Vor fünf Jahren begann Julie Mc Quistion, Fotos ihrer Dogge Ella auf Instagram zu posten. Was klein anfing, hat sich mittlerweile zu einem Projekt mit knapp 30 000 Followern entwickelt. 	FOTO: PETRA IHM-FAHLE
+
Vor fünf Jahren begann Julie Mc Quistion, Fotos ihrer Dogge Ella auf Instagram zu posten. Was klein anfing, hat sich mittlerweile zu einem Projekt mit knapp 30 000 Followern entwickelt. FOTO: PETRA IHM-FAHLE

»Petfluencerin«

Eine Dogge aus Bad Nauheim wird zum Instagram-Star

  • vonPetra Ihm-Fahle
    schließen

Julie Mc Quistion war immer tierlieb. Dass ihre Hündin Furore in den sozialen Netzwerken macht, kam für die 38-jährige Bad Nauheimerin aber überraschend. Dogge Ella hat 30 000 Instagram-Follower.

Ella trat in das Leben von Julie Mc Quistion, als ihr Ex-Mann einen Wachhund für das Haus in Bayern anschaffen wollte. Dort lebte Mc Quistion während ihrer Ehe, zog vor acht Jahren allerdings zurück nach Bad Nauheim. Nur sie und Dogge Ella. »Sie ist ein Scheidungshund«, schmunzelt die 38-Jährige. Seit einigen Jahren ist Ella auch Influencerin - oder besser »Petfluencerin«. Auf Instagram hat sie knapp 30 000 Follower.

»Mit Dogge polarisiert man immer.« Das ist die Erfahrung von Julie Mc Quistion. Als Ella noch komplett schwarzes Fell hatte, kam es beispielsweise vor, dass Passanten die Straßenseite wechselten. »Da habe ich angefangen, mit bunten Halstüchern und Leinen zu arbeiten«, erzählt die Halterin. Mit zehn Jahren ist Ella inzwischen Seniorin.

Seither finden die meisten Menschen den Hund süß, etwa wegen seines weißen Gesichts. Vereinzelt haben Passanten in der Stadt Mc Quistion aber schon als »geistig krank« bezeichnet, weil sie mit solch einem großen Hund unterwegs ist. Andere hingegen fragen nach der vierbeinigen Gefährtin, wenn Mc Quistion sie mal nicht dabeihat. Auf Instagram sind die Reaktionen ausschließlich positiv, da nur Hundefreunde die Seite besuchen.

Viele Follower aus dem Ausland

Es begann 2015, als Mc Quistion mit ihrer Mutter und Ella im Urlaub war. »Ich überlegte: ›Was ist denn dieses Instagram?‹ Dann dachte ich: ›Es ist eine tolle Idee, um meine Fotos zu sortieren.‹« Sie stellte ihre schönsten Bilder ein und fügte »Hashtags« dazu. Nach und nach wurden es mehr Follower, viele aus dem Ausland wie Australien und den USA. Innerhalb eines halben Jahrs waren es 300, alles Hundeprofile und Menschen, die Hunde lieben. Dabei stellte sie fest: »Da findet ein Austausch statt, und zwar ohne Neid und Missgunst. Das finde ich schön.«

Der Name des Profils ist »myotherusernameisbetter«. Dort postet Julie drei- bis viermal die Woche, meist um 5.30 Uhr. »Das ist morgens meine Uhrzeit - und es ist der letzte Post abends, den meine Freunde in den USA sehen.« Zuverlässig zu interagieren, ist ihr wichtig und macht Spaß: »Ich finde es schön, dass sich so viele Leute an Ella erfreuen.« Denn der Hund sei ein sehr wichtiger Teil ihres Lebens. Zeitintensiv ist ihr Hobby durchaus, da Mc Quistion auch anderen Accounts folgt.

Ella-Fotos entstehen teilweise spontan, entweder mit dem Handy oder einer Spiegelreflexkamera. »Ich fotografiere häufig schon im Voraus, bevor ich die Bilder nutzen möchte. Ein Beispiel ist Halloween, wo ich Ella mit einem Kürbis fotografiert habe.« Die Bad Nauheimerin gerät daher nicht unter Zeitdruck, muss nicht unbedingt noch schnell eine Aufnahme machen, die sie posten kann. Das sei wichtig, denn ein Hund habe seinen eigenen Kopf, lasse sich nicht zwingen: »Wenn sie keine Lust hat, hat sie keine Lust.«

Werbung ja, aber ohne Bezahlung

Auf den Bildern trägt Ella oft etwas im Maul, womit sich Mc Quistion etwas zunutze macht, was das Tier von Beginn anbot. »Sie trägt gern Dinge in ihrem Maul, schon als sie klein war. Sie wollte immer die Einkäufe vom Auto ins Haus bringen. Ich kaufte ihr eine kleine Einkaufstasche und legte Sachen rein, die nicht kaputtgehen können. Diese Tasche trug Ella stolz hinein.«

Geld verdient Mc Quistion mit dem Account nicht, »sonst rutscht man schnell in eine Richtung, dass es unnatürlich wird«. Ihr gehe es ausschließlich darum, den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Manchmal erhält sie Produkte, um sie zu bewerben, was sie aber nur tut, wenn sie dahintersteht. Wie bei dem Bett, das sie kürzlich für Ella gekauft hat. »Das habe ich von meinem eigenen Geld bezahlt und mache unbezahlte Werbung. Ich würde es jedem Doggen-Besitzer empfehlen.«

Berührend fand sie, als ihr die Mutter eines Zehnjährigen aus den USA schrieb, dass der Junge extra Deutsch lernt, um eines Tages Ella zu besuchen. Gefreut hat sich die Hundehalterin über den ersten Preis als Micro-Petfluencer. Der Begriff »Micro« bezeichnet Accounts, die zwischen 10 000 und 50 000 Follower haben. Auch das Fernsehen berichtete bereits. Wer hätte das gedacht, als Mc Quistion und ihr Mann einen Wachhund brauchten?

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare