Ersin Sarikaya am Steuer des Impftaxis freut sich, dass er die Seniorinnen und Senioren fahren darf. Er und seine 28 Kollegen sind bestens geschult, wissen fast alles und beruhigen die Fahrgäste.
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Ersin Sarikaya am Steuer des Impftaxis freut sich, dass er die Seniorinnen und Senioren fahren darf. Er und seine 28 Kollegen sind bestens geschult, wissen fast alles und beruhigen die Fahrgäste.

Taxi-Service

Win-Win-Situation in Bad Nauheim: Taxifahrer bringen Senioren zum Impfzentrum – Vertrag mit der Stadt

  • vonHanna von Prosch
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Statt Kneipenbesucher und Fluggäste befördern die Bad Nauheimer Taxifahrer jetzt Menschen über 80 Jahren zu den Covid-19-Impfzentren. Der Vertrag mit der Stadt bringt eine Win-Win-Situation.

Der Schutz der älteren Menschen stand für uns an oberster Stelle«, sagt Matthias Wieliki, Fachbereichsleiter der Stadt Bad Nauheim über die Kooperation der Stadt mit der Taxizentrale Bad Nauheim. Bei dieser Zusammenarbeit geht es darum, Menschen über 80 Jahre zu den Impfzentren zu fahren, damit sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen können. »Im Taxi sind sie sicherer vor Ansteckungen als wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren würden. Wenn die Barrieren gering sind, steigert sich auch die Bereitschaft zu einer Impfung.« Seit dem 20. Januar fanden rund 450 Fahrten nach Heuchelheim bei Gießen und nach Büdingen statt. Für die 29 Taxifahrer bedeutet das eine große finanzielle Hilfe in mageren Zeiten.

Senioren-Taxis in Bad Nauheim: Festpreis für Fahren zum Impfzentrum mit der Stadt vereinbart

45 Minuten vor dem Impftermin in Büdingen klingelt der Taxifahrer an der Tür. Die älteren Menschen warten oft schon draußen. Wer eine Begleitung braucht, hat sie mit der Taxibuchung über das Familienbüro gleich mit angefordert. Die Begleitung kümmert sich dann darum, dass zum Beispiel gehbehinderte Menschen mit Rollator oder Rollstuhl von der Wohnung zum Taxi kommen, und sie bleiben die ganze Zeit bei ihnen. Auch eine Begleitperson aus der Familie kann im Taxi mitfahren.

Die Stadt hat mit der Taxizentrale einen Festpreis vereinbart, der Fahrt- und Wartezeit am Impf-Ort einschließt. Die Höhe orientiert sich an der Städtischen Verordnung für Beförderungsentgelte. »Den Eigenanteil von zehn Euro pro Fahrt zahlen die Leute gerne. Einige sind großzügig und geben uns ein gutes Trinkgeld obendrauf«, sagt Ersin Sarikaya, Zweiter Vorsitzender der Taxizentrale. Seit sieben Jahren fährt er Taxi in Bad Nauheim. Während der beiden Lockdowns sind er und seine Kollegen an der Grenze des Existenzminimums angekommen. Rund 60 Prozent der Einnahmen brachen über Monate weg.

Daher ist er sehr dankbar für das Angebot der Stadt: »Wir Fahrer werden für die Impffahrten reihum eingeteilt, so dass jeder etwas davon hat. Im Januar waren es noch wenige Fahrten, im Februar wurde es schon besser, und im März sind wir ganz gut gebucht.« Mit dem ersten Impftermin wird gleich der zweite angegeben, so dass jetzt bereits bis Mai Fahrten eingetragen sind.

Vertrag mit der Stadt: Sowohl die Bad Nauheimer Taxifahrer als auch die Senioren sind dankbar

Das städtische Taxi-Angebot wird laut Fachbereichsleiter Wieliki auch für Menschen über 70 Jahren gelten. Die Stadt habe schon viel Lob für die freundlichen und professionellen Fahrer und etliche dankbare Briefe erhalten.

Ersin Sarikaya gibt das Lob zurück: »Die älteren Herrschaften sind sehr pünktlich und angenehm. Sie erzählen oft, wie schwierig es war, einen Impftermin zu bekommen, und wie gut doch die Absprachen mit dem Familienbüro geklappt hätten. Angst vor der Impfung hat bis jetzt niemand gezeigt. Alle sind froh, manche auch ein bisschen aufgeregt.« Zwischenfälle habe es bisher keine gegeben, auch keine Komplikationen bei der Rückfahrt.

Für diese Gelassenheit sorgen sowohl die Mitarbeiter im Familienbüro durch geduldige und sehr genaue Auskunft, als auch die Taxifahrer selbst. Die Zentrale hat sie nach den Vorgaben der Stadt geschult. »Keine Sorge, wir schaffen das in der Zeit. Und wenn es wegen des Verkehrs etwas später wird, bekommen Sie trotzdem die Spritze,« beruhigen sie die besorgten Fahrgäste. Sorgfältig achten sie darauf, dass jeder eine FFP-2-Maske trägt. Wer keine hat, bekommt eine im Taxi. Die Stadt stellt sie kostenlos zur Verfügung. Nach jeder Fahrt werden die Sitze und Griffe desinfiziert. Auch die Taxifahrer tragen Masken. Die Hygieneregeln sind für sie bei den wechselnden Fahrgästen sehr wichtig, denn auch sie sind gefährdet.

Impf-Taxis in Bad Nauheim: Senioren ab 70 Jahren zu Taxifahrt zum Impfzentrum berechtigt

Am Impfzentrum wartet das Taxi außerhalb des Geländes in Sichtweite, oder man bekommt eine Visitenkarte mit einer Telefonnummer, die man anruft, sobald man fertig ist. Dann fährt das Taxi vor. Ersin Sarikaya freut sich, wenn gerade ein anderer Kollege auch dort ist, weil Impftermine nahe beieinander liegen: »Dann ist es nicht so langweilig.«

Berechtigt zur Taxifahrt sind alle Seniorinnen und Senioren ab 70 Jahren, wenn sie in Bad Nauheim oder in den Stadtteilen wohnen. Das Impftaxi kann man montags, dienstags und donnerstags von 8 bis 16 Uhr, mittwochs von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr beim Familienbüro unter Tel. 0 60 32/34 35 74 anfordern. Die Mitarbeiter nehmen Name und Adresse des Impflings auf und fragen nach einer Begleitperson sowie nach Datum und Uhrzeit des ersten und des zweiten Impftermins und ob ein Rollator oder Rollstuhl transportiert werden soll. Dann erklären sie, wie es mit der Abholung funktioniert und was man an Unterlagen mitnehmen muss. Sie weisen auf das Tragen der FFP-2-Maske auch während der Fahrt und auf den Eigenanteil von zehn Euro hin, der beim Taxifahrer bezahlt wird. Die Begleitperson fährt kostenfrei mit. Die Familienbüro-Mitarbeiter erklären, dass das Taxi am Impf-Ort wartet, und was passiert, wenn das Taxi wetter- oder staubedingt früher fahren muss. Wenn jemand keine eigene Begleitperson hat und Hilfe benötigt, organisieren die Mitarbeiter im Familienbüro Unterstützung durch den Kneipp-Verein. Dieser setzt sich dann mit den Senioren direkt in Verbindung. Das Familienbüro gibt die Angaben an die Taxizentrale weiter, meldet den Termin an und bestätigt ihn. Sollte jemand die Fahrt absagen müssen, wendet er oder sie sich wieder an das Familienbüro. Nur bei kurzfristigen Absagen, zum Beispiel über das Wochenende, kann man die 5555 der Taxizentrale direkt anrufen. Das Familienbüro kümmert sich auch um die Impftermine, wenn man per Internet oder Telefon nicht weiterkommt. Bisher hat das Büro bereits 120 Impftermine vermittelt.

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