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Bauruine als Dauerärgernis

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Bad Nauheim (bk). Auch nach 15 Jahren wollen sich Gudrun und Walter Uebelhack nicht mit dem Anblick abfinden, der sich beim Betreten ihres Balkons bietet. Sie schauen auf eine Bauruine, die im Wohngebiet am Arthur-Weber-Weg in Bad Nauheim vor sich hingammelt. Eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen.

Bauträger-Gesellschaften gehen schon mal Pleite. So hat es sich auch im Fall der Bauruine im Arthur-Weber-Weg 16 abgespielt. Auf dem winzigen Grundstück sollten zwei Einfamilienhäuser errichtet werden. Für ein Gebäude wurde bereits das Dach aufgeschlagen, für das andere lediglich die Bodenplatte gegossen. Nach einem Dreivierteljahr war Schluss: Auf Betreiben zweier Nachbarn sprach das Kreisbauamt 2001 einen Baustopp aus. Die vorgeschriebene Firsthöhe war deutlich überschritten worden, der Bauträger wenig später zahlungsunfähig. Seitdem hat sich auf dem Areal nichts getan. Die Eigentumsverhältnisse sind verworren, Behörden sehen sich außerstande einzugreifen (siehe weitere Artikel).

Das Ehepaar Übelhack wird wohl noch Jahre mit dem Anblick der Ruine leben müssen, die immer mehr verfällt. Fensterscheiben wurden eingeworfen, Fensterrahmen aus der Mauer gerissen. Durch das halbfertige Dach dringt immer mehr Feuchtigkeit ein, rund ums Gebäude wuchert Brombeergestrüpp. Ein Nachbar hat auf einer Grundstücksseite einen Lattenzaun errichten lassen, damit den dortigen Passanten der Anblick erspart bleibt. Ein anderer Anlieger hat eine Stützmauer hochgezogen, sonst wäre sein Garten in die Baugrube abgerutscht.

»Wurden im Chaos zurückgelassen«

Die Uebelhacks haben über den Versuch nachgedacht, auf juristischem Weg einen Abriss zu erwirken. »Die Eigentümergemeinschaft zieht aber nicht mit. Für uns alleine ist das Risiko zu gro?, meint Gudrun Uebelhack, die mit ihrem Mann seit 1993 im Arthur-Weber-Weg wohnt. Das Paar hat eine weitere Eigentumswohnung in derselben Anlage. Der Wert der Immobilien sei aufgrund der gegenüberliegenden Bauruine deutlich gemindert. Die Aussage des Kreises, nicht ins Eigentumsrecht eingreifen zu können, will das Ehepaar nicht unwidersprochen lassen. »Das Amt hat mit dem Baustopp ebenfalls ins Eigentumsrecht eingegriffen. Dann hat es sich zurückgezogen und uns im Chaos zurückgelassen«, sagt Dr. Walter Uebelhack.

Seiner Frau ist unverständlich, dass das Teilgrundstück samt Bauruine 2009 ohne Wegerecht versteigert wurde. Damit sei alles endgültig blockiert worden. Am Anfang hätten sich Obdachlose einquartiert, auch als Jugendtreff habe der Rohbau schon gedient. Wie Gudrun Uebelhack erzählt, spielten dort nach wie vor Kinder, obwohl das Grundstück besser abgesichert sei als vor Jahren.

»Früher bin ich auf den Balkon gegangen, um die Kinder vor der Gefahr zu warnen. Das mache ich heute nicht mehr«, sagt sie. Verschwunden sei wenigstens der Baukran, der zwei Jahre an der verlassenen Baustelle gestanden habe. »Bei Sturm hat sich das Ding gedreht. Wir hatten Angst, es fällt um«, erzählt Walter Uebelhack.

Die Hoffnung, noch einen Abriss der Ruine zu erleben, hat das Ehepaar fast aufgegeben. Vielleicht findet ja ihre Nachbarin einen Dreh, die direkt neben dem maroden Rohbau wohnt. »Verfällt der Bau weiter, könnten wir einen Gutachter einschalten. Falls eine Gefährdung besteht, würden möglicherweise Gründe für einen Abriss vorliegen«, sagt sie. Diese Anwohnerin ist auch nicht erfreut über den Anblick der Ruine, hat sich damit im Laufe der Jahre aber weitgehend abgefunden.

Nur bei Gefahr wird eingegriffen

In der Amtszeit des früheren Bürgermeisters Bernd Witzel saßen mal alle Beteiligten an einem Tisch, um eine Lösung für das Problem im Arthur-Weber-Weg zu finden – ohne Ergebnis. Der heutige Rathauschef Armin Häuser verweist auf die Zuständigkeit des Kreisbauamts.

Eine Abrissverfügung könne nur bei Gefahr für die öffentliche Sicherheit erlassen werden, verdeutlicht Michael Elsaß, Pressesprecher im Landratsamt, den Standpunkt der Kreisbauaufsicht. Im Fall der Bauruine im Arthur-Weber-Weg bestehe eine solche Gefährdung nicht, weil das Grundstück ausreichend abgesichert sei. »Wir schicken regelmäßig einen Baukontrolleur vorbei, der darauf achtet.« Das Bauamt könne nicht ins Recht der Eigentümer eingreifen. Ästhetische Gesichtspunkte spielten bei dieser Entscheidung keine Rolle. »Uns sind die Hände gebunden«, betont Elsaß. (bk)

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