1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Bad Nauheim

Bad Nauheimer Ludwigsbrunnen: Ein Wahrzeichen sackt ab

Erstellt:

Von: Bernd Klühs

Kommentare

bk_brunnen2_220122_4c_1
Seit gut einem Jahr gesperrt: Während der Sanierungsarbeiten am Ludwigsbrunnen ist plötzlich das Fundament abgesackt. Nach wie vor ist es den Geologen nicht gelungen, die Ursache zu ermitteln. Wann der Brunnen wieder zugänglich gemacht werden kann, ist offen. © Nicole Merz

Der Ludwigsbrunnen ist ein Anziehungspunkt für viele Erholungssuchende am Rande des Bad Nauheimer Südparks. Doch der Heilwasserbrunnen ist wegen Sanierung seit über einem Jahr gesperrt.

Wer in Gesundheitsfragen auf Heilwasser setzt, der kommt in Bad Nauheim normalerweise auf seine Kosten. Doch zurzeit herrscht Ebbe, denn nicht nur in der Trinkkuranlage werden die Ausschank-Brunnen renoviert, auch am Gradierbau III kann seit Monaten kein frisches Quellwasser abgezapft werden. Während die Arbeiten in der innerstädtischen Jugendstilanlage planmäßig laufen und in der zweiten Jahreshälfte 2022 abgeschlossen werden sollen, wartet das Sanierungsprojekt am Ludwigsbrunnen mit unangenehmen Überraschungen auf.

Als der Brunnen im Dezember 2020 weiträumig abgesperrt und im Februar mit der Instandsetzung begonnen wurde, hatten die Verantwortlichen im Rathaus nicht mit schwerwiegenden Problemen gerechnet. Um den Ludwigsbrunnen weiter betreiben zu können und die Wasserförderung abzusichern, sollte die acht Meter lange und erheblich beschädigte gusseiserne Steigleitung in Ordnung gebracht werden. Ein anspruchsvoller Auftrag, aber kein Hexenwerk. Im Mai sollte alles erledigt sein. Doch die Arbeiten kamen schnell zum Erliegen, weil sich plötzlich die gesamte Brunnenkammer absenkte. Ein weiteres Absacken muss unbedingt verhindert werden, damit der Bestand des Bauwerks nicht gefährdet wird.

Ursache weiter unklar

Bis heute ist es den Experten allerdings nicht gelungen, die Ursachen zu ermitteln. Steffen Schneider (Fachbereichsleiter Kur und Service) meint dazu: »Wir benötigen zur Analyse drei Bohrungen durch Geologen. Am Gradierbau haben wir bereits Bohrungen vorgenommen und Messpunkte gesetzt, die uns Aufschluss geben, dass dort alles in Ordnung ist. Beim Brunnen ist das jedoch etwas komplizierter.« Wobei »etwas« ein wenig untertrieben zu sein scheint, sonst wären die Untersuchungen vermutlich längst abgeschlossen.

Volkmar Dörn, Fachdienstleiter Kureinrichtungen und Therme, erläutert, um was es geht. Gefragt ist eine sehr sensible Vorgehensweise, um kein weiteres Absinken des Bodens zu provozieren. »Die Schwierigkeit ist darin begründet, dass das Gerät, mit man die Bohrung durchführen würde, mit einem Gewicht von vier Tonnen zu schwer für den Brunnen wäre«, sagt der Fachdienstleiter.

Derzeit laufe die Suche nach einem Bohrer, der für den in seiner jetzigen Form 1935 errichteten Brunnen geeignet erscheint. Alternativ soll ein Verfahren zum Einsatz kommen, das den Boden nicht zu sehr belastet. Dörn: »Sollte sich kein geeignetes Bohrsystem finden, müsste eine Art Rampe gebaut werden, bei der die Auflagepunkte weiter weg vom Brunnen liegen, um die Bohrung dann von dort aus machen zu können.« Erst wenn die Ergebnisse der Bohrungen vorlägen, könne das Fundament gesichert und anschließend die Steigleitung saniert werden.

Sanierungsende: Keine Prognose

Klingt alles sehr kompliziert und ist es wohl auch. Prognosen, wann der Ludwigsbrunnen wieder zugänglich gemacht werden kann, möchte im Rathaus deshalb niemand abgeben.

Auch nicht Bürgermeister Klaus Kreß: »Wir sind natürlich daran interessiert, unser Wahrzeichen so schnell wie möglich instand zu setzen, was manchmal aber seine Tücken hat.« Bezüglich des Sanierungsabschlusses können also keine verlässlichen Aussagen getroffen werden. Gleiches gilt für die Kosten. Nach Angaben des Fachbereichs wurden für die Instandsetzung Mittel in Höhe von 220 000 Euro angesetzt. Damals war vom Absacken des Fundaments aber noch nichts bekannt. Tatsächlich dürfte das Projekt deutlich teurer werden. Um wie viel, bleibt vorerst offen.

Kein Trinkbrunnen zugänglich

Die Kurstadt Bad Nauheim verfügt über drei Trinkbrunnen. Kur- und Karlsbrunnen sind in der Trinkkuranlage zu finden, werden aktuell aber saniert. Normalerweise bekommen Besucher in dem Jugendstilensemble auch das Heilwasser des Ludwigsbrunnens ausgeschenkt, das mithilfe einer Leitung vom Gradierbau III bis dorthin transportiert wird. Alternativ kann das Wasser auch am Brunnen selbst abgezapft werden. Seit längerer Zeit steht das Quellwasser der drei Brunnen also nicht zur Verfügung.

Der Ludwigsbrunnen dient zusammen mit Wasserrad und Gradierbau III nicht nur als Anziehungspunkt für Bewohner der Stadt und Touristen, sondern lockt auch Bürger mit gesundheitlichen Problemen an. Nach Angaben von Experten hilft das 19 Grad warme Wasser gegen Sodbrennen und Magenübersäuerung, kann zur pH-Regulierung bei erhöhter Harnsäure und Gicht eingesetzt werden. Weil es wenig Kochsalz enthält, wird es auch Menschen empfohlen, die unter Bluthochdruck oder Herzbeschwerden leiden. Von einem Dauerkonsum wird abgeraten, Interessenten sollten sich von einem Arzt beraten lassen.

1842 wurde gebohrt

Gebohrt wurde nach Angaben des Bad Nauheimer Stadtarchivs 1842 auf dem damals »Pferdserweide« genannten Gelände, vier Jahre vor dem »Weihnachtswunder« (Ausbruch des Großen Sprudels im Sprudelhof). Die Quelle mit salzhaltigem Wasser erfüllte aber zunächst nicht die Erwartungen. Zehn Jahre später sollte das Bohrloch eigentlich zugeschüttet werden. Wie Proben ergaben, hatte sich die schwache Solequelle inzwischen aber in einen reichhaltig sprudelnden Säuerling verwandelt.

Die Pferdserbrunnen getaufte Quelle wurde 1868 in Ludwigsbrunnen umbenannt (nach Großherzog Ludwig III.). Jahrzehntelang herrschte dort reges Treiben. Das Wasser war bei den Bad Nauheimern sehr beliebt, es wurde auch exportiert. Seine heutige Form erhielt der Brunnen 1935, die Anlage wurde saniert, neu gestaltet und verrohrt.

Auch interessant

Kommentare