Manuela Dräger präsentiert Blumen im gleichnamigen Rosen-Park in Steinfurth. FOTOS: CORINNA WEIGELT
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Manuela Dräger präsentiert Blumen im gleichnamigen Rosen-Park in Steinfurth. FOTOS: CORINNA WEIGELT

Gefragte Blumen

Blütezeit der Rosenzüchter aus Bad Nauheim-Steinfurth

  • vonCorinna Weigelt
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Die Corona-Regeln haben vielen Unternehmen Schwierigkeiten beschert. Doch die Rosenzüchter aus Steinfurth können sich über fehlende Kunden und schlechten Umsatz nicht beklagen.

Der Lockdown verursachte einen Schock. "Was passiert jetzt?", fragte sich Werner Ruf. Wie sollte es mit dem Verkauf im Hofladen der Steinfurther Rosenschule weitergehen? Letztendlich habe der Sommerverkauf die ersten Wochen aber ausgeglichen, sagt Bio-Rosenbauer Ruf. "Es ist kein Verlust entstanden." Am Ende bescherte die Corona-Pandemie den Rosenbetrieben im Rosendorf Steinfurth sogar sehr gute Umsätze und ein neues Publikum, verlegten doch viele Familien ihren Urlaub in den heimischen Garten, was die Verkaufszahlen in Rosen- und Gartenbetrieben ankurbelte.

Ein schöner Garten, so sagt man, spiegelt auch immer ein wenig die Seele des Gärtners wider. Diesen Gedanken hatten wohl auch viele Gartenbesitzer in diesem Frühjahr und Sommer. Statt weit entfernt von zu Hause den Urlaub zu verbringen, entschieden sich viele für daheim. Sie hatten Zeit, Dinge zu machen, zu denen sie sonst nicht kamen. Nicht nur die Baumärkte erlebten bereits früh enorme Umsatzahlen. "Manche haben sich viele Jahre vorgenommen, etwas im Garten zu verändern, auf einmal ging es", sagt Werner Ruf.

Zwischendurch ein Kita-Problem

Die Kunden nutzten das Angebot vor Ort, kauften in Rosen- und Gartenbetrieben ein. "Rosen, Stauden, Jungpflanzen, alles war gefragt", erläutert Ruf. Dem Bio-Rosenhof hielten auch die Stammkunden ihre Treue. "Sie haben auch noch neue Kunden mitgebracht." Langfristig gesehen habe das der Rosenschule Ruf über die anfängliche schwierige Zeit hinweggeholfen. Schließlich habe man keine Sonderveranstaltungen machen können. Den Bio-Verkaufsbereich hat Ruf mittlerweile durch Gemüse von "Querbeet" erweitert. Der Gedanke, den lokalen Verkauf in der Corona-Krise zu unterstützen, sei anfänglich ebenso ein Thema gewesen. Die ersten vier Wochen habe man einen Boom erlebt, danach sei es wieder ruhiger geworden.

Nach einem ersten Schock und der vorübergehenden Schließung des Betriebs musste Manuela Dräger vom gleichnamigen Rosen-Park im März Mitarbeiter für vier Wochen in Kurzarbeit schicken. Dann folgte langsam die Wende. "Im April ist der Online-Versand angestiegen", erinnert sich Dräger. Mitte Mai ging es dann richtig aufwärts. Viele Besucher kamen - pünktlich zur Haupt-Rosenzeit. Im Rosen-Park Dräger musste dadurch ein anderes Problem bewältigt werden: geschlossene Kitas. Zu Drägers Angestellten zählen nämlich auch mehrere Mütter, die als tatkräftige Unterstützung ohne Kita-Betreuung ihrer Kinder fehlten. Am Ende wurde die Arbeit aber gestemmt.

Gigantisches Bild mit mehr als 10 000 Rosen

Es folgten eine sehr gute Juni/Juli-Zeit und ein ganz normaler Verkauf im August und im September. Die Besucher kamen nicht nur, um zu kaufen, sondern auch, um durch die Rosengärten des Parks zu spazieren. Dieser bot mit mehr als 10 000 Rosen im Sommer ein gigantisches Bild. "Balsam für die Seele", sagt Dräger. Einen Rosen-Favoriten habe es aber nicht gegeben. "Die Leute wollten einfach nur schöne Rosen kaufen." Verzichten musste man aber auf Bustouren, Führungen oder große Gartenmärkte.

Siegfried Karlin von der Rosen-Union zeigt sich mit den Umsätzen der letzten Monate sehr zufrieden. "Wir haben durch den Lockdown keinerlei Einbußen gehabt", wie der Geschäftsführer erklärt. Im Gegenteil: Hinter den Mitarbeitern der Rosen-Union liege ein hartes Stück Arbeit. Die grüne Branche, Gartenbau, Gärtnereien und Baumärkte, haben von der Corona-Situation profitiert. So auch die Rosen-Union. "Die Stammrosen sind in diesem Jahr alle weg", sagt Karlin. Der Trend, das eigene Heim zu verschönern, sei auch für 2021 zu erwarten.

Versand und Besucher

Auch Christian Schultheis (Rosenhof Schultheis e.K.) zeigt sich zufrieden. Nach der coronabedingten Schließung konnte am 15. Mai wieder geöffnet werden. Neben dem Standbein Versand kamen so wieder Besucher auf den Hof. Man habe gespürt, dass die Leute nicht verreist seien und sich stattdessen ihrem Garten gewidmet hätten, sagt Schultheis. Gerade im Mai und im Juni sei viel los gewesen. Kurse und Vorträge seien aber ausgefallen. "Wir haben im März noch zwei Schnittkurse angeboten", sagt Schultheis. Diese hätten aber bereits unter Schutzmaßnahmen stattgefunden. Alles in allem sei es ein gutes Jahr. "Wir können uns nicht beschweren."

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