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Die ehemalige Bahnhofsgaststätte bleibt ein Sorgenkind des Eigentümers. Seit Jahrzehnten stehen die kürzlich grundsanierten Räumlichkeiten leer. Auch die Idee, dort die städtische Spielstätte zu etablieren, ist gescheitert. (Archivfoto: Nici Merz)

B-Plan-Diskussion

Bad Nauheim: Bahnhofs-Eigentümer in der Kritik - Keine Lust auf Buhmann-Rolle

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Mit deftiger Kritik am Eigentümer des Bad Nauheimer Bahnhofs haben sich Politiker zu Wort gemeldet. Tenor: Er investiere zu wenig. Der Geschäftsmann hat keine Lust auf die Buhmann-Rolle.

Zwei Zitate aus den vergangenen Wochen mögen ausreichen, um zu verdeutlichen, was einige Stadtverordnete vom Umgang der Firma Portal Real mit dem Bad Nauheimer Bahnhof halten. "Der Bahnhof sieht scheiße aus", hatte FDP-Mann Peter Heidt in der jüngsten Parlamentssitzung unmissverständlich betont. Auch CDU-Fraktionschef Manfred Jordis nahm kein Blatt vor den Mund: "Seit Jahren ist er im Besitz des Bahnhofs, seit Jahren passiert nichts", sagte der Christdemokrat im Bauausschuss, wobei mit "er" Portal-Real-Chef Dr. Christian Zschocke gemeint war.

Entsprechen diese Aussagen den Tatsachen? Im Vorfeld der jüngsten Bauausschuss-Sitzung meldete sich der Bahnhofs-Eigentümer gegenüber der Stadt und der WZ zu Wort, um dem negativen Eindruck entgegenzuwirken.

Umfangreiche Sanierungsarbeiten

Zschocke, der die Portal Real GmbH & Co. KG und damit den Bahnhof vor Jahren vom Immobilienkonzern Procom übernommen hatte, listet eine Reihe von Sanierungs- und Reparaturarbeiten auf. So seien Fassade und Dach ebenso instand gesetzt worden wie alle 13 Wohnungen und Büros inklusive Treppenhäuser.

Auch in der Bahnhofshalle samt Nordflügel ("Brunnenplaza") habe sich einiges getan. Stichworte: Renovierung einiger Gewerberäume, neuer Putz und Anstrich in der Halle, Reparatur und Einbau von Türen, Instandsetzung der historischen Leuchter. Außerdem seien Mieter wie die Bäckerei und ein Nagelstudio gewonnen, die Räume der Buchhandlung neu hergerichtet worden. Die seit Jahrzehnten verwaiste ehemalige Bahnhofsgaststätte im Südflügel habe Portal Real entkernen und grundsanieren lassen.

Debatte ohne neue Argumente

Die Investitionen beziffert der Bahnhofs-Eigner auf gut 1,5 Millionen Euro. Sein Fazit: "Insgesamt befindet sich das Gebäude in einem revitalisierten und so guten Zustand, wie es ihn in den letzten 50 Jahren nicht gab." Als Zukunftsaufgabe sieht Zschocke die Vermietung leerstehender Gewerberäume. Erst wenn Interessenten gefunden seien, könne die abschließende Sanierung und der Ausbau dieser Erdgeschoss-Räume erfolgen.

Der Bauausschuss beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung ein zweites Mal mit der Frage, ob für den Bahnhof und die umliegenden Grundstücke, die ebenfalls Portal Real gehören, ein B-Plan aufgestellt werden soll. Im April hatte das Gremium diese Frage einstimmig bejaht, den Beschluss allerdings mit einem Zusatz versehen: Endgültig grünes Licht für die Errichtung von Wohn- und Bürogebäuden wird die Politik im weiteren Verfahrensverlauf nur geben, wenn der Eigentümer zuvor ein Nutzungskonzept zur Entwicklung des Bahnhofs vorlegt. Mit dieser Entscheidung war das Parlament nicht einverstanden. Die Stadtverordneten verwiesen die Beschlussvorlage zur erneuten Beratung an den Ausschuss zurück.

CDU verfolgt harte Linie gegenüber Portal Real

In der zweiten Ausschuss-Debatte gab es keine neuen Argumente, aber einige Kritik an der Aussage von Peter Heidt ("Der Bahnhof sieht scheiße aus"), der nicht an der Sitzung teilnahm. Sein FDP-Parteifreund Benjamin Pizarro sagte, die Bemühungen von Portal Real seien anzuerkennen, es gebe aber noch einiges zu tun. Die FDP verzichtete auf ihre ursprüngliche Absicht, die Aufnahme eines städtebaulichen Vertrags in die Beschlussvorlage zu beantragen, in dem die Zukunft des Bahnhofs zwischen Stadt und Investor klar geregelt werden soll. Offenbar verließ sich Pizarro auf die Zusage von Fachbereichsleiter Jürgen Patscha, wonach ein solcher Vertrag parallel zum B-Plan geschlossen werden soll.

Am Ende verfolgte lediglich die CDU eine harte Linie gegenüber Portal Real. Die Union wollte der Aufstellung des Bebauungsplans erst zustimmen, wenn Zschocke bei der endgültigen Sanierung und bezüglich des Nutzungskonzepts in Vorleistung getreten sei. Fünf Ausschuss-Mitglieder votierten dafür, den B-Plan aufzustellen, es gab drei Enthaltungen und zwei Nein-Stimmen. Ob die Politiker den von Portal Real geplanten Bau von Mehrfamilienhäusern und Bürogebäuden letztlich absegnen werden, bleibt auch nach dieser Entscheidung offen.

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