einweihung wegen Corona verschoben

Ursprünglich sollte Bronze-Elvis bereits am 8. Januar dieses Jahres platziert werden - der 1977 verstorbene Musiker hätte an diesem Tag seinen 86. Geburtstag gefeiert. Wegen Corona musste der Termin allerdings in den August verlegt werden und bildete am Freitagnachmittag (13.08.2021) den Höhepunkt des Festival-Auftakts.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Klaus Kreß, der den mit viel Beifall bedachten Initiatorinnen besonders dankte und sich angesichts des Engagements der Fans »gerührt und stolz« zeigte, ergriffen Meike Berger und Angela Storm das Wort. »Für uns geht heute ein Traum in Erfüllung. Wir errichten Elvis, seiner Musik, seinem Charisma und seiner Musik ein Denkmal«, sagten die beiden Frauen.

Zu Beginn der Kampagne seien sie teilweise als »Mädchen mit dem Klingelbeutel« belächelt worden. Doch die vielen Beteiligten aus Stadt, Firmen und Fanszene hätten sie zum Erfolg getragen. Welchen Stellenwert sich Berger und Storm erworben haben, zeigte die Auszeichnung durch Maria Hesterberg, Vorsitzende der Elvis-Presley-Gesellschaft. Sie ernannte die beiden Fans zu Ehrenmitgliedern.

Unter den Ehrengästen befand sich auch Jason Shelton, Ex-Bürgermeister der Elvis-Geburtsstadt Tupelo. Wie er betonte, habe der Weltstar nur in wenigen Städten gelebt. Jede dieser Kommunen stehe für einen Lebensabschnitt von Elvis. Friedberg und Bad Nauheim verkörperten die Armeezeit. »Wir stehen hier in den Fußstapfen von Elvis«, sagte Shelton, der aus Anlass der Statuen-Einweihung extra die »Blue Suede Shoes« angezogen hatte, blaue Wildlederschuhe, die der Künstler einst besungen hatte,

Bad Nauheimer Elvis-Denkmal: Kleine Anfänge mit der Sammelbüchse

Bürgermeister Dirk Antkowiak (Friedberg) betonte die reibungslose Zusammenarbeit der Wetterauer Elvis-Städte. Die Kulturämter kooperierten ebenso gut wie die zwei Elvis-Vereine - das sei nicht immer so gewesen.

Meike Berger und Angela Storm hatten ihr Projekt in den vergangenen drei Jahren mit erstaunlicher Zähigkeit vorangetrieben. Aus kleinen Anfängen - mit Sammelbüchsen beim Festival 2018 - entwickelte sich eine Initiative, die in der Fanszene für weltweites Aufsehen sorgte. Als ein fünfstelliger Betrag zusammengekommen war, konnte die Firma EGO 3D aus Mülheim/Ruhr beauftragt werden, mithilfe von 3 D-Druckern die Gussform herzustellen. Immer wieder trafen sich die Initiatorinnen mit dem digitalen Bildhauer Immanuel Günter, um an Details zu feilen, vor allem dem Gesichtsausdruck..

Den Durchbruch in finanzieller Hinsicht brachte die Zusage des Unternehmers Michael Wesselmann aus Bochum, die Kosten für den Guss bei der Glocken- und Kunstgießerei Rincker im hessischen Sinn komplett zu tragen. Nach einem Benefizkonzert in der Trinkkuranlage waren die Gesamtkosten von 36 000 Euro endgültig gedeckt.

Nun lehnt der 1,82 Meter große und 180 Kilogramm schwere Bronze-Elvis lässig am Geländer der Fußgängerbrücke. Genauso stand der lebende King of Rock ’n’ Roll 1959 dort Modell für den Fotografen. Es ging darum, in Bad Nauheim ein passendes Motiv für das Plattencover von »A Big Hunk ’O Love« zu finden. Das Rennen machte zwar die Aufnahme mit Elvis an der Burgpforte, doch das Brücken-Bild ist gleichwohl zu Berühmtheit gelangt.

Die Stadt Bad Nauheim hat 420 000 Euro in die Sanierung der Brücke investiert. Wobei es sich um einen kompletten Neuaufbau handelte, bei der das Bauwerk um einen auf vier Meter verbreitert wurde. Das Aussehen wurde so weit wie möglich dem historischen Vorbild von 1894 nachempfunden. Das gilt vor allem für das schmiedeeiserne Geländer.

Elvis-Bronzestatue in Bad Nauheim: Vorsichtshalber versichert

In den vergangenen Jahren hatte die Stadt Bad Nauheim nicht viel Glück mit Gedenkstätten und Kunstwerken aus Bronze. Vermutlich angelockt durch recht hohe Metallpreise machten sich Diebe im Kurpark an der Friedrich-Bode-Tafel und der Schwanen-Skulptur zu schaffen. Während dieses Metall eingeschmolzen und verkauft worden sein dürfte, hat das Verschwinden der Elvis-Plakette am »Walk of Fame« vor den Kolonnaden vielleicht einen anderen Hintergrund. Ein Fan könnte das Teil für die heimische Sammlung mitgenommen haben.

Wie steht es also um die Sicherheit der lebensgroßen und 180 Kilo schweren Elvis-Bronzestatue? Die Figur ist nach Angaben von Volkmar Dörn (Kur- und Servicebetrieb) fest in der Brücke verschraubt, zudem wird das Bauwerk durch eine zusätzliche Laterne nachts gut ausgeleuchtet. Abschreckend dürfte auch die nahe Zanderstraße wirken. »Diebe gehen an dieser Stelle ein hohes Risiko ein«, sagt Dörn. Zudem müssten Täter durch Geräte-Einsatz viel Lärm in Kauf nehmen - und das über einen längeren Zeitraum. Ebenso problematisch ist der Abtransport.

Angesichts des Materialwerts von rund 2000 Euro, den die Statue hat, ist Diebstahl trotzdem nicht auszuschließen. Gleiches gilt für Vandalismus. Deshalb wurde für den Bronze-Elvis laut Dörn eine Versicherung abgeschlossen.

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