Bad Nauheim Microbox Stephan Welp Corona Homeoffice
+
Die Büros sind weitgehend leer, aber der Betrieb läuft reibungslos weiter - mit Abstand und Hygieneregeln. Manchmal sogar besser und effizienter. Homeoffice im Lockdown wird, wie Stephan Welp zeigt, bei Microbox erfolgreich praktiziert.

Leere Büros

Homeoffice wegen Corona: „Überrascht, wie gut es geht“

  • VonHanna von Prosch
    schließen

Wie läuft das mit dem Homeoffice? Welche Erfahrungen werden gemacht? Die WZ hat bei zwei Unternehmen in Bad Nauheim und der Stadtverwaltung nachgefragt.

Bad Nauheim - Wie verlassen liegen die Großraum- und Einzelbüros in den sonst so belebten Gebäuden, keine Geschäftigkeit auf den Gängen, keine lauten Zurufe. Denn gearbeitet wird von zu Hause aus. Die Fäden laufen bei den Geschäftsführern und Abteilungsleitern zusammen, die im Büro präsent sind. »Wir müssen Schriftstücke und Arbeitsverträge unterzeichnen, Ausschreibungen sichten und auch mal kopieren«, sagt Thomas Gries, Geschäftsführer der Bad Nauheimer Körber Supply Chain Software GmbH, einem IT-Unternehmen mit 230 Beschäftigten.

An Spitzentagen waren dort schon vor der Pandemie 50 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice. Als der erste Lockdown im März 2020 kam, startete die Firma einen Belastungstest für alle, optimierte die Serverleistungen und baute leistungsfähige Konferenzmodule auf. »Wir sind überrascht, wie gut es geht. Also können wir unsere Raum- und Arbeitskonzepte noch flexibler gestalten«, sagt Gries. Der damit geringer werdende Platzbedarf im Firmengebäude kommt ihm entgegen: »Wir sind eine stark wachsende Unternehmensgruppe und blicken somit entspannt auf die nächsten zehn Jahre.«

Unternehmen in Bad Nauheim: Schulungen für Führungskräfte im Homeoffice

Platzmangel herrschte vor der Pandemie in den Räumen der Stadtverwaltung Bad Nauheim, weshalb bereits tageweise Homeoffice nötig war. Mit Beginn der Pandemie bereitete sich die Verwaltung dann auf Homeoffice für alle Beschäftigten im Bürobereich vor. »Wir haben es zum Beispiel in kürzester Zeit geschafft, Rechnungsvorgänge zu digitalisieren, inzwischen so, dass sie auch revisionssicher sind«, berichtet Fachbereichsleiter Matthias Wieliki. Die Zusammenarbeit mit den Assistentinnen in den Vorzimmern funktioniere gut mit Chat, Video und Telefon.

»Führen auf Distanz« heißt eine weitere aus der Not geborene Errungenschaft: Führungskräfte und Ausbilder erhielten Schulungen, wie sie digital anleiten, Arbeitsaufträge kontrollieren, vor allem aber den persönlichen Kontakt halten können. »Die Umstellung war für uns alle eine große Herausforderung. Kleine technische Probleme gibt es zwar immer wieder. Die sind aber schnell behoben. Wir haben schließlich eine Fürsorgepflicht, und ohne Kontakte ist das Gefahrenpotenzial geringer«, sagt Wieliki und betont die Dankbarkeit der Beschäftigten. »Wenn jemand im harten Lockdown mit Kindern und Arbeit nicht zurechtkommt, dann finden wir Lösungen, zum Beispiel durch Freistellung oder Gleitzeitabbau.« Digitalisierungsschub und Homeoffice wolle die Stadt dauerhaft nutzen. Das steigere auch die Arbeitgeber-Attraktivität.

Unternehmen in Bad Nauheim empfindet Meetings im Homeoffice disziplinierter

So sieht es auch Stephan Welp, Chef von 65 Mitarbeitern bei Microbox. Etwa 15 Personen können in dem weltweit agierenden Entwicklungs- und Produktionsunternehmen für Geräte zur Kulturgut-Archivierung von zu Hause aus arbeiten. Wer aktuell in der Produktion sein muss, hält sich streng an die Hygienemaßnahmen und trägt die vom Arbeitgeber bezahlten FFP2-Masken. Welp schätzt vor allem, dass durch die Digitalisierung alles schneller und einfacher gehe: »Die Meetings sind disziplinierter. Die großen Geräte können sogar besser vorgeführt werden. Die Konferenzen ersetzen aufwendige Reisen, auch wenn zur Vertrauensbildung einige davon später wieder stattfinden werden.«

Einig sind sich alle befragten Arbeitgeber in Bad Nauheim darin, dass durch die Arbeit im Homeoffice die persönlichen Kontakte litten, man sich isolierter fühle, Probleme nicht so schnell »über den Gang« lösbar seien. Die menschliche Komponente dürfe keinesfalls auf Dauer leiden. Und Rainer Schwarz, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Gießen-Friedberg, versichert: »Die Unternehmen haben alle Auflagen vorbildlich umgesetzt. Wenn jetzt mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Büro arbeiten als im ersten Lockdown, bedeutet das keinen geringeren Schutz vor Infektionen.« (Hanna von Prosch)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare