In der Frankfurter Landstraße wird nach wie vor schnell gefahren. Daran ändert auch der neue Fußweg samt Stellplätzen und Radfahrschutzstreifen noch nichts.
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In der Frankfurter Landstraße wird nach wie vor schnell gefahren. Daran ändert auch der neue Fußweg samt Stellplätzen und Radfahrschutzstreifen noch nichts.

Verkehrsregelungen

Bad Nauheim: Mehr Radverkehr Ziel Nummer eins

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Die Bad Nauheimer Politik hat viel über den motorisierten Verkehr gestritten. Trotzdem wird mehr für Radfahrer getan - was nicht jedem Bürger schmeckt.

Die Frankfurter Landstraße wandelt sich. Bis vor Kurzem hatte diese Verkehrsader am südlichen Rand Bad Nauheims eher den Charakter einer Schnellstraße, entsprechend zügig wird dort gefahren. Das passt den Verantwortlichen im Rathaus nicht, als symbolischen Akt haben sie das Ortsschild ein ganzes Stück in Richtung Friedberg verlegen lassen, es ist jetzt in Höhe des Autohauses Dill (zwischen Feldbergstraße und In der Hub) zu finden. Jürgen Patscha, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, verdeutlicht, was damit dokumentiert wird: »Die Frankfurter Landstraße ist eine Stadtstraße.«

Was hat das mit dem Radverkehr zu tun? Sehr viel, meint Patscha. Denn das Radfahren soll gefördert werden. Das sei Hauptziel des Mitte 2015 einstimmig verabschiedeten Verkehrsentwicklungsplans. Vom Optimalzustand sei Bad Nauheim ein ganzes Stück entfernt. »Radverkehr macht nur einen Anteil von sechs Prozent am Gesamtverkehrsaufkommen aus. Das sind zehn Prozent zu wenig.« In der Frankfurter Landstraße wurde zuletzt einiges getan, um mit der Verkehrswende voranzukommen. Patscha nennt Ausbau und Erweiterung des kombinierten Fuß- und Radwegs auf der Jet-Tankstellen-Seite und den neuen Radfahrschutzstreifen auf der Bahn-Seite.

Kurz vor Tankstelle absteigen

Allerdings sind diese Neuerungen etwas verwirrend. Nicht sofort zu erkennen ist, dass der kombinierte Fuß- und Radweg in beide Fahrtrichtungen benutzt werden darf. Wer aus Richtung Schwalheimer Straße kommt, muss kurz vor der Jet-Tankstelle allerdings absteigen und über die Querungshilfe zum Schutzstreifen auf der anderen Straßenseite wechseln. Warum gibt es überhaupt den Fuß- und Radweg sowie zusätzlich den Schutzstreifen? Patscha erklärt das so: Wer von der Schwalheimer Straße kommt und in die Innenstadt will, soll den kombinierten Weg benutzen. Fahrradfahrer aus Friedberg sollen dagegen auf dem Schutzstreifen unterwegs sein, der über Frankfurter Landstraße und Frankfurter Straße bis nach Nieder-Mörlen verläuft. Diese Regelung ist für Ortsunkundige schwer nachzuvollziehen.

Deutliche Kritik an Neuerungen

Einiges getan hat sich auch hinter der Einmündung Schwalheimer Straße in Richtung Friedberg. Auf der Bahnseite wurden neue Gewerbegrundstücke ausgewiesen. Vor dieser Fläche wurden ein Fußweg, mehrere Stellplätze und ein Radfahrschutzstreifen angelegt. Laut Patscha dient diese Neugestaltung, die mit einer Straßenverengung einhergeht, auch dem Ziel, den motorisierten Verkehr zu bremsen. Ein Konflikt zwischen Auto- und Radfahrern sieht er nicht. »E-Bikes sorgen dafür, dass Pkw und Räder in der Stadt fast gleich schnell unterwegs sind und sich wenig stören. Gefährlich wird es eher auf kombinierten Fuß- und Radwegen.« Deshalb ist der Fachbereichsleiter ein Fan der Schutzstreifen, die zudem mit geringem finanziellen Aufwand zu realisieren sind.

Er hält ein Umdenken für notwendig. Der Komfort für Autofahrer werde etwas geschmälert, um Rad fahren attraktiver zu machen. »An Einbahnstraßen, die von Radfahrern gegen die Fahrtrichtung genutzt werden können, oder an Schutzstreifen müssen sich alle erst mal gewöhnen. Das dauert einige Zeit«, betont Patscha. Das scheint tatsächlich der Fall zu sein. So meldet sich Wolfgang Klötzer (Am Promenadenweg) zu Wort. Die zwei Angebote für Radfahrer entlang der Frankfurter Landstraße hält er für Geldverschwendung, zumal dort ohnehin nicht viele Radler unterwegs seien. »Auf dem wunderschön ausgebauten Fuß- und Radweg geht die Fluktuation von Radfahrern und Fußgängern gegen null«, schreibt Klötzer. Trotz aller Veränderungen werde auf der Frankfurter Straße aber schnell gefahren, was auf der verengten Fahrbahn zur Gefährdung von Radfahrern auf dem Schutzstreifen führe. Die Gesamtsituation wertet Klötzer als »Skandal«.

Ex-CDU-Stadtverordneter Christian Trutwig kritisiert die Veränderungen vor den neuen Gewerbegrundstücken. Seiner Aussage nach ist in den Gremien der Bau eines Fuß- und Radwegs beschlossen worden. Von Schutzstreifen und Parkplätzen sei keine Rede gewesen. Diesen Angaben widerspricht Fachbereichsleiter Patscha eindeutig: »Was gebaut wurde, ist auch so beschlossen worden. Nur Herr Trutwig hat das falsch verstanden.«

Der Verkehrsentwicklungsplan

Vor knapp sechs Jahren haben die Stadtverordneten den Verkehrsentwicklungsplan für Bad Nauheim verabschiedet. Oberste Priorität soll die Radverkehrförderung haben. Dessen Anteil am Gesamtverkehr deutlich zu steigern, ist bisher aber nicht gelungen. Um das Radfahren attraktiv zu machen, setzt die Stadt auf Schutzstreifen auf Fahrbahnen.

Das Radkonzept ist Teil der geplanten Verkehrswende, mit der die Innenstadt lebenswerter werden soll. Gleichzeitig will die Politik etwas für den Klimaschutz tun. Gestritten wird vor allem ums Parken in der Innenstadt. Das soll zurückgedrängt werden durch mehr Bewohnerparken und das Umleiten von Pendler- und Besucherströmen auf die Großparkplätze am City-Rand.

Eine wichtige Rolle spielt auch der Nahverkehr. Die Stadtwerke planen die Umrüstung der Stadtbusflotte auf E-Antrieb. Von den Großparkplätzen sollen Autofahrer mit kleinen E-Bussen in die Innenstadt gelangen.

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