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Über einer Durchgangstür hängt noch das Schild des Vorgängerkinos »Fantasia«. Giovanni Speranza richtet in der Kurstraße in Bad Nauheim die »FilmBühne« ein. Aktuell wird das Foyer auf Vordermann gebracht. Wann das Kino eröffnet, steht allerdings noch nicht fest.

Streit mit Vermieterin

Anwälte sind eingeschaltet: Kino-Start in Bad Nauheim verschoben

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Wann öffnet das neue Kino in Bad Nauheim? Giovanni Speranza weiß das auch nicht. Die Vermieter haben ihm vertraglich den Bau einer Lüftungsanlage zugesichert. Doch die Anlage fehlt noch.

Bad Nauheim – Das Kino in Bad Nauheim war schon vor seiner Schließung im Jahr 2018 ein Kleinod. Es gibt nur einen Saal, der aber verströmt viel Atmosphäre und Gemütlichkeit. Seit der Bad Nauheimer Werbefachmann Giovanni Speranza das Haus 2018 übernommen hat, ist einiges passiert. Sitzreihen wurden entfernt, um den Gästen noch mehr Beinfreiheit zu geben. Jetzt gibt es hier 104 Sitzplätze, davor stehen Tischchen mit dimmbaren Lampen, um Getränke abzustellen. Die Kinotechnik ist auf dem neuesten Stand, die Bühne wurde vergrößert, sodass in der »FilmBühne« auch andere Kulturevents möglich sind.

Im Moment wird das Foyer komplett umgestaltet. Alles soll neu und freundlich wirken, und wenn man den Kinosaal betritt, möchte man sich am liebsten in einen der Sessel fallen lassen und sofort einen Film anschauen. Aber das geht nicht. Weil die Lüftungsanlage im Kino fehlt.

Wann öffnet das Kino in Bad Nauheim: Ständig wird er darauf angesprochen

Giovanni Speranza ist Unternehmer, Werbefachmann und Dozent für Rhetorik. Als Präsentationstrainer hilft er anderen Menschen, damit diese ihr Lampenfieber in den Griff bekommen. Fragt man ihn, warum das Kino immer noch nicht eröffnet wurde, möchte er am liebsten gar nicht viel sagen. Doch kaum öffnet er morgens in der Parkstraße 4 seine Pasta-Manufaktur »Ciao Nonna« (auf Deutsch: »Hallo Oma!«, ein persönlicher Gruß an eine grandiose Nudelköchin), wird er aufs Kino angesprochen. Anwälte sind mit der Sache beschäftigt. »Fakt ist, dass die Lüftungsanlage noch fehlt. Die Lüftung wurde mir von der Vermieterin vertraglich zugesichert, der Vertrag wurde von ihrer Anwältin aufgesetzt.« Aber leider nicht umgesetzt. Warum? Speranza hat keine Antwort.

Kino in Bad Nauheim: Vermieterin blockt die Anfrage ab

Die WZ hat bei der Vermieterin nachgefragt, bekam aber ebenfalls keine zufriedenstellende Auskunft. Die Dame war am Telefon sehr kurz angebunden, schob die Schuld auf Speranza, sagte »Guten Tag!« und legte den Hörer auf.

Für Kino-Fans mag das eine unbefriedigende Situation sein. Für Speranza geht es um seine Existenz. Er hat bereits 100 000 Euro ins Kino investiert. Im vergangenen Jahr sagte ihm die Hessische Filmförderung einen Zuschuss von 140 000 Euro zu - die höchste Summe, welche die HessenFilm und Medien GmbH im diesjährigen Kino-Investitionsprogramm eingeplant hat.

In der »FilmBühne« gibt’s noch viel zu tun. Die Decken im Foyer sind noch offen. Dort könnten Lüftungsrohre verlaufen.

Die Jury war offenbar vom Konzept des Bad Nauheimer Kinomachers überzeugt. Speranza will auf der Leinwand keine Blockbuster mit Werbung zeigen, sondern künstlerisch wertvolle Filme. Für die Filmauswahl hat er Doron Wisotzky ins Boot geholt. Der in Bad Nauheim aufgewachsene »Shootingstar unter den Drehbuchautoren« (»Süddeutsche Zeitung«) leitet die Drehbuchabteilung der Filmhochschule München und hat mit Drehbüchern zu Filmen wie Matthias Schweighöfers »Schlussmacher« viele Preise eingeheimst. Wisotzky soll für ein hochwertiges Kino-Programm sorgen.

Kino in Bad Nauheim hätte vor einem Jahr eröffnen sollen

Eine ambitioniertes Projekt also, das aber durch eine schnöde Lüftungsanlage ausgebremst wird. Die Anlage ist für den Betrieb des Kinos unabdingbar. Aber Speranza hat noch nicht einmal einen Bauzeitenplan, weiß auch nicht, ob überhaupt schon ein Auftrag an Handwerker vergeben wurde. »Bei mir hat sich niemand gemeldet.«

Im Oktober sollte das Kino ursprünglich eröffnet werden - im Oktober 2020 wohlgemerkt. Der italienische Name »Speranza« heißt »Hoffnung«. Die hat der verhinderte Kinomacher noch lange nicht aufgegeben, auch wenn er sich nicht erklären kann, warum eine vertaglich zugesicherte Leistung nicht schon längst erfüllt wurde.

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