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Besondere Annäherungen

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Bad Nauheim(har). Seit Dienstag bleiben immer wieder Passanten stehen und schauen durch die Fenster ins Innere der Rotunde in der Trinkkuranlage, die, zusammen mit den dahinter liegenden Räumen, die Heimat des Kunstvereins Bad Nauheim ist.

Grund für das Interesse war der Aufbau einer raumfüllenden Installation für die neue Ausstellung "annäherungsweise", in der Merja Herzog-Hellstén und Volker Steinbacher ab Samstag ihre neuen Werke zeigen. Beide Künstler lehren als Dozenten an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Die in Finnland geborene Merja Herzog-Hellstén präsentiert eine schwebende Installation, für deren Aufbau am Dienstag sogar ein Hubwagen zum Einsatz kam, was für zusätzliches Interesse sorgte.

Vorstandsmitglied Johannes Lenz, der die Ausstellung kuratiert, sowie die stellvertretende Vorsitzende Karin Merchel und zwei weitere Vereinsmitglieder haben die Künstlerin bei den Aufbauarbeiten unterstützt. Diese waren beim WZ-Besuch am Mittwochnachmittag weitgehend abgeschlossen.

Der Titel "Unentschieden!" weißt bereits auf die Intention der Künstlerin hin. Diese rät den Besuchern, sich für ihr Kunstwerk Zeit zu nehmen und dies nach dem Betreten des Raums von unten nach oben zu betrachten.

Ein Spiel ohne Symmetrie

Auf dem Boden wurden Markierungen aufgeklebt, die an ein Spielfeld erinnern. "Die Installation ist ein Spiel auf unbekannte Art und Weise. Es hat etwas stattgefunden, was schon Vergangenheit ist", sagt die gebürtige Finnin, die in Hanau lebt. Im Gegensatz zu Spielen und Spielfeldern wird jedoch jede Symmetrie vermieden. Trichter, Netze und Tafeln bilden für die Künstlerin ein "visuelles Instrumentenfeld voller organischer Formen". Was da gespielt wurde, bleibt unbeantwortet, doch für die Künstlerin ist klar: "Das Spiel ist unentschieden ausgegangen, was kein Problem sein sollte."

Und mit dem Betreten des Raums wird der Besucher zwangsläufig Teil der Installation, mit seiner Präsenz vollendet er das Werk.

Im hinteren, kleineren Raum zeigt Merja Herzog-Hellstén Tuschemalereien aus ihrer Serie "Still" sowie einige Porzellanplatten. Im mittleren Raum wird der ehemalige Städel-Meisterschüler Steinbacher, der erst gestern in die Badestadt kommen konnte, Druckgraphiken, die sich im weitesten Sinne mit dem Thema "Landschaft" auseinandersetzen, zeigen.

Steinbacher hat Malerei studiert, sich jedoch schon lange auf großformatige Druckgrafiken voller Strukturen spezialisiert, die für ihn ideal zum Medium der Radierung zu passen scheinen. Dabei erlaubt ihm die einzelne Druckplatte eine breite Palette von Eingriffen. So nutzt er die vielfältigen Spielarten der Gravur ebenso wie die vielgestaltigen Ätzmethoden als subtraktive Techniken.

"Wir beide arbeiten mit organischen Strukturen. Wir zoomen, jeder auf seine Art, hinein und hinaus, Volker mehr in Himmelskörpern, ich eher in kleineren Schwebekörpern", beschreibt Herzog-Hellstén. So kommt es in der Ausstellung zu einer besonderen und sehr speziellen "Annäherungsweise".

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