Die Impfkampagne hat die Situation entscheidend verändert, denn die Zahl der Covid-19-Patienten in Krankenhäusern ist nicht mehr so stark an die Inzidenz gekoppelt. Das sieht auch Prof. Hossein-Ardeschir Ghofrani positiv.
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Die Impfkampagne hat die Situation entscheidend verändert, denn die Zahl der Covid-19-Patienten in Krankenhäusern ist nicht mehr so stark an die Inzidenz gekoppelt. Das sieht auch Prof. Hossein-Ardeschir Ghofrani positiv.

Prof. Ghofrani im Gespräch

Bad Nauheimer Kerckhoff-Mediziner über Impfdurchbrüche, 2G und die nächsten Monate

  • Christoph Agel
    VonChristoph Agel
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WiSCiProf. Hossein-Ardeschir Ghofrani, Ärztlicher Geschäftsführer der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim, hat einiges zum Pandemie-Geschehen zu sagen - auch zu 2G und Impfdurchbrüchen.

Bad Nauheim – Möchte man die steigende Corona-Inzidenz und die Situation in Krankenhäusern einordnen, dann kann ein Blick in die Vergangenheit helfen. Kurz vor Weihnachten 2020 war die Lage in der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik extrem angespannt. Wegen Corona hatte die Klinik zwei neue Stationen geschaffen – für bis zu 40 Patienten. Non-Covid-Notfälle wurden zwar noch behandelt, planbare Operationen aber verschoben. Am 19. Dezember war in der WZ zu lesen: »Derzeit liegen 25 beatmete Patienten auf der Intensivstation, 15 von ihnen mit SARS-CoV-2 infiziert.«

Es war kurz vor Beginn der Impfkampagne. Die ist seit einigen Wochen ins Stocken geraten, doch macht sie sich mit Blick auf Krankenhausaufenthalte positiv bemerkbar. Schwere Krankheitsverläufe sind bei Weitem nicht mehr so an die Inzidenzen gekoppelt wie noch im Dezember vergangenen Jahres.

Zur Corona-Lage in der Wetterau: Gespräch mit Prof. Ghofrani von der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim

Covid-Lage in der Klinik - Entspannt ist Prof. Hossein-Ardeschir Ghofrani, der Ärztliche Geschäftsführer, aber nicht, denn die kurze Phase, in der man sich deutlich intensiver um Patienten kümmern konnte, die nicht an Covid-19 erkrankt waren, ist ein Stück weit zu Ende. »Wir erleben jetzt eine Situation, in der wir bestimmte Kapazitäten für Covid-Patienten auf Normal- und Intensivstation vorhalten müssen.« Der Umfang liege zwar deutlich unter dem in der ersten und der zweiten Welle, als bis zu 40 Betten vorgehalten werden mussten, dennoch wirke sich auch jetzt das Bereithalten für Covid-Patienten auf die Kernbereiche aus. Die Zahl an Herz-, Lungen- oder Gefäß-Operationen sei eingeschränkt. Aktuell halte die Kerckhoff-Klinik vier Intensivbetten bereit, von denen zwei belegt seien, sagte Ghofrani am Dienstag. Auf der Infektionsstation seien zwei bis drei von fünf Betten belegt. »Wir bewegen uns insgesamt, was die Krankenhausbedürftigkeit betrifft, auf einem stabil niedrigen Niveau.« Zwischenzeitlich, vor wenigen Wochen, sei man »an der Auslastungsgrenze unserer Intensivkapazität« gewesen. Eine Rolle habe der Übernahmedruck von Patienten aus Südhessen gespielt.

Impfdurchbrüche - In der letzten Zeit sind immer mal wieder Impfdurchbrüche bekannt geworden. Ghofrani ordnet das Thema folgendermaßen ein: Hessenweit seien etwa 30 Prozent der Covid-Patienten auf Normalstationen vollständig geimpft. Auf Intensivstationen seien es circa 20 Prozent. Aber: »Jung, doppelt geimpft, ohne Vorerkrankungen und dann Impfdurchbruch - das ist extrem selten.«

Missverständnis - Auch wenn in der jüngeren Vergangenheit öfter von Impfdurchbrüchen die Rede ist, besteht laut Ghofrani kein Grund zur Sorge. Am Anfang der Pandemie seien 100 Prozent der Menschen, die sich infiziert hätten, nicht geimpft gewesen. Also konnte die Zahl der Durchbrüche nur bei null liegen. »Wir haben jetzt das Verhältnis Geimpfte zu Nicht-geimpfte - zumindest bei den Erwachsenen - von nahezu zehn zu eins. Und trotzdem haben wir auf der Intensivstation nur zwei Patienten mit Impfdurchbrüchen - von zehn Patienten.«

Statistiken - Was Impfdurchbrüche angeht, weist Ghofrani auf den Mangel an Statistiken hin, die dokumentierten, mit was die Betroffenen geimpft worden seien. Auch flächendeckende Informationen über Altersstruktur und Vorerkrankungen wären aus Sicht des Kerckhoff-Arztes sinnvoll. Was Ghofrani auffällt: Es gebe vermehrt Durchbrüche nach Impfungen mit dem Vakzin von Johnson & Johnson.

Die nächsten Monate - Gehe es mit den Impfanstrengungen genauso gut weiter und gebe es demnächst belastbare Empfehlungen zur Booster-Impfung über alle Altersstrukturen hinweg, dann schaue er positiv nach vorne, macht Ghofrani deutlich. Zudem sei eine weiterhin sehr gute Abstimmung zwischen den Krankenhäusern in der Region wichtig. Diese Kooperation sei in der Vergangenheit ein Schlüssel für eine bestmögliche Versorgung gewesen.

2G-Regel - Da auch Geimpfte das Virus übertragen können, stellt sich die Frage, ob man sich bei 2G-Veranstaltungen sicher fühlen kann oder ob auch da Tests angebracht wären. Ghofrani sieht das entspannt: Natürlich gebe es die Gefahr, dass sich ein kleiner Prozentsatz der Menschen dort infizieren könnte. Dies geschehe dann aber in einer Umgebung von Geimpften und Genesenen. »Dementsprechend prallt dieses Virus an einer großen Schutzmauer ab. Bei 2G haben Sie eine Herdenimmunität.«

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