In der Frankfurter Straße 7-9 wird der Lidl-Markt nicht mehr lange zu finden sein. Die Kunden des Konzerns werden bald in der neuen Filiale auf dem Stoll-Gelände einkaufen gehen.	FOTOS: NICI MERZ
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In der Frankfurter Straße 7-9 wird der Lidl-Markt nicht mehr lange zu finden sein. Die Kunden des Konzerns werden bald in der neuen Filiale auf dem Stoll-Gelände einkaufen gehen. FOTOS: NICI MERZ

Stoll-Gelände

Bad Nauheim: Lidl zieht um und ermöglicht Wohnungsbau

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Das Konzept für das Fachmarktzentrum auf dem Bad Nauheimer Stoll-Gelände wurde mehrfach geändert. Jetzt, da das Gebäude bald fertig wird, kommt es wieder zu einer Neuerung.

Bad Nauheim – Die Diskussion über die Pläne für das seit Jahrzehnten brachliegende Stoll-Gelände an der Schwalheimer Straße wurde in der Vergangenheit emotional geführt. Zahlreiche Bad Nauheimer wandten sich gegen die Überlegungen, auf dem 2,4 Hektar großen Grundstück ein Fachmarktzentrum zu errichten. Der Widerstand mündete in einem Bürgerentscheid, bei dem Ende 2012 nur wenige Stimmen fehlten, um das Projekt zu Fall zu bringen.

Danach gingen acht Jahre ins Land, ehe es auf dem Stoll-Gelände zum Baubeginn kam. Im April soll das Bauwerk der Werner-Gruppe aus Fulda eingeweiht werden - doch nicht mehr in der zuletzt bekannten Form. Nach Angaben von Bürgermeister Klaus Kreß verliefen die Verhandlungen mit potenziellen Betreibern für den geplanten Küchenfachmarkt ergebnislos.

Bad Nauheim: Lidl zieht neben Tegut

»Bei der Suche wurden alle Register gezogen, doch Corona hat die Situation nicht gerade erleichtert«, sagte der Bad Nauheimer Rathauschef. Um die gesamte Fläche des Neubaus zu nutzen, wird neben dem Tegut-Markt eine Lidl-Filiale einziehen. Wie sich bei der Sitzung des Kernstadt-Ortsbeirats am Mittwoch zeigte, wird diese Neuorientierung von der Politik begrüßt. Der Beschluss zur Einleitung des Änderungsverfahrens für den Bebauungsplans »Schwalheimer Straße« wurde einstimmig gefasst.

Wie Kreß in der Sitzung erklärte, sei Lidl im Dezember auf die Stadt zugekommen. Mit seinem bisherigen Standort in der Frankfurter Straße sei der Konzern nicht ganz glücklich. Vorschlagen worden sei deshalb ein Umzug auf das Stoll-Gelände. Nach den Worten des Bürgermeisters wird dieser Lidl-Wunsch vom Bauherr Werner und Tegut begrüßt. Auch die Stadt könne mit dem neuen Konzept für das Fachmarkt-Gebäude gut leben. »Es ist eine positive Entwicklung, denn am jetzigen Lidl-Standort in der Frankfurter Straße können Wohnungen entstehen.«

Bad Nauheim: Wohnungsbau in Frankfurter Straße

Wie Jürgen Patscha, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung, erläuterte, sei nur ein Umzug genehmigungsfähig. Einem zusätzlichen Lebensmittelmarkt in Bad Nauheim hätten Planungsverband und Regierungspräsidium nicht zugestimmt. Die Lidl-Filiale werde vergrößert: von 1200 auf 1450 Quadratmeter Verkaufsfläche. Laut Patscha sollen in der Frankfurter Straße Mietwohnungen entstehen.

Wer dort als Bauherr auftreten wird, ist noch offen. Das Grundstück gehört Kreß zufolge dem Lidl-Konzern. Im Gespräch mit der WZ hatte der Bürgermeister im Vorfeld der Ortsbeiratssitzung die Möglichkeit angesprochen, dass die Werner-Gruppe die Mietwohnungen errichtet. In der Sitzung wurde angeregt, einen Kauf des Geländes durch die Stadt anzustreben. »Wenn ein Investor baut, wird kein bezahlbarer Wohnraum entstehen. Günstigen Wohnraum können wir nur selbst schaffen«, sagte Steffen Mörler (CDU).

Bad Nauheim: Ortsbeirat begrüßt neues Konzept

Kreß und Patscha sagten zu, in den weiteren Verhandlungen mit Lidl über einen Erwerb des Grundstücks durch die Stadt zu sprechen. Ob dort bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann, hängt auch von der Lösung der Stellplatz-Frage ab. Muss eine Tiefgarage gebaut werden, sind niedrige Mieten kaum zu verwirklichen.

Ein Lidl-Markt wird sicher mehr Kunden anziehen als der ursprünglich vorgesehene Küchenmarkt. Dieses Thema spielte in der Diskussion ebenfalls eine Rolle. Nach Ansicht von Petra Michel (FDP) wird die Zahl von 180 Stellplätzen für zwei Märkte möglicherweise nicht ausreichen. Dieser Ansicht widersprach Fachbereichsleiter Patscha: Tegut und Lidl hielten den Parkraum für ausreichend.

Wenn das Fachmarktgebäude eröffnet wird, muss nach Auffassung von Steffen Mörler und Steffen Tüscher (FW/UWG) dringend über die Verkehrsbelastung der Schwalheimer Straße gesprochen werden. »Auf die Bewohner des Grießbrei-Viertels werden richtige Probleme zukommen«, betonte Tüscher. Schon heute sei es in Hauptverkehrszeiten kaum möglich, aus diesem Wohngebiet mit dem Auto auf die Schwalheimer Straße zu gelangen. Dafür sei die Verkehrsdichte einfach zu groß.

Unter dem Strich wurde die vorgesehene B-Plan-Änderung von allen Mitgliedern des Ortsbeirats begrüßt. Von einer »super Lösung«, einer »fantastischen Änderung« und einer »glücklichen Fügung« war die Rede. Ein Küchenfachmarkt, so die einhellige Meinung, sei ohnehin nicht erwünscht gewesen, die neue Variante mit Tegut und Lidl die deutlich bessere Lösung.

Stoll-Gelände in Bad Nauheim: Von Ursprungskonzept nichts übrig

2011 stellte die Firma GEDO das erste Konzept für das Fachmarktzentrum auf dem Stoll-Gelände vor. Das Modell sah vier Gebäude vor, die von Rewe, Media-Markt, einem Sportartikel-Anbieter und Mc Donalds bezogen werden sollten. Heute ist von diesem Ursprungskonzept nichts mehr übrig. Unter Investor Werner, der GEDO nachgefolgt ist, wird nur noch ein Gebäude errichtet. Neben Tegut, Café und Fitness-Studio sollte eigentlich ein Küchenfachmarkt einziehen.

Doch auch diese Pläne scheiterten. Der vorgesehene Betreiber Sommerlad sagte im Juli 2019 ab. Ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden, deshalb wird die Verkaufsfläche jetzt von Lidl übernommen. Die Werner-Gruppe hatte im Sommer vergangenen Jahres mit dem Bau begonnen, im April 2021 soll Einweihung gefeiert werden.

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