Unter dem Parkplatz Bahnhof Nord ist jede Menge Raum für eine öffentliche Tiefgarage. Dort könnten 140 zusätzliche Stellplätze entstehen. Voraussetzung ist ein Pachtvertrag zwischen Stadt und Investor.
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Unter dem Parkplatz Bahnhof Nord ist jede Menge Raum für eine öffentliche Tiefgarage. Dort könnten 140 zusätzliche Stellplätze entstehen. Voraussetzung ist ein Pachtvertrag zwischen Stadt und Investor.

Neuer Bebauungsplan-Entwurf

Bad Nauheim: Neue Tiefgarage am Bahnhof rückt näher

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Es ist erstaunlich, zu welchen Zugeständnissen manche Investoren bereit sind, wenn die Politik Druck macht. Bestes Beispiel ist die geplante Bebauung rund um den Bad Nauheimer Bahnhof.

  • Wer künftig Eigentumswohnungen in Bad Nauheim bauen möchte, muss eine bestimmte Summe an die Stadt abgeben, damit diese bezahlbaren Wohnraum fördern kann.
  • Ein Pachtvertrag zwischen der Portal Real GmbH und der Stadt könnte zu einer neuen öffentlichen Tiefgarage am Bahnhof führen.
  • Einiges tut sich im Bahnhofsgebäude: 2021 zieht eine Werbeagentur in die ehemalige Gaststätte und 2022 soll ein Teil der Halle neu gefliest werden.

Bad Nauheim – Was im Frühjahr 2019 auf dem Tisch lag, war ein Nullachtfünfzehn-Konzept. Die Portal Real GmbH, der nicht nur das Bahnhofsgebäude gehört, sondern auch das Gelände drumherum, errichtet im Norden Eigentumswohnungen und im Süden Gewerbeeinheiten. Doch solche Investitionsvorhaben wollte die Mehrheit des Stadtparlaments nicht länger akzeptieren. Trotz deutlicher Warnungen von Bürgermeister Klaus Kreß, der SPD und anderen Fraktionen »Investorenfeindlichkeit« und »Enteignungspläne« vorwarf, hielten die Politiker Kurs.

Bad Nauheim führt neue Sozialklausel ein und will künftig Millionen gewinnen

Der Beschluss: Der Bauherr soll 15 Prozent seiner Wohnungen 15 Jahre lang für 8,50 Euro pro Quadratmeter vermieten. Weil sich Portal Real und andere betroffene Investoren gegen diese Entscheidung wandten, handelte die Verwaltung eine vergleichbare Lösung aus. Wer künftig Eigentumswohnungen errichten möchte, muss für 15 Prozent der entstehenden Wohnfläche 700 Euro pro Quadratmeter an die Stadt abführen, die damit bezahlbaren Wohnraum fördert. Diese Vereinbarung traf auf allgemeine Zustimmung - bei Politik und Bauträgern.

An diese Vorgeschichte erinnerte Jürgen Patscha, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung, am Mittwochabend bei der Vorstellung des geänderten Bebauungsplanentwurfs »Am Bahnhof« im Ortsbeirat. Diese Abgaben-Vereinbarung, die Patscha als »Sozialklausel« bezeichnete, sei eine sehr gute Entwicklung. Bei den Projekten am Bahnhof, auf dem Zahnfabrik-Areal und am Taubenbaum flössen 1,5 Millionen Euro in die Stadtkasse. Damit könnten Investitionsvorhaben der Wohnungsbau-Gesellschaft oder anderer Träger gefördert werden.

Bahnhof in Bad Nauheim könnte neue öffentliche Tiefgarage bekommen

Im Rahmen der Verhandlungen sei auch ein zweiter Wunsch der Politik in Erfüllung gegangen. Der jetzt vorliegende Bebauungsplan-Entwurf beinhalte die Möglichkeit, unterhalb des Parkplatzes Bahnhof Nord eine öffentliche Tiefgarage zu errichten. Damit könne die Zahl der Stellplätze um 140 auf 240 aufgestockt werden.

»Wir nehmen die Tiefgarage in den B-Plan auf. Voraussetzung für die Realisierung ist allerdings ein Pachtvertrag zwischen Investor und Stadt. Portal Real hat ganz klar gemacht, die Tiefgarage nicht selbst betreiben zu wollen«, sagte Patscha. Parallel zu den Planungsarbeiten, die etwa ein Jahr dauern werden, sollen die Gespräche über den Pachtvertrag geführt werden. Nach Aussage des Fachbereichsleiters muss vor dem Satzungsbeschluss Klarheit herrschen, ob und zu welchen Bedingungen die Stadt die Tiefgarage pachtet. Zudem werde das Nutzungskonzept für den Bahnhof vom Eigentümer Schritt für Schritt umgesetzt.

Stadt Bad Nauheim muss Fragen zu Denkmalschutz und Stellplätzen beantworten

Der neue Entwurf wurde vom Ortsbeirat begrüßt. »Das ist eine tolle Umsetzung unserer Ziele. Super ist vor allem, dass es sich um eine Innenentwicklung handelt und nicht wieder wertvolle Fläche verbraucht wird«, betonte Steffen Mörler (CDU). Gewisse Denkmalschutz-Bedenken äußerte FW/UWG-Sprecher Dr. Wolfgang Hammann bezüglich der Gewerbegebäude im Süden. Der historische Fürstenpavillon dürfe nicht zugebaut werden. Wie Bettina Richter (Fachbereich Stadtentwicklung) versicherte, werde genügend Abstand zum Pavillon gewahrt. Die Denkmalpflege habe dem Konzept zugestimmt.

Weite Teile der Diskussion drehten sich um die Stellplatz-Frage. Die parteilose Stadtverordnete Petra Michel, die sich der FDP-Fraktion angeschlossen hat, kündigte für die nächste Bauausschuss-Sitzung einen Zusatzantrag an. Die Liberalen wollen neben der Tiefgarage auch eine Aufstockung des oberirdischen Parkplatzes Nord. Dagegen wandten sich nicht nur Patscha und Sprecher anderer Parteien. Selbst FDP-Vertreter Günter Neubauer sprach sich gegen ein »Parkplatzfestival« und eine Aufnahme dieser Forderung in den B-Plan aus. Wie Sprecher von SPD und Grünen erklärten, würden noch mehr Stellplätze an dieser Stelle zusätzlichen Verkehr in die Innenstadt locken. Sinnvoller sei es, den Parkplatz am großen Teich aufzustocken.

Der Fachbereichsleiter ging grundsätzlich auf die Zukunft des Verkehrs ein. Das Land befinde sich mitten in einer weitreichenden Wende - weg vom Individualverkehr. Viele Großstädte seien auf diesem Weg weit vorangekommen. »Kleine Städte habe noch nicht begriffen, wohin die Reise geht«, betonte Patscha.

Der Entwurf »Am Bahnhof«, der im Süden 36 Wohnungen in vier Häusern und im Norden zwei Bürogebäude vorsieht, wurde vom Ortsbeirat einstimmig gebilligt.

Für das Bahnhofsgebäude in Bad Nauheim gibt es bereits konkrete Pläne

Der Geschäftsführer der Portal Real GmbH musste sich in der Vergangenheit herbe Kritik von Stadtverordneten anhören, weil sich im Bad Nauheimer Bahnhof angeblich nichts tue. Der Eigentümer hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und auf Millionen-Investitionen verwiesen. Wie Jürgen Patscha, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, im Ortsbeirat berichtete, gebe es weitere Fortschritte. So sei der Umbau der seit 25 Jahren leerstehenden ehemaligen Gaststätte fast abgeschlossen. Die 500-Quadratmeter-Fläche wird von einer Bad Nauheimer Werbeagentur gemietet, die Anfang 2021 einziehen wird. Der Smoothie-Shop werde zeitnah aufgehübscht. Bis Ende 2022 soll zudem der nördliche Teil der Halle neu gefliest werden. Patscha: »Im kommenden Jahr werden alle Flächen vermietet sein. Der Zustand des Bahnhofs ist nicht mehr mit der Zeit vor der Landesgartenschau vergleichbar, sondern hat sich deutlich verbessert.«

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