Bode-Stele entsteht an exponierter Stelle

Bad Nauheim (bk). Der Alte Friedhof im Herzen der Kurstadt soll ab dem Frühjahr zu einem historischen Bürgerpark umgestaltet werden. Dieses Ziel haben sich der Verein "Alter Friedhof - Historischer Bürgerpark" und die Stadt gesetzt.

Bad Nauheim (bk). Der Alte Friedhof im Herzen der Kurstadt soll ab dem Frühjahr zu einem historischen Bürgerpark umgestaltet werden. Dieses Ziel haben sich der Verein "Alter Friedhof - Historischer Bürgerpark" und die Stadt gesetzt. Schwerpunkte sind eine gärtnerische Neuordnung (zusätzlicher Weg und Neupflanzung von Bäumen) und die Errichtung von 20 Gedenkstelen, die an wichtige Persönlichkeiten der Bad Nauheimer Geschichte erinnern. Von besonderer Bedeutung wird nach Angaben des stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Dr. Thomas Schwab die Stele für Badearzt Dr. Friedrich Bode sein. Das Aufstellen dieses Gedenksteins unterstützen die Pitzer-Kliniken mit einer Spende von 3100 Euro.

Laut Schwab erfolgte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Eröffnung der "Solbad-Anstalt" eine dramatische Veränderung der wirtschaftlichen und sozialen Struktur der Stadt. Aus dem Söderdorf habe sich ein Herzheilbad von internationalem Ruf entwickelt. "Zu verdanken ist diese Entwicklung den tüchtigen Nauheimer Familien, den Landwirten, Handwerkern, Kaufleuten, Gastronomen, Hoteliers, Anwälten, Apothekern und Ärzten.

Zu den bedeutendsten Medizinern der damaligen Zeit gehörte Dr. Friedrich Bode, erster Badearzt in Nauheim, dessen Grab auf dem Alten Friedhof zu finden ist. Mit Unterstützung des Magistrats wird der Verein eine gärtnerische Neugestaltung der Grünanlage an der Wilhelmskirche vornehmen. Gleichzeitig wird mit den Stelen an die 4300 Nauheimer Bürger und Kurgäste erinnert, die von 1802 bis 1926 auf dem Alten Friedhof beigesetzt wurden.

Das Grab Bodes liegt an exponierter Stelle und ist von zwei mächtigen Eichen eingerahmt. Der Gedenkstein wird Schwab zufolge zwei Meter hoch und aus schwarzem Basalt gefertigt.

Wie die Geschäftsführer der Pitzer-Klinik-Gruppe, Dr. Michael Stödtler und Olaf Meier, betonten, sei man gern bereit, die Kosten für das Bode-Denkmal zu übernehmen. Die Pitzer-Gruppe sei mit etwa 500 Beschäftigten in Bad Nauheim einer der größten Arbeitgeber.

Der Förderverein Alter Friedhof - Historischer Bürgerpark hofft auf weitere finanzielle Unterstützung für das Projekt. Spendenkonto: Volksbank Mittelhessen, Kontonummer 47 47 93, BLZ 513 900 00.

Erfolgreicher Einsatz für Stadtrechte

Dr. Friedrich Bode wurde am 30. November 1811 im nordhessischen Ziegenhain als Sohn eines kurhessischen Hauptmanns geboren. Nach seinem Studium in Marburg und Heidelberg promovierte er 1834 in Marburg zum Doktor der Medizin und war anschließend Assistent an der Chirurgischen Klinik. Etwa zur gleichen Zeit (1835) wurden in Nauheim mit den warmen Solebädern erste Heilerfolge erzielt. Bode bewarb sich und erhielt am 10. Juli 1837 von der Landesregierung in Kassel die Erlaubnis, sich als erster Arzt in Nauheim niederzulassen.

Bode praktizierte als Badearzt, praktischer Arzt , Chirurg und Geburtshelfer. Er erfreute sich schon bald größter Beliebtheit bei der Einwohnerschaft Nauheims und der weiteren Umgebung. Für die Behandlung von Armen soll er niemals eine Rechnung an die Gemeindekasse eingereicht habe. Außerdem war er wissenschaftlich tätig, hielt Vorträge und veröffentlichte zahlreiche Schriften, darunter eine Monographie über Nauheims Heilquellen und deren Anwendungsgebiete. Während seiner 30-jährigen Tätigkeit war Bode maßgeblich für die Entwicklung Nauheims verantwortlich.

Auf seine Anregung hin entstand die erste Apotheke. Der Amtssitz und das Gericht von Dorheim wurden nach Nauheim verlegt. Für das vom Kurfürsten stiefmütterlich behandelte Bad erkämpfte er die ersten größeren Badehäuser. Durch seine Fürsprache wurde dem Schöpfer des großen Kurparks, Heinrich Siesmayer, freie Hand bei der Gestaltung der Anlage von Seiten der Kreditinstitute gewährt. Seine guten französichen Sprachkenntnisse halfen ihm, Einfluss auf die Betreiber der Spielbank zu nehmen und für die Interessen der Kommune einzutreten. Im Jahr 1854 erreichte er gemeinsam mit anderen Honoratioren des Dorfes die Erteilung der Stadtrechte.

Großherzog Ludwig III., der gelegentlich den ärztlichen Rat Bodes suchte, ernannte ihn 1867 zum Medizinalrat und 1872 zum Geheimen Medizinalrat. Für seine Verdienste als Chefarzt eines in Nauheim errichteten Lazaretts für die Verwundeten des deutsch-französischen Krieges verlieh man ihm den Preußischen Kronenorden. Am 5. März 1884 wurde Bode zum Ehrenbürger der Stadt Bad Nauheim ernannt. Am 29. Dezember 1899 starb Dr. Friedrich Bode im Alter von 88 Jahren.

(pm/Foto: Stadtarchiv)

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