Im Badehaus 2 des Sprudelhofs soll die Saunalandschaft der Therme entstehen. Bis es soweit ist, müssen sich alle Beteiligten und Freunde des entspannten Saunierens länger gedulden als eigentlich gedacht.
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Im Badehaus 2 des Sprudelhofs soll die Saunalandschaft der Therme entstehen. Bis es soweit ist, müssen sich alle Beteiligten und Freunde des entspannten Saunierens länger gedulden als eigentlich gedacht.

Bürgermeister fassungslos

Bad Nauheim: Hiobsbotschaft zu Thermen-Bau hat „gravierende Auswirkungen“

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Eines vorweg: Das Projekt Therme in Bad Nauheim wackelt nicht. Doch was Bürgermeister Klaus Kreß nun verkünden musste, macht ihn selbst fassungslos.

  • Der Neubau der Therme in Bad Nauheim ist das aufregendste Projekt der Stadt.
  • Nun gibt es gravierende Probleme mit dem Badehaus 2.
  • Die Eröffnung des Thermen-Abschnitts verschiebt sich deutlich.

Bad Nauheim - Vielleicht sollte man den Bad Nauheimer Sprudelhof in Kunstharz gießen und erforschen. Bürgermeister Klaus Kreß scheint an Tag eins nach Verkündung der Hiobsbotschaft ein wenig Sarkasmus in Sachen Denkmalschutz gut zu tun. Der Mann ist bitter enttäuscht, das merkt man ihm an. Am Abend zuvor hatten er und andere Verantwortungsträger, die mit Therme-Neubau und Sprudelhof zu tun haben, in einer gemeinsamen Sitzung von Haupt- und Finanzausschuss und Bauausschuss die bittere Nachricht verkündet: Das Badehaus 2, das künftig Sauna-, Wellness- und Therapiebereich der Therme beherbergen soll, wird frühestens Ende 2024 an den Therme-Neubau angeschlossen. Weil die Untere Denkmalschutzbehörde zahlreiche, eher kleinteilige Punkte genannt hat, die aus ihrer Sicht noch zu klären sind. Und weil sich im Keller des Badehauses 2 Ablagerungen befinden, deren Entfernung einen erheblichen Aufwand bedeuten und die Arbeiten erheblich in die Länge zieht.

Therme Bad Nauheim: Bürgermeister Kreß übt deutliche Kritik

»Das hat gravierende wirtschaftliche Auswirkungen auf die Stadt«, beklagt Kreß und spricht von einem Fehlbetrag im hohen sechsstelligen Bereich - pro Jahr, in dem das Badehaus 2 noch nicht als Saunalandschaft genutzt werden kann. Die Therme werde Mitte 2023 eröffnen, danach dauere es mindestens eineinhalb Jahre bis zum Start der Saunalandschaft, erläutert der Bürgermeister.

Bauherr für die Sanierung des Badehauses 2 ist der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH). An dieser Institution und an der Stiftung Sprudelhof übt Kreß deutliche Kritik: »Wir sind alle fassungslos über die Geschwindigkeit des LBIH.« Dort müsse man dringend etwas an Arbeitsweise und Struktur ändern. Die Vorarbeiten des Landesbetriebs hätten sich immer mehr in die Länge gezogen; er, Kreß, habe deshalb den Staatssekretär eingeschaltet, sei zweimal zu Gesprächen in Wiesbaden gewesen. Über die Stiftung Sprudelhof sagt der Bürgermeister, sie sei 2008 gegründet worden und habe die Ansprüche in Sachen Vorarbeiten und Dokumentationspflicht trotz der seitdem vergangenen zwölf Jahre nicht erfüllt.

Therme Bad Nauheim: Ablagerungen aus 100 Jahren

Womit man bei den Gründen für die Verzögerung im Badehaus 2 wäre. Punkt eins: Im Keller gibt es laut Kreß radionukleide Ablagerungen aus 100 Jahren, die vom Heilwasser stammen. Sie müssen entfernt werden, was mit einem aufwendigen Arbeitsschutz verbunden ist und zudem zeitgleiche Arbeiten im Stockwerk darüber ausschließt. Erst muss der Keller saniert und im Zuge dessen von den radioaktiven Ablagerungen befreit sein, dann kann es oben drüber los gehen.

Punkt 2: Laut Kreß hat die Untere Denkmalschutzbehörde, ansässig beim Wetteraukreis, 89 Punkte nachgereicht, die beim Badehaus 2 zu beachten sind. Mit der Oberen Denkmalschutzbehörde sei alles geklärt gewesen, die untere Behörde habe aber nachgelegt, sagt der Bürgermeister. Es gehe beispielsweise darum, ob eine alte Tür erhalten bleiben solle oder ersetzt werden dürfe. Auch Dinge wie ein historischer Heizkörper oder ein Fenster gehören zu den von der Kreis-Behörde vorgebrachten Punkten.

Therme Bad Nauheim: Vorstand der Stiftung Sprudelhof nimmt Stellung

Frank Thielmann, Vorstand der Stiftung Sprudelhof, geht im Gespräch mit der WZ ausführlich auf die radioaktiven Ablagerungen im Keller des Badehauses 2 ein. Es habe sich herausgestellt, dass der Schadstoffkatalog hinsichtlich der Keller-Sanierung umfangreicher sei als ursprünglich angenommen. Die Ablagerungen hätten eine etwa 18-monatige Verzögerung zur Folge. Das Heilwasser enthalte auch Radium, und das wiederum habe eine erhöhte Strahlendosis gegenüber Sand oder Lehm, sei aber nicht gefährlich, in der Weise, dass man Schutzkleidung benötigen würde, wenn man mit dem Wasser in Kontakt komme. Abgesehen davon werde Heilwasser ja auch getrunken. Alles kein Problem, sagt Thielmann. Gefährlich wäre es, wenn man Ablagerungen essen würde, auf die Idee dürfte jedoch niemand kommen. Aber auch beim Beseitigen der Ablagerungen mit Flex oder Presslufthammer sei Vorsicht geboten, erläutert Thielmann. Deshalb der entsprechende Arbeitsschutz.

Da dürfte einiges auf die Sanierer zukommen, denn die Ablagerungen seien »im Keller an allen Ecken und Enden verteilt« - Stichwort Leitungen. Die Sanierung des Kellers muss laut Thielmann erst abgeschlossen werden, ehe man mit den Arbeiten im Erdgeschoss beginnt, denn zwischen beiden Stockwerken gebe es Verbindungen, zum Beispiel in Form von Löchern in den Badezellen. Warum ist das ganze Problem erst jetzt als solches erkannt worden? Thielmann: »Es hat keiner dran gedacht, ich sage es ganz ehrlich.«

Bürgermeister Kreß denkt trotz der Badehaus-Hiobsbotschaft auch positiv: »Wir geben Vollgas und bündeln die Ressourcen.« Auch Therme-Betreiber Kannewischer brenne nach wie vor für das Projekt. Kreß: »Am Ende des Tages wird es eine einzigartige Geschichte.«

Therme Bad Nauheim: Stadt will Tiefgarage gerne selbst betreiben

Zum Gesamtprojekt Therme gehören auch ein Hotel und eine Tiefgarage. Beides soll nach Angaben von Bürgermeister Klaus Kreß zeitgleich mit der Therme fertiggestellt werden. Mit den Arbeiten für die Therme werde zuerst begonnen, denn dafür benötige man auch die längste Bauzeit. Als nächstes solle mit dem Hotel und schließlich mit der Tiefgarage angefangen werden. Was Letztere betrifft, so sei die Stadt nach wie vor mit Investoren im Gespräch, doch wolle sie die Tiefgarage gerne selbst betreiben. »Letztlich ist es eine Geschichte, die sich gut amortisieren lässt.«

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