Mit digitalen Angeboten will Bad Nauheim einen besseren Service für die Bürger anbieten. Eine Smart-City-Studie bescheinigt der Kurstadt, auf dem richtigen Weg zu sein.
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Mit digitalen Angeboten will Bad Nauheim einen besseren Service für die Bürger anbieten. Eine Smart-City-Studie bescheinigt der Kurstadt, auf dem richtigen Weg zu sein.

Smart-City-Studie

Bad Nauheim spielt in neuem Ranking in einer Liga mit München und Hamburg

  • David Heßler
    VonDavid Heßler
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München, Hamburg, Köln - und Bad Nauheim. In Sachen Digitalisierung spielt die Kurstadt in einer Liga mit den Metropolen Deutschlands. Zumindest legt das eine aktuelle Smart-City-Studie der bayerischen Unternehmensberatung Haselhorst Associates nahe. Die gute Platzierung liegt vor allem an zwei Projekten.

Bad Nauheim – In Bad Nauheim kann man seinen Bewohnerparkausweis digital beantragen, im Stadtbus kostenlos surfen oder das Parkticket mit dem Handy bezahlen. Das ist komfortabel, geht aber auch in anderen Städten. Verantwortlich dafür, dass die Kurstadt in der Haselhorst-Studie im Vergleich mit 402 anderen Städten mit über 30 000 Einwohnern in Sachen Digitalisierung so gut dasteht, sind andere Dinge.

Die Unternehmensberatung Haselhorst Associates hat Bad Nauheim in ihrem aktuellen Ranking zum Digitalisierungsgrad der deutschen Städte auf den fünften Platz gesetzt. Hinter München, Hamburg, Köln und Darmstadt, aber weit vor Frankfurt oder Berlin. Bad Nauheim sei mit einem Digitalisierungsgrad von 38 Prozent ein echter »Hidden Champion«, urteilen die Autoren. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt haben sie 7254 Einzelbewertungen in zehn Digital-Kategorien (Tourismus, Wirtschaft und Handel, Strategie und Umsetzung, Infrastruktur, Mobilität, Energie und Umwelt, Gebäude und Quartiere, Gesundheit, Bildung und Verwaltung) verglichen. Für die Bewertung wurden aber auch online publizierte Aktivitäten der Kommunen herangezogen.

Eine intelligente (und nachhaltige) Stadtentwicklung sei demnach keineswegs eine Frage der Bevölkerungszahl. Das Beispiel Bad Nauheim zeige, dass auch mittelgroße Kommunen inzwischen in der Lage seien, das Thema Smart City trotz geringerer finanzieller und personeller Ressourcen vorantreiben zu können.

Bad Nauheim: Rathaus vom Erfolg im Smart-City-Ranking überrascht

Das ist Musik in den Ohren von Matthias Wieliki, Fachbereichsleiter Zentrale Steuerung und Öffentlichkeitsarbeit. Dass Bad Nauheim im Smart-City-Ranking so weit vorne steht, habe man im Rathaus durchaus überrascht, aber wohlwollend zur Kenntnis genommen. Der Erfolg komme nicht von ungefähr: »Wir haben in Bad Nauheim früh angefangen und nicht nur über ein digitales Rathaus nachgedacht«, erinnert Wieliki an die 2019 gestartete digitale Agenda. Diese ziele eben nicht nur darauf ab, klassische Verwaltungsdienstleistungen auch online anzubieten, wie es das Onlinezugangsgesetz bis 2022 vorsieht. Es gehe allgemein darum, mittels Digitalisierung die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Kurstadt zu verbessern. Auch Themen wie Wirtschaft, Mobilität oder Sicherheit seien daher mitbedacht, Ideen für die Zukunft formuliert, aber auch konkrete Projekte forciert worden.

Wieliki nennt etwa den Relaunch von badnauheimliebe.de als Online-Präsentationsplattform für die Einzelhändler. Ein nächstes Thema sei die vernetzte Sensorik. Senoren könnten beispielsweise die Menge der Fahrzeuge in der Innenstadt messen. Dann könnte man die Autofahrer warnen, dass keine Parkplätze mehr vorhanden sind und sie zu sogenannten Hubs lotsen, an denen sie auf E-Roller oder Lastenräder umsteigen, blickt Wieliki in die Zukunft. »Auch könnten Senoren die Lautstärke am Holzdeck im Kurpark messen und gegebenenfalls dem Sicherheitsdienst weiterleiten«, nennt er ein Beispiel für den Einsatz der Chips. Wie Wieliki sagt, sie hierzu bereits ein Konzept in der Mache; man hoffe auf Fördergelder.

Bad Nauheim: Studie lobt Digitalisierungs-Roadmap

Dass Bad Nauheim eine Digitalisierungs-Roadmap aufgestellt hat, loben die Macher der Haselhorst-Studie. Nicht viele deutsche Städte hätten das bisher getan. Was die Autoren noch von der Kurstadt überzeugt hat, ist das als Smart-City-Quartier angelegte Baugebiet Bad Nauheim Süd; mit dem intelligent gesteuerten Kalte-Nahwärme-Versorgungssystem, einem Funknetz für das »Internet der Dinge«, das in einem Mehrfamilien-Mietshaus realisiert wurde, und Glasfaseranschlüssen für alle Gebäude, die Smart-Home-Lösungen ermöglichen.

Stichwort Glasfaser: Noch ist längst nicht die ganze Stadt ans Breitband angeschlossen. Teile von Nieder-Mörlen etwa, wo höchstens VDSL über Kupferkabel angeboten wird, haben das Nachsehen in der angehenden Smart City. Immerhin: Laut Wieliki ist die Stadt in Gesprächen über eine flächendeckende Glasfaserversorgung - nicht nur mit den Bad Nauheimer Stadtwerken, sondern auch mit anderen Anbietern.

Übrigens: Um auch im Smart-City-Ranking des Branchenverbands BITKOM aufzutauchen, ist Bad Nauheim zu klein. Nur die 81 deutschen Städte über 100 000 Einwohner werden verglichen.

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