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Die städtischen Gärtner beim jährlichen Platanenschnitt. Wegen der Corona-Krise und, damit verbunden, unterschiedlicher Dienstpläne ist der Schnitt diesmal erst nach zwei Jahren erledigt worden.

Baumpflege

Bad Nauheimer Bäume im Trockenstress

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Wie gemalt liegen die Bad Nauheimer Parkanlagen da. Den vielen Spaziergängern dürfte dabei kaum auffallen, mit welchen Problemen der Fachdienst Park- und Grünpflege zu tun hat.

Die Sonne fällt auf die gepflegten Flächen des Kurparks, Krokusse und Schneeglöckchen kommen bereits durch. Es ist ein Erscheinungsbild, hinter dem sich eine Menge Arbeit verbirgt. Zumal die Klimaveränderung immer stärkere Auswirkungen hat, vor allem auf die Bäume. »Immer mehr Gewächse leiden unter der Trockenheit, unter Krankheiten und Pilzen«, schildert Frank Ludwig, städtischer Fachdienstleiter Park- und Grünpflege, die Problematik. Auch Stürme spielten eine, wenn auch weniger gewichtige, Rolle.

Im Vordergrund steht der Erhalt, auch in der Fäll-Saison, die Ende der Woche vorbei ist. Laut Steffen Schneider, Fachbereichsleiter Kur- und Servicebetrieb, fällt die Stadt grundsätzlich keine gesunden Gewächse. »Sondern nur solche, bei denen ein Baumgutachter sagt: Der Baum ist so geschädigt oder schon abgestorben, dass die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben ist. Entweder akut oder kurz- und mittelfristig.«

Die Stadt kämpfe um jeden Baum. Ein gutes Beispiel sei die eingezäunte Blutbuche gegenüber des Kurhauses. 2007 habe ein Sachverständiger einen Maßnahmenplan vorgegeben, um das altehrwürdige Gewächs so lange wie möglich zu erhalten. Im Januar musste die Krone weggenommen werden, da sie tot war und drohende Ast-Abbrüche den Wuchs der Sekundärkrone gefährdeten. »Wenn es gut läuft, kann der Baum noch lange stehen bleiben«, sagt Ludwig, seines Zeichens Diplom-Ingenieur der Landespflege.

Der Trockenstress, den die Bäume zeigen, sei auf die letzten zwei, drei Jahre zurückzuführen. »Es ist ja nicht so, dass es ein Jahr regnet und die Bäume sind dann wieder schön grün. Diese Aufgabe fordert uns in Zukunft noch stärker«, sagt Ludwig. Der Fachbereich Park- und Grünpflege lehne sich daher an die Forschungsergebnisse zum Projekt »Klimabäume der Zukunft« der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau an. »Teile dieser Baumarten pflanzen wir auch in Bad Nauheim an«, erläutert Ludwig.

Etwa 30 000 Liter Wasser am Tag

Um die Trockenheit in den Griff zu bekommen, hat die Stadt die Bewässerungstechnik aufgerüstet. »Wir wässern von April bis Oktober mit mittlerweile vier Fahrzeugen, die zusammen gut 7000 Liter pro Fahrt haben. Sie fahren vier- bis fünfmal am Tag raus. Wir stellen Regner dazu, haben Bewässerungssäcke«, sagt Ludwig. Trotz allem brauche es die Natur, um Abhilfe zu schaffen. Im Winter habe es geschneit, der Schnee sei liegen geblieben. »Das ist ja schon mal was. Wie es jetzt aussieht, ist etwas mehr an Niederschlägen zu erwarten.«

Da die Bäume geschwächt und nicht mehr so vital sind, breiten sich Krankheiten schneller aus. Vor allem im Goldsteinpark hat es die Stadt mit der Rußrindenkrankheit zu tun, die überwiegend Spitz- und Bergahorn betrifft. Ludwig: »Da müssen wir fällen und durch andere Ahornarten ersetzen, die diesbezüglich resistent sind.« Vorgabe sei es, jeden Baum zu ersetzen, der abgängig sei, wofür die Stadt nach wie vor gerne Baumpatenschaften vergebe. Momentan bestehe vor allem im Goldsteinpark Bedarf.

Baum-Schwund hat sich verdoppelt

Buchen, Eichen, Kastanien und Ahorne sind vorherrschende Arten im Kurpark, 11 000 Bäume hat die Stadt insgesamt im Bestand. Normalerweise liegt der Schwund bei einem Prozent pro Jahr, sprich 110 Stück, diese Zahl wachse aber und liege momentan bei 2 bis 2,5 Prozent, sagt Ludwig.

Viel zu tun also, um diesem Trend Einhalt zu gebieten, nicht nur in den Grünanlagen, sondern auch im Stadtbild. Ein Beispiel ist der Friedrich-Ebert-Platz, auf dem letzte Woche der jährliche Platanenschnitt angestanden hat. Bei dieser Gewächs-Art überprüft der Baumkontrolleur, der einmal jährlich alle Bäume checkt, vor allem, ob sich bläuliche Verfärbungen zeigen. Diese verursacht der schädigende Massaria-Pilz.

29 Mitarbeiter hat der Fachbereich, davon vier Baumpfleger und zwei Auszubildende. Diesbezüglich gut aufgestellt zu sein, sei wichtig, wie Schneider betont: »Das macht ja den Reiz von Bad Nauheim aus: Die attraktiven Grünanlagen direkt in der Innenstadt.«

Biber-Verbiss ist zurückgegangen

Die Aktivitäten des Bibers im Bad Nauheimer Kurpark sind zurückgegangen, wie Frank Ludwig, städtischer Fachdienstleiter Park- und Grünpflege, mitteilt. Dafür sind Biberspuren verstärkt Richtung Friedberg bei der Kläranlage an der Usa und in Richtung Nieder-Mörlen zu finden. An der Kläranlage habe der Biber schon zweimal einen Staudamm gebaut. Die Biberburgen an der Insel im Großen Teich seien noch da, aber der Nager sei dort mittlerweile weniger zugange. Steffen Schneider, Fachbereichsleiter Kur- und Servicebetrieb, fügt hinzu: »Wir haben die Bäume damals mit Estrich-Matten geschützt und, in Absprache mit dem Regierungspräsidium, Verbisspaste auf die Bäume aufgetragen.« Ziel sei es gewesen, schützenswerte Bäume zu sichern. »Das scheint Früchte getragen zu haben.« Im Park seien die Schäden geringer geworden, weshalb die Stadt die Kontrollen etwas zurückgefahren habe.

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