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Für das Bandfoto haben sich alle in rote High Heels gezwängt: So präsentieren sich Heike Reininghaus und ihre Mitstreiter (v. l.) Siegfried Jendrychowski, Dieter Sautier, Jürgen Kammer und Alex Stams.

Noras Geschichte

Die Geschichte hinter Nora

  • vonHarald Schuchardt
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Ob Transgender, Transvestit oder Travestiekünstler - Männer mit weiblichen Seele haben jeder für sich eine eigene Geschichte. Die von »Nora« war für die Bad Nauheimerin Heike Reininghaus der Auslöser, einen ganz besonderen Song zu schreiben.

Ein Song erzählt Geschichten, und der neue Song »Nora« der Reinighaus-Band erzählt eine besondere Geschichte. Von einem besonderen Menschen und dessen Liebe zur Musik.

Die Wahl-Bad-Nauheimerin Heike Reininghaus ist mit ihrem gleichnamigen Band-Projekt in der Wetterauer Musikszene bestens bekannt, nicht zuletzt dank den drei CDs, die sie seit 2010 veröffentlicht hat. Dieser Tage ist die Single-CD »Nora« erschienen. Zunächst wurde das Video auf Facebook und seit letzter Woche auch auf Youtube veröffentlicht. In Kürze kann die Audio-CD auch bestellt werden.

Der Song ist in vielfacher Hinsicht etwas Besonderes. »Wir haben noch nie so viele positive Resonanz erhalten«, freut sich Jürgen Kammer, Ehemann von Reininghaus und zugleich Keyboarder der Band. »Ich schreibe schon immer gerne persönlich bezogene Lieder«, sagt die im nordrhein-westfälischen Werdohl geborene und aufgewachsene Sängerin. Eine solche Auftragsarbeit ist »Nora«, ein Song der die wahre Geschichte eines in Norddeutschland lebenden Mannes erzählt. Kennengelernt haben Reininghaus und Kammer den Mann, der sich immer wieder in eine Frau verwandelt im »Transnormal« am Baseler Platz in Frankfurt.

Noch vor Corona-Zeiten trat das Ehepaar als Duo bei einem Event in der »Damen-Boutique für den Herrn« auf. Inhaberin Manuela Mock verwandelt hier seit Jahren Männer in Frauen und ist überregional ein Treffpunkt für Transgender und Transvestiten geworden.

Vom Traumland zum Wunderland

Zu diesem Kreis zählt auch Nora, der die Musik von Reininghaus gefiel. Sie fragte, ob die Musikerin nicht ihre Geschichte in einem Song verarbeiten könnte. Nach einem weiteren langen, sehr intensiven Gespräch im Café Johannisberg entschloss sich Reininghaus, den Song zu schreiben.

»Wir standen die ganze Zeit über in engem Kontakt. Nora hat zunächst den Text und später dann auch die Musik vorab erhalten.« Mit beiden war der Auftraggeber mehr als zufrieden. Nur das Wort »Traumland« wurde auf Noras Wunsch durch »Wunderland« ersetzt.

Zunächst sanden Reininghaus und Kammer die gemeinsam aufgenommene Unplugged-Version - die als eine von drei Versionen auf der Single-CD zu hören ist - an Nora. Daraufhin beschloss diese, dass der Song mit Bandbegleitung veröffentlicht werden soll. So entstand eine Rockballade, die ganz ruhig beginnt und die »hinten raus richtig heftig wird«, wie Kammer das rockige Song-Ende beschreibt. »Ich lege immer Wert darauf, dass die Musik den Text widerspiegelt«, sagt Reininghaus, die mit ihrem Ehemann sowie den Bandmitgliedern Dieter Sautier (Schlagzeug), Gitarrist Siegfried Jendrychowski und Bassist Alexander Stams ein halbes Jahr im Proberaum am Arrangement feilte. Als Backgroundsängerin konnte mit Annika Klar eine der profiliertesten Sängerinnen des Rhein-Main-Gebiets gewonnen werden. Die in Maintal lebende Halb-Schwedin war unter anderem mit Popgrößen wie Michael Jackson, Mariah Carey, Meat Loaf oder Chris Rea auf Tour und auch beim legendären Liveauftritt von Michael Jackson in »Wetten, dass..?« im Jahre 1995 dabei.

Auftritt mit Michael Jackson

Aufgenommen und produziert wurde die CD in Altenstadt im »Ton-up Studio« von Uli Pfannmüller. »Die Zusammenarbeit war einfach toll«, schwärmt Heike Reininghaus, deren Band-Kollegen sich für das Bandfoto zum Song in rote High Heels zwängen mussten.

Eine Frau schrieb Reininghaus, dass sie jetzt - nach dem Musikvideo - verstehen könne, warum ihr Mann hin und wieder in Frauenkleider schlüpfe.

»Genau das war unser Ziel: Akzeptanz erreichen«, freut sich Reininghaus, der noch eines wichtig ist: Bei Nora handelt es sich nicht um den bekannten Transgender und Schriftsteller Nora Eckert aus Berlin. Der erhielt nach einem Talkshow-Auftritt von Reininghaus die CD und war vor allem von der Lyrik begeistert, wie er in einem Brief schrieb.

Schauplatz »Transnormal« in Frankfurt

Die Bad Nauheimer Fotografin Jemanda hat das Bandbild sowie das Coverfoto mit einem Männer- und einem Frauenbein aufgenommen. »Wem die Beine gehören wird nicht verraten«, meint Reininghaus lachend. Das Video wurde von Jürgen Kammer gedreht, unter anderem im und vor dem »Transnormal« am Baseler Platz in Frankfurt. »Corona und die Stadt Frankfurt hat uns da auch einiges abverlangt«, erzählt Jürgen Kammer. Es dauerte lange, bis die Stadt Frankfurt die Drehgenehmigung für die Außenaufnahmen erteilt hatte. Und in der Boutique mussten die wenigen Akteure, die zugelassen waren, alle Corona bedingten Hygienevorschriften einhalten. Entstanden ist trotz aller Auflagen ein tolles Video zu einem nicht minder tollen Song. Dementsprechend positiv ist die Resonanz.

Heike Reininghaus ist aktuell Bestandteil der Kampagne »Kulturgesichter069«, in dem sich bekannte hessische Künstler und Musiker, wie Rodgau Monotones oder Badesalz, für die Mitarbeiter in der Konzert- und Kulturbranche einsetzen. Derzeit wird eine Charity-Compliation produziert, wobei Reininghaus Teile des Flatsch-Klassikers »Gute alte Zeit« singen wird.

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