In Höhe der Tennisplätze (rechts des Weges) ist die 59-Jährige angegriffen worden. Der Angeklagte will eine flüchtende Person auf dem (im Bild links abbiegenden) Fußweg parallel der Parkstraße verfolgt haben.
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In Höhe der Tennisplätze (rechts des Weges) ist die 59-Jährige angegriffen worden. Der Angeklagte will eine flüchtende Person auf dem (im Bild links abbiegenden) Fußweg parallel der Parkstraße verfolgt haben.

Verbrechen am frühen Morgen

Vergewaltigung im Bad Nauheimer Kurpark: Vom Zeugen zum Beschuldigten

  • vonHedwig Rohde
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Die Tat schockte Bad Nauheim: Auf dem Weg zur Arbeit wurde im März 2018 eine 59-Jährige im Kurpark Opfer einer Vergewaltigung. Nun befasst sich das Jugendschöffengericht Friedberg damit.

Bad Nauheim - Am frühen Morgen des 18. März 2018, einem Sonntag, ist es nass und kalt. Es schneit in dicken Flocken, als sich Eden Abraham (Name geändert) auf den Weg zu ihrer Arbeitsstelle macht. Kurz nach 5 Uhr durchquert sie den Sprudelhof, wo eine der Überwachungskameras ein Stück ihres Weges aufnimmt. Außer ihr ist auf dem Video, das die Polizei später auswertet, zu dieser frühen Stunde nur eine weitere Passantin zu sehen, die mit ihrem Hund spazieren geht. Wenige Minuten nach der Videoaufzeichnung biegt Eden Abraham auf ihrem allmorgendlichen Weg durch den Kurpark am Brunnen der Erkenntnis nach Süden ab - in Richtung Parkstraße. In Höhe der Tennisplätze bekommt die 59-Jährige völlig unvermittelt einen Schlag in den Nacken, während sich eine Hand über ihren Mund legt.

Ihr Angreifer überragt die 1,65 Meter große, schlanke Frau um etwa einen Kopf - genauer kann sie es später nicht sagen, denn während der gesamten folgenden Viertelstunde bekommt sie ihn nicht zu Gesicht, weil er sich hinter ihr hält. Was sie sieht: Die Hand, die ihr den Mund zuhält und in die sie einmal beißt, ist schwarz.

Vergewaltigung im Kurpark Bad Nauheim: Das Opfer mit dem Tod bedroht

Den Versuch ihrer Gegenwehr kämpft der Täter durch schmerzhafte Schläge auf ihren Rücken nieder, fordert sie - erst auf Deutsch, dann auf Englisch - auf, ruhig zu sein, weil er sie sonst töten werde (»I’ll kill you!«).

Abraham stürzt zu Boden, liegt dann auf dem Bauch und wird vom Angreifer brutal unter einen nahen Baum gezerrt. Ihre rundum verdreckte und nasse Kleidung mit zahlreichen Gras-Anhaftungen wird später von ihren Arbeitskolleginnen ebenso wie von der Fachärztin im Hochwaldkrankenhaus und den Ermittlungsbeamten registriert werden, genau wie die stark blutende Schürfwunde an ihrer Stirn.

Unter dem Baum versucht der Angreifer die 59-Jährige zu vergewaltigen. Der Versuch misslingt - ob, weil Eden Abraham ihn abzuschütteln versucht, es ihr zwischendurch doch gelingt, nach Hilfe zu rufen, oder als Folge seiner mangelnden Manneskraft, blieb vor Gericht offen.

Möglicherweise verliert das Opfer zuletzt kurzzeitig das Bewusstsein; als sie wieder zu sich kommt, ist der Angreifer jedenfalls verschwunden. Die Frau rappelt sich auf und schleppt sich zu ihrer Arbeitsstelle, wo ihre Kolleginnen aufgrund ihrer ungeordneten und schmutzigen Kleidung sowie ihres verstörten Zustands sofort registrieren, dass mehr geschehen sein müsse als ein Sturz auf glattem Schnee. Abrahams panische Rufe »Schwarzer Mann, schwarzer Mann!« sowie das Auftauchen des Angeklagten auf dem Aliceplatz führen dazu, dass die Eingangstür verschlossen wird - bis zum Eintreffen der Polizei.

Vergewaltigung im Kurpark Bad Nauheim: Erst Zeuge, jetzt Beschuldigter

Anthony Marquez (Name geändert), in Mittelhessen geborener farbiger US-Amerikaner, ist damals 19 Jahre alt und hat in der Samstagnacht mit Freunden in Bad Nauheim gefeiert, die ihn als ruhigen, offenen und kommunikativen Kumpel beschreiben. Nach 4 Uhr macht er sich auf den Weg zum Bahnhof, wo am Sonntagfrüh allerdings keine Züge nach Friedberg abfahren, so dass er sich zu Fuß auf den Weg macht.

Sein Mandant habe Hilferufe gehört und wenig später eine Person den parallel zur Parkstraße verlaufenden Fußweg Richtung Johannisberg wegrennen sehen. Er sei der Person gefolgt, in Höhe des Spielplatzes in eine Rangelei mit ihr verwickelt worden und dabei zu Boden gestürzt, erläuterte Verteidiger Jürgen Häller vor Gericht. Danach sei Marquez der Frau zu deren Arbeitsstelle gefolgt.

Die Ermittlungsbeamten behandelten ihn zunächst als Zeugen. Sie fanden seine Geschichte durch Spuren jedoch nur teilweise bestätigt, stattdessen aber auf seiner Jacke die Teil-DNA, die man als Täterspur beim Opfer gesichert hatte.

Ob Anthony Marquez ordnungsgemäß über seinen neuen Status als Beschuldigter belehrt worden ist, wird eine der Fragen sein, die am zweiten Verhandlungstag geklärt werden sollen.

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