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Paukenschlag in Sachen Tiefgarage: Kosten steigen um mehrere Millionen Euro

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Von: Bernd Klühs

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Die Bauarbeiten an der Therme gehen dank des milden Winters mit Riesenschritten voran. Im Gegensatz zum Budget wird der Zeitplan wohl gehalten. Im September 2023 soll eingeweiht werden, das Badehaus 2 stößt ein Jahr später hinzu.
Die Bauarbeiten an der Therme gehen dank des milden Winters mit Riesenschritten voran. Im Gegensatz zum Budget wird der Zeitplan wohl gehalten. Im September 2023 soll eingeweiht werden, das Badehaus 2 stößt ein Jahr später hinzu. © Jürgen Wagner

Der Bau der Therme ist für die Stadt Bad Nauheim ein riesiges Prestigeprojekt. Nun kommt ans Licht: allein die Tiefgarage kostet viel mehr als geplant.

Bad Nauheim – Eines wird immer klarer: Die Zahlen, auf deren Grundlage sich Bad Nauheimer Politiker einst für den Therme-Neubau entschieden haben, waren unrealistisch. Nun folgt ein unterirdischer Paukenschlag.

Die Worte, mit denen Klaus Kreß am Dienstag den Tagesordnungspunkt »Sachstand Neubau Sprudelhof-Therme« eröffnete, ließen nichts Gutes erahnen. »Die Planung der Tiefgarage schreitet voran. Dabei sprechen wir von ganz anderen Zahlen«, kündigte der Bürgermeister dem Bauausschuss an.

Bad Nauheim (Wetteraukreis): Bau der Tiefgarage für die Therme kostet plötzlich 13,7 Millionen Euro

Dem Chef des Friedberger Architekturbüros BLFP, Andreas Schmitt, war es vorbehalten, die schlechten Nachrichten zu verkünden. War bei bisherigen Kostenschätzungen für die 194 Tiefgaragen-Plätze von 7 bis 8 Millionen Euro die Rede, werden es tatsächlich 13,7 Millionen Euro. Zumindest wenn die von BLFP und Therme-Betreiber Kannewischer favorisierte Variante realisiert wird. Es gibt zwar eine Alternative (180 Plätze für 12,2 Millionen Euro), gegen die Schmitt aber einige Argumente anführte.

Zum einen müssten bei der günstigeren Version aus Statik-Gründen deutlich mehr Stützpfeiler eingezogen werden. »Dadurch gehen Stellplätze verloren, die Benutzerfreundlichkeit leidet deutlich. Das wollen wir nicht«, betonte der Architekt. Ein weiteres gewichtiges Argument: Die Denkmalschutzbehörde könnte sich wohl nicht mit dieser Variante anfreunden, weil der Baukörper ein Stück aus der Erde herausragen würde.

Bad Nauheim (Wetteraukreis): „Tortenstück“ soll laut Plan wieder in den Kurpark integriert werden

BLFP hatte sich im Vorfeld der fast abgeschlossenen Planung in Frankfurt umgesehen. Als Vorbild für den Bad Nauheimer Entwurf diente letztlich die 2013 ausgezeichnete Tiefgarage am Goetheplatz. Schrägaufstellung der Autos, Einbahnstraßen, Leitsystem und wenige Stützelemente zählte der BLFP-Vertreter als Vorteile auf.

Weil die gesamte Garage unter der Erde verschwinde, ergäben sich zudem ganz andere überirdische Gestaltungsmöglichkeiten - quasi zurück zu den Anfängen. »Kurpark-Gründer Siesmayer hat die Grünanlage um den Sprudelhof herumgezogen. Dieser Teil des Parks ist allmählich verschwunden«, sagte Schmitt. Das terrassenförmige und begrünte »Tortenstück« über der Tiefgarage könne wieder in den Park integriert werden.

Diese Siesmayer-Renaissance werde vom Denkmalschutz eindeutig gewünscht. Alles unter der Erde verschwinden zu lassen und die aufwendige oberirdische Gestaltung kosten aber viel Geld. Eine technische Herausforderung sei es zudem, trotz eines starken Grundwasserleiters Schäden am Bauwerk zu verhindern. Schmitt: »Die ständige Schwankung des Grundwasserspiegels bereitet uns große Sorge. Dieses Wasser kriegen wir nicht weg.«

Bad Nauheim (Wetteraukreis): Bis zu 7 Millionen Euro Mehrausgaben für Tiefgarage unter Therme

6 bis 7 Millionen Euro Mehrausgaben für die Tiefgarage - diese Nachricht nahmen der Bürgermeister und die meisten Ausschussmitglieder gelassen auf. Kreß lässt sich von seiner Linie - ein Therme-Komplex mit herausragender Qualität - nicht abbringen. Das städtische Gesamtinvestitionsvolumen (Therme, Badehaus 2, Tiefgarage), einst auf 40 Millionen Euro geschätzt, wächst auf gut 60 Millionen netto an.

»Diese gigantische Summe möchte ich nicht kleinreden, trotzdem sollten wir nicht erschrecken«, sagte Kreß. Wichtiger als die Bau- seien ohnehin die Folgekosten. Und es räche sich letztlich, auf wichtige Faktoren zu verzichten. Der Bürgermeister nannte das Beispiel Rathaus-Neubau, bei dem aus Kostengründen auf die dringend notwendige Tiefgarage verzichtet worden sei.

Bad Nauheim (Wetteraukreis): Weitere finanzielle Risiken beim Bau der Therme

Der Einschätzung von Kreß wollte kaum jemand widersprechen - nur FW-Fraktionschef Markus Theis. Er warnt seit geraumer Zeit vor ständig steigenden Kosten für das Mammutprojekt. Ein Tiefgaragenplatz für fast 70 000 Euro - für ihn eine unvorstellbare Summe. Tatsächlich wurde in Bad Nauheim ein neuer Platz vor drei, vier Jahren noch für 20 000 Euro verkauft. Allerdings lassen sich in einer öffentlichen Tiefgarage weit höhere Einnahmen erzielen.

Nach Ansicht von Theis ist die Grenze der finanziellen Belastbarkeit der Stadt durch das Therme-Projekt langsam erreicht. »Die Verschuldung steigt um weitere 6 Millionen Euro, was 10 Prozent entspricht. Eine Verpflichtungsermächtigung im Etat für diese Summe gibt es nicht.«

Zudem sieht er beim Thermalbad selbst weitere finanzielle Risiken. Theis spielte damit auf die Aussage von Matthias Mroncz (Fachdienstleiter Stadtplanung) an, wonach die Metallbau-Ausschreibung aufgehoben werden muss. Grund: Es habe nur ein völlig überzogenes Angebot gegeben. Mroncz will versuchen, in Verhandlungen mit Firmen ein vertretbares Ergebnis zu erzielen. (Bernd Klühs)

Das neue Thermalbad in Bad Nauheim soll keine plumpe Jugendstil-Kopie werden.

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