+
Die Referenten Gerald Lach (r.) und Dennis Zährl zeigen ein Bild des Kollektorfeldes kurz vor der Wiederherstellung als Ackerfläche.

Aus dem Boden Wärme ernten

  • schließen

Bad Nauheim(pm). Vonseiten der Stadtwerke Bad Nauheim wurde in den vergangenen Monaten öfters über das Baugebiet Bad Nauheim Süd mit seiner "Kalten Nahwärme" gesprochen. Aktuell sind dort die ersten Bauabschnitte fertig, was der bei der Wetterauer Wirtschaftsförderung angesiedelte Leader-Arbeitskreis "Energie und Mobilität" zum Anlass genommen hat, sich vor Ort näher damit zu beschäftigen. Der auf den ersten Blick widersprüchliche Begriff "Kalte Nahwärme" definiert sich über die Verlegung von Kollektoren auf einer Fläche von über 11 200 Quadratmetern bei verschiedenen Einbautiefen von 1,50 und drei Metern. Auf diesem größten Kollektorfeld in Europa wurden 13 Kilometer Leitungen verlegt, ehe die vorher abgetragene Erde aufgefüllt wurde. LEADER-Arbeitskreis-Sprecher Diethardt Stamm benutzt in diesem Zusammenhang den Begriff "Agro-Thermie" und sagt: "So wie wir neuerdings von Agro-Fotovoltaik bei der Doppelnutzung von landwirtschaftlichen Flächen sprechen, ist Bad Nauheim Süd ein vorbildliches Modell für die gleichzeitige Ernte von Erdwärme und landwirtschaftlichen Produkten."

Im Sommer für Kühlung sorgen

Auch Bernd-Uwe Domes von der Wirtschaftsförderung sieht dieses Pilotprojekt als eine interessante Variante für den ländlichen Raum: "Hier haben Landwirte zusätzliche Einnahmen über Pachten, und gleichzeitig wird nichtfossile Erdwärme für Gebäude gewonnen."

In einer Präsentation zeigten Gerald Lach und Dennis Zährl von den Stadtwerken, wie das System ohne Tiefenbohrungen und ohne Gasnetz funktioniert. 180 Grundstücke bilden dann mit über 400 Wohneinheiten einen neuen Stadtteil, in dem später etwa 1000 Menschen leben werden. Die im Ackerboden verlegten und mit einem Wasser-Glykol-Gemisch versehenen Kollektoren speichern die Erdwärme, die in dieser Tiefe im ganzen Jahr zehn bis zwölf Grad beträgt. Über Wärmepumpen gelangt das Gemisch in die Gebäude. Der Strombedarf für diese Pumpen kann dann auch über Dachfotovoltaikanlagen generiert werden. Im Sommer kann die Temperatur von zehn Grad in den Kollektoren als Naturkühlung im Haus dienen.

Alleine die CO2-Einsparung beispielsweise gegenüber einer Erdgasnutzung beträgt laut Pressemitteilung der Wirtschaftsförderung Wetterau 750 Tonnen pro Jahr. "Da geschickt angelegte Neubaugebiete nur eine Teilversiegelung ergeben und neue Gebäude nach der Energieeinsparverordnung einen hohen Dämmstandard aufweisen, ist eine CO2-freie Wärme- und Kälteversorgung dieser Art ein wichtiger Beitrag bei den aktuellen Klimawandeldiskussionen", heißt es weiter in der Mitteilung. Deshalb sei auch die Berücksichtigung der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in diesem Neubaugebiet genauso zu begrüßen wie die Beachtung der Anbindung des öffentlichen Personennahverkehrs an einem zentralen Ort in dem Gebiet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare