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Musiziert haben (v. l.): Leon Siegenthaler, Marius Siegenthaler, René Uhlig, Karin Fukuda, Leha Ichikawa und Tim Zhou.

Begeisterung für Beethoven

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Bad Nauheim . Dass es möglich ist, junge Menschen für die Musik Ludwig van Beethovens zu begeistern, bewies das Matinee-Konzert in der Musikschule. Studierende der Klavierklasse von Benjamin Schütze präsentierten eine Auswahl aus Beethovens 32 Klaviersonaten, wobei das Programm Werke aller drei Schaffensperioden umfasste. Die Idee zu diesem beeindruckenden Konzert entstand im Fahrwasser des Beethoven-Jahres 2020.

Schütze verwies darauf, dass in diesem Schülerkonzert alle jungen Musikerinnen und Musiker Neuland betraten, indem sie ein zyklisches Werk in seiner Gänze aufführten. Der Hinweis erwies sich jedoch als unnötig, genügten doch alle Beiträge professionellen Ansprüchen.

Den Anfang machte die 15-jährige Karin Fukuda, die aus der Sonate G-Dur, op. 14/2 nur den ersten Satz spielte. Ihr Lehrer begründete das mit ihrer diesjährigen erfolgreichen Teilnahme am Bundeswettbewerb Jugend musiziert (2. Bundespreis), weswegen sie erst spät in das Beethoven Projekt einsteigen konnte. Das lyrisch heitere Allegro geriet ihr hervorragend, mit viel Hingabe und Klangsinn. Fein ausbalanciertes Perlen unterstützt durch eine klare Phrasierung ließen den Satz wie »aus einem Guss« erklingen.

Auch Tim Zhou (12) wurde mit der kleinen Sonate in g-Moll, op. 49/1 dem hohen Anspruch gerecht. Die zweisätzige Sonate, bestehend aus einem singenden Andante und einem spritzigen Rondo mit überraschenden Wendungen, konnte Tim souverän vermitteln.

Es folgte die von Leha Ichikawa (17) interpretierte dreisätzige Sonate in E-Dur, op. 14/1. Der erste Satz erinnert an einen Blumenstrauß an Themen und Einfällen, mal lyrisch singend, mal forsch drängend, aber immer fein ausgehört, sodass selbst die kleinste Dissonanz im zarten Gewebe zu leuchten vermag.

Tosender Applaus

Der zweite Satz, ein dahinhuschendes Allegretto im ernsten Gestus, wusste zu fesseln, bevor Leha in dem spritzigen Rondo voller Kaskaden und Tonleitern ihre technische Souveränität voll ausspielte. So konnte sie das Publikum zu tosendem Applaus hinreißen.

Die zweisätzige Sonate e-Moll op. 90 aus Beethovens Spätwerk stellt eine musikalisch-technische Herausforderung dar und wurde vom diesjährigen Abiturienten Leon Siegenthaler (17) bravourös gemeistert. Der erste Satz lebt von Kontrasten, geisterhaften Passagen, schroffen Modulationen und der sich ins Rasende steigernden Durchführung. Im zweiten Satz dominiert schubertsche Melodieseligkeit, gepackt in eine ausladende Sonatenrondoform. Zupackende Virtuosität und ein zartes Pianissimo begeisterten und führten zu atemloser Stille, gefolgt von großem Applaus.

Beethovens »Sturmsonate« op. 31/2 in d-Moll wurde vom zweiten Abiturienten, René Uhlig (18) dargeboten. Der erste Satz, ein packendes Allegro, erscheint in seiner Dramatik und Dichte kompromisslos. Man lauscht einem jungen Pianisten, der in tiefer Versenkung mit seinem ganzen Körper die Musik durchlebte. Der langsame 2. Satz ließ die Genialität des Komponisten auf eine bisher nicht da gewesene Weise erleuchten bevor das abschließende Allegro, ein rastloses Perpetuum mobile, das Publikum mitriss.

Den Abschluss bildete die technisch wie musikalisch fesselnde Interpretation der »Pathetique« in c-Moll, op. 13, durch den 16-jährigen Marius Siegenthaler. Der erste Satz ist geprägt von Virtuosität und Dramatik, der zweite von weiten Linien in feinster Nuancierung und der dritte wirkt flink und pulsierend, gleich einem sprudelnden Wildbach. Marius’ Bühnenpräsenz ist so enorm wie sein pianistisches Können und seine Ausdruckskraft.

Das Publikum konnte sich der Energie, die dieser junge Künstler ausstrahlte, schwerlich entziehen. Der Schlusspunkt dieser unvergesslichen Konzertveranstaltung wurde mit stehenden Ovationen gefeiert. Rüdiger Klein

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