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Bleibt die Trinkkuranlage Übergangsspielstätte?

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Im Behälterraum zwischen den Badehäusern 3 und 4, hier Blick auf Badehaus 4, soll nach einem Beschluss des Stadtparlaments ein Kulturzentrum entstehen. © Petra Ihm-Fahle

Seit einigen Monaten bespielen Künstler die neue Übergangsspielstätte in der Bad Nauheimer Trinkkuranlage. Ambiente, Bühnen und Technik sind ansprechend und professionell gestaltet, die Kosten lagen bei 450 000 Euro.

Applaus für die neue Spielstätte! So denken sicher viele Gäste, die in der Trinkkuranlage Kleinkunst, Konzerte und Theater besuchen. 450 000 Euro ließ sich die Stadt die Einrichtung dieser Bühnen kosten, doch sie sind nur für den Übergang gedacht. Grund ist eine mehrheitliche Entscheidung des Parlaments aus 2019, welches die städtische Spielstätte in einem neuen Kulturzentrum zwischen den Badehäusern 3 und 4 im Sprudelhof sieht. Dies in Verbindung mit weiteren Nutzungen wie Stadtbücherei, Haus des Gastes und Jugendstilzentrum. Wie betrachten die Verantwortlichen die Sache mittlerweile - wäre die Trinkkuranlage nicht dauerhaft etwas für das Theater?

»Die Übergangsspielstätte Trinkkuranlage ist eine sehr gute Lösung«, bestätigt Erster Stadtrat Peter Krank (parteilos). Für konkrete Aussagen, wie es mit der Spielstätte weitergehen könnte, ist es seinen Worten zufolge aber zu früh. Grund ist die Dauer der Sanierungsarbeiten im Sprudelhof (wohl bis 2028). »Daher wurde die Investition für das Kulturzentrum zunächst aus der mittelfristigen Finanzplanung im Jahr 2025 herausgenommen«, sagt der Kulturdezernent. Die Stadtverordnetenversammlung werde sich gegebenenfalls dann mit der Frage des Kulturzentrums im Sprudelhof befassen.

Auch Gunnar Bolsinger und das Theater Alte Feuerwache (TAF) können die Frage noch nicht beantworten. Bolsinger ist Vorsitzender des TAF, das früher im Badehaus 2 aktiv war und kürzlich mit dem Stück »Nicht öffentlich« in der Trinkkuranlage auftrat. Wie er erläutert, sind die Ensemble-Mitglieder jetzt seit mehr als einem Jahr dort vor Ort. »Noch immer sind verschiedene bauliche Maßnahmen im Gange, und ein echter regulärer Spielbetrieb ist noch Zukunftsmusik«, sagt er. Die TAF-Leute seien aber insgesamt sehr froh, dass es jetzt erst einmal in der Trinkkuranlage weitergeht. »Und wir arbeiten mit der Stadt intensiv daran, dass die Kooperation in der Trinkkuranlage mindestens so erfolgreich funktionieren kann wie zuletzt im Badehaus 2.« Allerdings sei die Trinkkuranlage auch vor der Pandemie schon terminlich sehr hoch frequentiert gewesen. »Und das Badehaus 2 war das auch. Sämtliche Veranstaltungen der beiden Orte zusammenzulegen, ist eine neue Herausforderung«, stellt Bolsinger fest. Es gebe jetzt zwar insgesamt vier verschiedene Aufführungsorte in der Trinkkuranlage (Konzertmuschel, Muschelsaal, kleiner und großer Saal), doch ließen sich die jeweiligen Bühnen eher nur selten gleichzeitig nutzen, weil es sonst schnell zu akustischen und logistischen Störungen kommen könne. »Hochzeiten im Trausaal finden zusätzlich noch statt. Auch das gilt es zu berücksichtigen«, erläutert er. Es müsse sich also in Zukunft erst noch zeigen, ob der Spielbetrieb in der Trinkkuranlage tatsächlich genauso gut laufen kann wie im Sprudelhof. Nach ein bis zwei Spielzeiten lasse sich mehr sagen.

Freien Wähler gegen Badehaus

Die parlamentarischen Fraktionen verhalten sich noch abwartend. Wie Manfred Jordis (CDU) auf Anfrage erklärt, müsse erst das Ergebnis der vereinbarten Prüfung vorliegen, welche Möglichkeiten überhaupt umsetzbar seien. »Vorher kann ich zu dem Thema nichts sagen«, betont er. Die Grünen halten weiter an dem Beschluss von 2019 pro Kulturzentrum im Sprudelhof fest. »Darin stand, dass wir - wenn es so weit kommt - ein Konzept vorgelegt bekommen sollen. Und darauf warten wir und im Moment ist keine Eile geboten«, teilen die Fraktionsvorsitzenden Claudia Kutschker und Esra Edel mit. So sieht es auch die SPD, wie Fraktionsvorsitzender Sinan Sert unterstreicht. »Diese Fragestellung steht nicht auf unserer Tagesordnung«, erklärt er. Laut FDP-Fraktionsvorsitzendem Benjamin Pizarro haben die Liberalen ihren Standpunkt nicht geändert. »Das Badehaus 3 ist aus unserer Sicht auch weiterhin zukünftiges Kultur-Badehaus und soll damit eine besondere Magnetwirkung in die Bevölkerung hinein haben.«

Nur die Freien Wähler machen jetzt schon eine Ansage pro Trinkkuranlage. Fraktionsvorsitzender Markus Theis (FW) sagt: »Wir waren bereits bei dem Grundsatzbeschluss gegen die Planung eines Theaters zwischen den Badehäusern 3 und 4.«

Die Gegner des Kulturzentrums

Die Gegner eines Kulturzentrums im Badehaus 3 des Bad Nauheimer Sprudelhofs haben ihre Vorstellungen formuliert. Markus Theis (Fraktionsvorsitzender FW) sagt: »Die Freien Wähler fordern die dauerhafte Nutzung der Trinkkuranlage als Spielstätte, verfügbar für alle Interessierten, den Verzicht auf einen Neubau eines Theaters, das weniger Möglichkeiten bieten würde als die Trinkkuranlage, den Erhalt der Stadtbücherei am jetzigen Standort und die dauerhafte Nutzung des Badehauses 3 durch den Jugendstilverein.« Nach Ansicht der Bürgerinitiative »Zügiger Thermenneubau ohne Reihenhausbebauung / Rettet den Sprudelhof« sollte sich die Politik »schnellstens von der absurden Idee verabschieden, dort die Stadtbibliothek, das Haus des Gastes, den Jugendstilverein, die Stiftung etc. und eine mehrere Millionen teure städtische Spielstätte unterzubringen«. Angesichts der mit erheblichen Mitteln renovierten Stadtbücherei und der Trinkkuranlage als Kulturzentrum sei der Bau eines Theaters überflüssig. Die BI schlägt stattdessen vor, das Badehaus 3 als Jugendstilzentrum zu nutzen, in dem der Jugendstilverein sein repräsentatives Domizil findet.

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