Im Graben: Die Stadtwerke-Mitarbeiter Daniel Oppermann und Jürgen Langsdorf bei den Erschließungsarbeiten für das neue Quartier. Vier Jahre lang wird hier untersucht, wie man die Energieversorgung auf Basis der kalten Nahwärme verbessern kann. FOTOS: STADTWERKE BAD NAUHEIM
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Im Graben: Die Stadtwerke-Mitarbeiter Daniel Oppermann und Jürgen Langsdorf bei den Erschließungsarbeiten für das neue Quartier. Vier Jahre lang wird hier untersucht, wie man die Energieversorgung auf Basis der kalten Nahwärme verbessern kann. FOTOS: STADTWERKE BAD NAUHEIM

"Leuchtturm" für Wärmeversorgung

Im Baugebiet Bad Nauhei-Süd entsteht Deutschlands größter Erdkollektor

  • vonred Redaktion
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Die Stadtwerke Bad Nauheim errichten im neuen Baugebiet Süd eine innovative Energieversorgung auf Basis der Kalten Nahwärme: Deutschlands größter oberflächennaher Erdkollektor.

Seit Mai 2020 läuft das Forschungsprojekt "KNW-Opt", das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit rund vier Millionen Euro gefördert wird. Beteiligt sind an dem Verbundvorhaben neben den Stadtwerken Bad Nauheim auch die Technische Hochschule Nürnberg, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die Technische Universität Dresden sowie die Enisyst GmbH und die Consolinno GmbH.

"Das Quartier in Bad Nauheim-Süd ist ein Leuchtturmprojekt für die innovative Wärme- und Kälteversorgung durch Oberflächen-naheste Geothermie. Meines Wissens ist es auch das größte seiner Art in Europa", sagt Prof. Dr.-Ing. Volker Stockinger, der das Projekt seit der ersten Stunde begleitet. "Die systematische wissenschaftliche Begleitung ist wichtig, um dieser alternativen, klimaneutralen Energieerzeugung zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen."

Forschungsgelder fließen ins Projekt

Für Peter Drausnigg, Geschäftsführer der Stadtwerke, ist das Forschungsprojekt auch ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber kommunalen Unternehmen: "Die Energiewende wird in Berlin politisch entschieden, wir Kommunale sind aber diejenigen, die ihr zum Erfolg verhelfen. Innovationen brauchen Förderung", betont Drausnigg auch in Hinblick darauf, dass das Angebot-Paket für Bauherren inklusive der Projektierung ohne öffentliche Gelder finanziert wird.

In den kommenden vier Jahren werden in dem neuen Quartier, das im Süden der Kurstadt entsteht, die geologischen und bodenkundlichen Effekte des Kollektors und des angeschlossenen Rohrleitungssystems untersucht. Darüber hinaus wird durch ein engmaschiges Netz an Messstellen das Gesamtsystem weiter optimiert. Das Projektvolumen aller sechs Partner beträgt rund sechs Millionen Euro. Allein die Stadtwerke investieren rund 3,2 Millionen Euro über vier Jahre in das Vorhaben KNW-Opt. Für die Messtechnik, etwa um die erfassten Daten in Echtzeit zu übertragen, sowie für die Mitwirkung an den Forschungszielen erhalten sie nun etwa die Hälfte in Form von Forschungsgeldern.

Alle Daten werden zentral gesammelt

Der operative Kern des Kalte-Nahwärme-Systems in Bad Nauheim bildet die Energiezentrale. In ihr befinden sich nicht nur Netzpumpen und Ausdehnungsgefäße, die das Wasser-Glykol-Gemisch in den Rohren in Bewegung halten. Dort läuft auch die komplette Steuerungstechnik der angeschlossenen Haushalte zusammen: Die Wärmepumpen an den einzelnen Gebäuden werden von den Stadtwerken betrieben. Während der Forschungszeit laufen die Daten aus Bodenfühlern, Grundwasserwassermessstellen und den Temperaturfühlern der Sole in der Energiezentrale zusammen und werden in einer Cloud gebündelt, auf die die Forschungspartner in Echtzeit Zugriff haben. Die passende Infrastruktur dafür wird derzeit geschaffen.

Die allermeisten Bauherren, die sich bei der Wärmeversorgung schon entschieden haben, setzen auf Kalte-Nahwärme für ihre Gebäude: "Energieeffizienz gehört weiterhin für viele zu den wichtigsten Themen. Vor allem bei jungen Familien steht der Klimaschutz ganz oben auf der Prioritätenliste", erzählt Drausnigg.

Deshalb sei für sie das Stadtwerke-Paket besonders attraktiv, da die Energieversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stamme und damit CO2-neutral sei. Im Vergleich zur herkömmlichen Energieversorgung werde mit den Stadtwerken im neuen Viertel klimaneutral geheizt: "Dadurch ersparen wir der Umwelt bis zu 750 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr - das entspricht etwa einem Drittel der Menge, die der Bad Nauheimer Stadtwald im gleichen Zeitraum bindet", sagt Drausnigg und ergänzt: "Wir zeigen in Bad Nauheim-Süd beispielhaft, wie Wohnkomfort, Klimaschutz und Digitalisierung ineinandergreifen. Hier entsteht das modernste Wohnviertel Bad Nauheims.

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