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Vor dem eigentlichen Unterricht müssen auch die Grundschüler an der Stadtschule einen Corona-Selbsttest machen. Mitarbeiter der Kerkhoff-Klinik, unterstützen die Schüler dabei.

Testpflicht in den Schulen

Bad Nauheim: Erfahrung mit den Corona-Selbsttests an der Stadtschule

Die Ferien sind vorbei, in vielen Schulen findet wieder Wechselunterricht statt. Für die Präsenztage gilt seit Montag eine Testpflicht - so auch für die Grundschüler der Bad Nauheimer Stadtschule.

Wie bekomme ich die Packung auf? Wie führe ich das Stäbchen richtig in die Nase?„ Solche Fragen stellen sich jetzt auch die Grundschüler der Stadtschule an der Wilhelmskirche in Bad Nauheim. Seit Montag gilt eine Testpflicht an den Schulen. Schüler und Lehrer müssen zweimal pro Woche auf Corona getestet werden. Die Tests finden zu Beginn der ersten Stunde im Klassenzimmer statt.

Damit alles funktioniert, wurde vorab in einem Informationsschreiben an die Eltern ein Link zu einem Video mitgeschickt. In diesem werde gezeigt, wie die Tests ablaufen, sagt Schulleiterin Margit Boas. Zudem habe die Schule empfohlen, dass die Kinder zu Hause einen Probedurchlauf mit einem Wattestäbchen machen. In der Schule können die Lehrer zwar Tipps geben, doch die Schüler müssen sich selbst testen.

“Testpaten„ für Grundschüler

Für die ersten Tests waren zur Unterstützung an der Stadtschule auch Mitarbeiter der Kerckhoff-Klinik als “Testpaten„ anwesend, so auch Kardiologin Dr. Catharina Hamm. Die “Testpaten„ haben die Handhabung der Tests noch einmal Schritt für Schritt erläutert und auf eine korrekte Durchführung geachtet. “Die Kinder haben aufmerksam gelauscht, wie es funktioniert, und dann die Tests gemacht„, sagt die Schulleiterin. Kardiologin Hamm berichtet von ihrer Erfahrung als “Testpatin„: “Ich bin sehr positiv überrascht. Die Kinder haben total toll mitgemacht. Die Grundschüler wussten schon sehr viel. Sie sind offensichtlich sehr gut von ihren Eltern und den Medien informiert worden.„ Alle zehn Kinder hätten den Test gleichzeitig gemacht. Ganz ohne Probleme. “Die Erstklässler haben es völlig selbstständig und ohne zu zögern mit großer Motivation durchgeführt.„

Durch den Wechselunterricht hatte die eine Hälfte der Klasse am Montag und die andere am Dienstag ihren ersten Durchlauf mit den Selbsttests. An beiden Tagen gab es Hilfe von den “Testpaten„.

Einverständniserklärung der Eltern erforderlich

Voraussetzung für die Tests ist eine Einverständniserklärung der Eltern. Diese war vorab durch die Schule eingefordert worden. An der Stadtschule herrsche eine hohe Akzeptanz seitens der Eltern, sagt Boas. Nur wenige Schüler dürften nicht am Präsenzunterricht teilnehmen. Denn es gilt: ohne Test - kein Präsenzunterricht. “Für diese Schüler stehen die Lehrer natürlich weiterhin für Rückfragen zur Verfügung„, sagt die Schulleiterin. Doch ein Distanzunterricht extra für diese Schüler sei nicht möglich. “Dafür haben wir nicht genug Personal.„ Wer nicht möchte, dass sich sein Kind selbst testet, hat auch die Möglichkeit, einen Test in einem Testzentrum machen zu lassen und dann der Schule vorzulegen.

Kooperation mit Bad Nauheimer Arztpraxis

Vor den ersten Tests sei den Grundschülern erklärt worden, wie anschließend mit den Ergebnissen umgegangen werde, sagt Boas. “Bei einem positiven Ergebnis soll niemand stigmatisiert werden. Es hat ja nichts mit Schuld zu tun, wenn jemand an Covid erkrankt. Das Ergebnis ist ja auch noch nicht sicher.„ Wenn ein Schüler einen positiven Selbsttest hat, werden die Eltern informiert. Damit diese nicht lange warten müssen, hat die Schule eine Kooperation mit einer Praxis in der Stadt organisiert. “Dort können die Eltern das Ergebnis direkt überprüfen lassen.„ Bis das endgültige Ergebnis feststehe, habe die gesamte Gruppe wieder Distanzunterricht, sagt Boas. Bereits am Montag gab es einen positiven Schnelltest unter den Schülern und einen im Kollegium. Die Kontrolle des Tests der Lehrkraft brachte ein negatives Ergebnis. Die Testergebnisse der Schüler - am Dienstag gab es ein weiteres positives Ergebnis - stehen noch aus.

Ängste vor Traumata

Manche Eltern haben die Befürchtung, dass (wiederholt) positive Tests innerhalb der Klassengemeinschaft ein Trauma bei den betroffenen Kindern hervorrufen könnten. Die Leiterin der Stadtschule teilt diese Sorge nicht: “Kinder nehmen die Dinge nicht sehr kompliziert. Die Kleinen kennen es gar nicht anders. Hygieneregeln und Sicherheitsabstand gehören für sie zum Schulalltag. Die Selbsttests nennen sie Kitzeltests.„ Es gebe gewiss einzelne Kinder, für die die Situation schwierig sei und die auch etwas Angst vor den Tests hätten, doch Lehrer seien auch Pädagogen. “Es gibt schulbegleitende Unterstützung. Wir begleiten die Prozesse - auch unabhängig von Corona.„ Catharina Hamm ergänzt: “Mein Eindruck war, dass sie sich sogar freuen, einen Beitrag zur Sicherheit während der Pandemie leisten zu können.„ Bisher seien die Schüler eher passive Mitstreiter gewesen. “Sie freuen sich, wenn es so möglich ist, den Präsenzunterricht zu gewährleisten.„

Keine Tests von zu Hause

Nicht alle Eltern sind mit den Selbsttests an den Schulen einverstanden. Sie befürchten, dass die Kinder durch einen positiven Test und die daraus folgende Absonderung eine Stigmatisierung erfahren. Eine Alternative wäre, die Tests vor der Schule zu Hause zu machen. Doch diese Tests werden nicht anerkannt, was viele Eltern als einen Vertrauensbruch empfinden. Ihnen werde auf diese Weise unterstellt, dass sie die Ergebnisse manipulieren könnten.

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