In diesem Garten in der Rittershausstraße möchte Rafael Jantos ein Mehrfamilienhaus mit 15 bis 20 kleinen Wohneinheiten errichten. Seine Zusage an die Politik: Die Quadratmeter-Miete wird zehn Jahre lang 9,50 Euro betragen.
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In diesem Garten in der Rittershausstraße möchte Rafael Jantos ein Mehrfamilienhaus mit 15 bis 20 kleinen Wohneinheiten errichten. Seine Zusage an die Politik: Die Quadratmeter-Miete wird zehn Jahre lang 9,50 Euro betragen.

„Sichere Quadratmeter-Kaltmiete von 9,50 Euro zu“

Investor macht Bad Nauheim ein Überraschungsangebot zu bezahlbarem Wohnen

  • Bernd Klühs
    VonBernd Klühs
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Bezahlbarer Wohnraum ist in Bad Nauheim ein Dauerthema. Ein Investor prescht jetzt mit einem Überraschungsangebot vor, ehe er womöglich zwangsweise zur Kasse gebeten wird.

Bad Nauheim – Als Investor, Bau und Makler mit einigen Projekten in Bad Nauheim dürfte Rafael Jantos vielen Bürgern bekannt sein. Nicht allen kann und will er es recht machen - das gilt zum Beispiel für seine Pläne auf dem Dingeldein-Gelände in Schwalheim (siehe auch Infobox). Nun wartet der Unternehmer mit einem überraschenden Vorschlag auf, um den Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu lindern: Mitten in der City möchte er ein Mehrfamilienhaus für Leute mit mittlerem Einkommen errichten. »Ich sichere eine Quadratmeter-Kaltmiete von 9,50 Euro zu, die für zehn Jahre gilt«, lautet die Offerte.

Jantos sagt es nicht explizit, aber der Zuhörer spürt: Als privater Bauherr, der gerne in Bad Nauheim investiert, fühlt er sich ein wenig in die Buhmann-Rolle gedrängt. Verantwortlich dafür macht er Politiker, »die viel über bezahlbaren Wohnraum reden, aber wenig tun«. Mit seinem Vorschlag möchte der Unternehmer die Kenia-Koalition auf die Probe stellen. Es gehe um bezahlbaren Wohnraum und Verdichtung, die von der Politik ebenfalls gefordert werde. Jantos: »Einverstanden. Es macht mehr Sinn, Grundstücke stärker auszunutzen, als auf der grünen Wiese zu bauen.«

Bad Nauheim: Vier bis fünf Etagen für Neubau geplant

In diese Richtung zielt sein Vorschlag. 2019 hat Jantos ein Mehrfamilienhaus in der Rittershausstraße erworben, das früher unter anderem als Flüchtlingsunterkunft diente. An der Straße steht das Mietshaus. Dahinter gibt es einen 700 Quadratmeter großen Garten. Dort würde Jantos in zweiter Reihe bauen, so wie es auf anderen Parzellen in der Nähe bereits passiert sei. »Ich könnte mich der Umgebung anpassen, vier bis fünf Stockwerke wären möglich. Entstehen würden 15 bis 20 kleinere Einheiten mit bis zu 50 Quadratmeter in bester Lage.«

Der Investor ist gespannt, ob Politik und Verwaltung Flexibilität bei der Planung zeigen. Das gilt etwa für Stellplätze und Barrierefreiheit. »Eine große Tiefgarage und ein Aufzug sind nicht möglich, wenn ein fester Mietpreis von 9,50 Euro über zehn Jahre garantiert werden soll«, erläutert Jantos. Apropos Stellplätze: Sei ein Auto in dieser Lage überhaupt notwendig? Jantos: »Jedem Erstmieter schenke ich zum Einzug ein E-Bike.«

Der Investor wartet jetzt auf Reaktionen aus der Politik. Er transportiert seinen Vorschlag nur über die WZ an die Öffentlichkeit. Für Gespräche mit Parteien und Verwaltung stehe er aber jederzeit bereit.

Bad Nauheim: Investor baut auch 15 Wohnungen in Nieder-Mörlen

In Nieder-Mörlen fällt bald der Startschuss für ein anderes Projekt des Investors, über das er drei Jahre lang mit der Stadt verhandelt hatte. Auf dem fast 2200 Quadratmeter großen Grundstück In den Nußgärten 4-6, direkt an der Friedhofsmauer, werden drei Mehrfamilienhäuser mit 15 Wohnungen entstehen. »Ursprünglich hatte ich je vier Stockwerke geplant, jetzt werden es zwei plus Staffelgeschoss«, erklärt Jantos. Dieser Diskussionspunkt war aber nicht der Hauptgrund für die Verzögerung der Baugenehmigung, die seit drei Wochen vorliegt. Vielmehr hatte sich der Fachbereich Stadtentwicklung unter dem ehemaligen Leiter Jürgen Patscha auf den Bebauungsplan »Steinernes Kreuz« von 1972 berufen.

Darin war laut Jantos ein Fußweg entlang der östlichen Friedhofsmauer vorgesehen, der nie realisiert wurde. Trotzdem kam aus dem Rathaus zunächst der Bescheid, der Bauherr müsse einen Abstand von zwölf Metern zur Mauer halten. Der Bau von Mehrfamilienhäusern wäre damit unmöglich gewesen. »Wir haben uns letztlich gütlich geeinigt«, sagt Jantos.

„Ruhige Nachbarn“ im Westen von Bad Nauheimer Wohnungen

Das alte Wohnhaus aus den 1950er Jahren hatte der Investor bereits vor zwei Jahren abgerissen. Mit dem Bau beginnen möchte er im Frühjahr 2022, 18 Monate später soll alles bezugsfertig sein. Es entstehen zwölf 100-Quadratmeter-Eigentumswohnungen, drei größere Penthäuser und eine Tiefgarage mit 24 Stellplätzen.

Mit dem Vertrieb wird Ende dieses Jahres begonnen, zwei Reservierungen liegen bereits vor. Ein nicht ganz ernst gemeintes Argument, das für den Kauf einer Wohnung spricht, hat Jantos der WZ schmunzelnd verraten: »Dort gibt es sehr ruhige Nachbarn.« Genauer gesagt im Westen, wo der Friedhof liegt. Mit bezahlbarem Wohnen hat dieses Projekt übrigens nichts zu tun. Der Quadratmeter-Preis dürfte bei 5000 Euro liegen.

Bad Nauheim: Streit um Dingeldein-Projekt in Schwalheim

Aktuelles Bauprojekt von Rafael Jantos ist die Dingeldein-Industriebrache in Schwalheim. Dort werden für 12,5 Millionen Euro vier Gebäude mit 28 Eigentumswohnungen entstehen. Über dieses Vorhaben war im Parlament ein politischer Streit entbrannt. Stadtverwaltung und Jantos hatten sich darauf geeinigt, das Projekt auf Grundlage des Paragrafen 34 Baugesetzbuch (BauGB) genehmigen zu lassen.

Dagegen wandten sich der Ortsbeirat und die Kenia-Koalition in der Stadtverordnetenversammlung. Beide forderten einen Bebauungsplan, ein Teil der Nutzfläche sollte für Sozialwohnungen bereitgestellt werden. Doch die Koalition kam zu spät: Ihr fehlte die Zwei-Drittel-Mehrheit, um das Thema vor der Sommerpause auf die Tagesordnung zu setzen, nach den Ferien hatte das Kreisbauamt die Genehmigung bereits erteilt. Der Fall wird vermutlich politische Folgen haben. Denn künftig soll der Bauausschuss auch bei allen größeren Bauvorhaben mitreden können, die nach Paragraf 34 BauGB geplant werden.

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