Der historische Fürstenpavillon auf der Nordseite des Bahnhofs soll von zwei Bürogebäuden eingerahmt werden. Das ist Bestandteil des vom Bauausschuss einstimmig beschlossenen B-Plan-Entwurfs. FOTO: NICI MERZ
+
Der historische Fürstenpavillon auf der Nordseite des Bahnhofs soll von zwei Bürogebäuden eingerahmt werden. Das ist Bestandteil des vom Bauausschuss einstimmig beschlossenen B-Plan-Entwurfs. FOTO: NICI MERZ

Ausschuss sagt Ja

Bauen am Bad Nauheimer Bahnhof: Projekt mit einer Unbekannten

  • vonNici Merz
    schließen

Soll neuer Wohnraum in Bad Nauheim geschaffen werden, muss verdichtet werden. Freie Flächen am Rand der Kernstadt gibt es nicht mehr. Das Projekt am Bahnhof ist nun beschlossene Sache.

Mit dem Eigentümer des Bad Nauheimer Bahnhofs, der Portal Real GmbH, gab es in den zurückliegenden Monaten viel Gesprächsbedarf. Das Unternehmen will auf den Flächen südlich und nördlich des denkmalgeschützten Gebäudes Eigentumswohnungen und Büroraum errichten. Die Verhandlungen drehten sich zunächst um die vom Stadtparlament gewünschte Sozialklausel. Portal Real erklärte sich schließlich bereit, für 15 Prozent der künftigen Wohnfläche 700 Euro pro Quadratmeter an die Stadt abzuführen. Macht etwa eine halbe Million Euro. Das Geld muss zweckgebunden zur Förderung bezahlbaren Wohnraums verwendet werden.

Wunsch Nummer zwei der Politik: eine Tiefgarage. Auch das ist jetzt prinzipiell möglich. "Die Gespräche haben lange gedauert, aber es hat sich gelohnt", sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Manfred Jordis in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung. Bei zwei Enthaltungen der FDP wurde die Aufstellung des geänderten Bebauungsplans "Am Bahnhof" einstimmig beschlossen.

Die Liberalen mochten nicht ganz mitziehen, weil sich die übrigen Fraktionen nicht für einen Zusatzwunsch erwärmen konnten. Wie schon im Ortsbeirat plädierte die parteilose Petra Michel als Mitglied der FDP-Fraktion eindringlich für noch mehr Stellplätze. Zusätzlich zur möglichen Tiefgarage unter dem P + R-Platz Bahnhof Nord könne ein Parkdeck draufgesattelt werden.

Kein zusätzliches Parkdeck

Diesem Vorschlag erteilte der zuständige Fachbereichsleiter Jürgen Patscha eine Absage. Da sowohl zur geplanten Wohnbebauung als auch zum denkmalgeschützten Bahnhof entsprechende Abstände eingehalten werden müssten, wäre die Parkdeck-Fläche zu klein, um sich zu rechnen. "Wir haben die Frage geprüft und uns deshalb von Anfang an für die teuerere Tiefgarage entschieden." Weil sich andere Fraktion ebenfalls ablehnend äußerten, stellte die FDP keinen offiziellen Antrag.

Apropos teurer: Sofern das Stadtparlament ebenfalls zustimmt, ist der Bau der Tiefgarage, durch die gut 140 zusätzliche Stellplätze entstehen könnten, prinzipiell möglich. Was noch lange nicht heißt, dass sie auch kommt. Der Investor würde zwar bauen, aber nicht als Betreiber auftreten. Die Stadt müsste die Garage pachten.

Fragen von Dr. Martin Düvel (Die Grünen) nach den Bedingungen wurden von Patscha und Bürgermeister Klaus Kreß nur allgemein beantwortet. Bis zum Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan müssten Vertragsverhandlungen geführt und abgeschlossen werden. "Ob die Stadt willens und in der Lage ist, die Plätze anzumieten, wird sich zeigen. Eine Tiefgarage ist teuer", sagte der Fachbereichsleiter. Ist die Pacht zu hoch, müsste die Stadt höhere Gebühren als auf den anderen P + R-Plätzen am Bahnhof verlangen, was den Nutzern kaum zu vermitteln sein dürfte.

Zu den wesentlichen Bestandteilen des B-Plan-Entwurfs gab es keine Diskussion mehr. Nördlich des Bahnhofs (ehemalige Kleingartenanlage) entstehen direkt an der Main-Weser-Bahnlinie vier bis zu 16 Meter hohe und miteinander verbundene Gebäude mit 36 Eigentumswohnungen. Im Süden wird der Fürstenpavillon künftig von zwei Bürohäusern eingerahmt, wobei genügend Abstand zu dem denkmalgeschützten Gebäude gehalten werden soll.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare