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Katharina Madlener und Cem Cevik tragen entscheidend dazu bei, dass die tägliche Arbeit an der Kerckhoff-Klinik auch in Zeiten der Pandemie funktioniert.

Klinik in Pandemie-Zeiten

Schützen, testen, Leben retten: So läuft die Arbeit an der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik im März 2021

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Patienten behandeln und vor Corona schützen, Tests auswerten und alles dafür tun, dass sich die Mitarbeiter nicht infizieren. Die Arbeit an der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik ist noch anspruchsvoller.

Bad Nauheim – Wie können sich die nun eingetretenen Lockdown-Lockerungen auf die Situation in der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik auswirken? Welche Rolle spielen Tests? Wie groß ist die Angst vor Mutationen? Wie arbeitet das Labor-Team? Dr. Katharina Madlener, Direktorin der Abteilung für Labormedizin und Krankenhaushygiene, und Dr. Cem Cevik, Leitender medizinischer Pandemiekoordinator, geben Einblicke,

Lockerungen - »Grund zur Hoffnung geben uns die fallenden Zahlen im stationären Bereich in den letzten Wochen. Allerdings stagnieren die Infektionszahlen gerade, sie steigen tendenziell sogar wieder leicht an«, sagt Cevik. Dieser Anstieg könnte durch die Lockerungen erneut deutlich zunehmen. »Positiv ist hingegen, dass ein Großteil der älteren Menschen und damit bevorzugt Risikopatienten zunehmend geimpft wurden. Dies könnte ein Grund für den Rückgang an schweren Verläufen und der Notwendigkeit stationärer Aufnahmen erklären.« Doch auch jüngere Patienten könnten im Einzelfall schwer von einer Covid-Erkrankung betroffen sein und bedürften einer stationären Behandlung oder sogar intensivmedizinischer Therapie.

Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim: Täglich mehrere hundert Corona-Tests

Arbeit im Labor - »Wir haben in unserem Zentrallabor einen komplett neuen SARS-CoV-2-Arbeitsplatz implementiert. Die PCR-Testung zum Nachweis von SARS-CoV-2 wurde unmittelbar zu Beginn der Pandemie innerhalb kürzester Zeit eingeführt«, erläutert Madlener. Die Arbeitszeiten seien angepasst worden, sodass diese Tests am Nachmittag und am Abend analysiert und ausgewertet werden könnten. Das Arbeiten mit kompletter Schutzausrüstung sei sehr anstrengend. Dazu komme viel Dokumentationsarbeit wegen Meldepflichten in den späten Abendstunden. Madlener: »Wir bemühen uns, dass positiv getestete Personen ihr Ergebnis innerhalb von 24 Stunden und bestenfalls noch am gleichen Tag erhalten.« Dank eines sehr gut funktionierenden Teams sei es gelungen, mit einem stabilen und sich dynamisch an die Veränderungen und Anforderungen anpassenden Arbeitsbereich zur Diagnostik in der Corona-Pandemie beizutragen.

Zahl der Tests - Täglich werden an der Kerckhoff-Klinik etwa 150 Antigenschnelltests bei Mitarbeitern und Patienten gemacht. Die Mitarbeiter können sich jederzeit testen lassen. Gleichzeitig empfiehlt die Klinik dringend all ihren ambulanten Patienten, einen Schnelltest machen zu lassen. »Um diese Tests durchführen zu können, haben wir zwei Abstrichambulanzen im Haus etabliert«, erläutert Cevik. Zusätzlich würden täglich etwa 200 bis 300 PCR-Tests gemacht. Getestet werden Patienten aus dem Covid-Bereich, Mitarbeiter und Patienten mit möglichen Covid-Symptomen oder positivem Schnelltest sowie alle neuen stationären Patienten während einer Eingangsuntersuchung. Madlener: »Außerdem untersuchen wir im Auftrag des Gesundheitsamtes Wetterau die Proben für das Abstrichzentrum in Reichelsheim und weitere durch das Gesundheitsamt veranlasste Proben.«

Gefahr - »Ohne Schutzausrüstung könnten wir uns anstecken. Daher arbeiten wir mit der identischen persönlichen Schutzausrüstung, sprich FFP2-Maske, Visier, Handschuhe, Haube, Einmalschutzkittel, mit der auch Pflege und Ärztinnen und Ärzte im Isolationsbereich arbeiten«, erläutert Madlener.

Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim: Ab Frühjahr eigene Testungen auf Mutante

Mutationen - Etwa jede zehnte Probe wird auf Mutationen hin untersucht - aktuell gemeinsam mit einem Partner-Labor. »Wir rechnen damit, ab April/Mai im eigenen Labor auf Mutationen testen zu können«, sagt Madlener.

Impfungen - »Zu Beginn der Pandemie haben wir einen Corona-Krisenstab gegründet, der aus einem Team aus über 20 Personen besteht«, erläutert Cevik. So werden die Kollegen beispielsweise täglich hinsichtlich die organisatorischen Neuerungen und der pandemischen Lage im Haus informiert. »Regelmäßig leisten wir in diesen Statusmeldungen auch viel Aufklärungsarbeit und werben für die Impfung, egal mit welchem Impfstoff.« Es sei erfreulich, dass die Klinik ihren Mitarbeitern eine Impfung habe anbieten können und mittlerweile fast alle geimpft worden seien, die direkt im Covid-Bereich arbeiten oder ein besonderes Risiko haben, sich anzustecken. »Generell ist die Bereitschaft, sich impfen zu lassen in der Kerckhoff-Klinik sehr gut, in Gruppen mit einem hohen Gefährdungspotential mit circa 88 Prozent sogar ausgesprochen hoch. Bis Ostern können wir voraussichtlich fast allen Mitarbeitenden einen ersten Impftermin anbieten, da im gesamten Monat März zwei Impftermine pro Woche geplant sind.« Bisher sei man in der Klinik mit einer niedrigen Erkrankungsrate gut durch die Pandemie gekommen.

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