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Auf dem Gelände der Zahnfabrik will ein Investor 54 Wohnungen schaffen. Der Kompromiss, den die Stadt mit dem Vorhabenträger zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums erzielt hat, soll nun als Vorbild für künftige Projekte dienen. F

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Bezahlbarer Wohnraum in Bad Nauheim: "Handlungspaket für die Zukunft"

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Bezahlbarer Wohnraum ist nicht einfach durchzusetzen. Der Bad Nauheimer Bauausschuss hat nun ein Modell beschlossen, wonach private Investoren einen Betrag zahlen sollen.

Fast alle Bad Nauheimer Fraktionen streben an, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Einstimmig votierte der städtische Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung denn auch für eine einheitliche Vorgehensweise gegenüber privaten Investoren. Tagungsort war die Trinkkuranlage. Die Vorhabenträger sollen künftig für 15 Prozent der Wohnfläche 700 Euro pro Quadratmeter an die Stadt entrichten. Das Geld soll an die städtische Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) fließen, verbunden mit dem Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu finanzieren.

Zu Beginn der Debatte im Ausschuss stand der Antrag des Magistrats, die Verhandlungsergebnisse abzusegnen, die die Rathausspitze im Gespräch mit drei Investoren erzielt hatte: mit den Vorhabenträgern "Am Bahnhof", "Am Taubenbaum" (An der Birkenkaute) und "Zahnfabrik". Wie sich aus der Vorlage ergab, wollen die Investoren "Bahnhof" und "Taubenbaum" Beschlüsse des Stadtparlaments nicht akzeptieren. Das Hohe Haus hatte verfügt, dass die Investoren 15 Prozent der zu schaffenden Wohnfläche für einen Mietpreis von maximal 8,50 Euro kalt pro Quadratmeter herstellen sollen - für einen Zeitraum von 15 Jahren. Die Investoren bieten stattdessen kürzere Zeiträume oder fordern Zuschüsse.

Bezahlbarer Wohnraum in Bad Nauheim: 54 Wohnungen sollen entstehen

Allerdings gab es als eine Art Lichtblick ein drittes Verhandlungsergebnis mit einem Vorhabenträger, der 54 Wohnungen in der Zahnfabrik schaffen möchte. Das Projekt war bis dato noch nicht in den städtischen Gremien gewesen. "Wir haben den Vorhabenträger über die bisherigen Beschlüsse zum bezahlbaren Wohnraum informiert", sagte Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos). Diese lehne der Investor allerdings ab. Der Magistrat habe mit ihm aber einen Kompromiss erzielt, wonach jener der Stadt 700 Euro pro Quadratmeter von 15 Prozent der Wohnfläche gebe. "Dieses Geld entspricht dem Förderbetrag der Stadt Frankfurt für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Mit den 500 000 Euro, die er zahlt, können wir woanders bezahlbaren Wohnraum ermöglichen."

Der Magistrat empfahl nun die Annahme aller Verhandlungsergebnisse. Wie Kreß ausführte, habe die Stadtverwaltung bundesweit recherchiert, aber keinen Beschluss gefunden, der so weitreichend sei wie in Bad Nauheim. "Und wenn, war es mit Subventionen verbunden", gab der Rathauschef zu bedenken. Insgesamt 140 Wohneinheiten durch die drei Bauvorhaben und ein Investitionsvolumen von rund 40 Millionen Euro seien eine gute Sache: "Vor dem Hintergrund der Corona-Krise kann die Stadt diesen Aspekt nicht ignorieren."

Bezahlbarer Wohnraum in Bad Nauheim: Martin Düvel singt Lobeslied nicht mit

Der Ausschuss teilte diese Auffassung nicht gänzlich. Redner aller Fraktionen lobten das Verhandlungsergebnis mit dem Investor "Zahnfabrik", beispielsweise Markus Theis (FW/UWG): "Damit hat er natürlich Maßstäbe gesetzt. Wir nehmen gerne das Geld an und führen es der Wobau zu. Und die anderen Investoren kennen jetzt den Preis." Ausschussvorsitzender Manfred Jordis (CDU) schloss sich an: "Wir finden diese Variante charmant." Ernüchternd seien die beiden anderen Verhandlungsresultate. Jordis plädierte dafür, das Ergebnis "Zahnfabrik" den Investoren "Bahnhof" und "Taubenbaum" vorzulegen und es zudem auf künftige Projekte zu übertragen. Bürgermeister Kreß erklärte, eine solche Vorgehensweise zu begrüßen, "das würde der Gesellschaft sehr helfen". Auch Dr. Mathias Müller (Grüne) und Georg Küster (SPD) äußerten sich anerkennend, Benjamin Pizarro (FDP) indes bekräftigte den Wunsch nach einem Parkhaus am Bahnhof.

Wie Jürgen Patscha (Fachbereichsleiter Stadtentwicklung) erklärte, sieht er das Modell "Zahnfabrik" als Handlungspaket für die Zukunft. "Wir müssten nun relativ schnell Grundstücke herbeischaffen und Grundstücke kaufen, auf denen die Wobau bezahlbaren Wohnraum errichten könnte", sagte er.

Nur Dr. Martin Düvel (Grüne), der als stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher Rederecht hatte, sang das Lobeslied nicht mit. "Der Investor hat sehr gute Verkaufsmöglichkeiten. So gesehen gibt er nur einen kleinen Betrag von vielleicht zwei Prozent." Letztlich hob der Ausschuss aber geschlossen die Hand für den Vorschlag von Theis und Jordis.

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