Am Freitag ist die Luft in einem solchen Zug immer stickiger geworden. Obwohl für längere Zeit Stillstand herrschte, hat es der Zugführer abgelehnt, die Türen zu öffnen. (Symbolbild)
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Am Freitag ist die Luft in einem solchen Zug immer stickiger geworden. Obwohl für längere Zeit Stillstand herrschte, hat es der Zugführer abgelehnt, die Türen zu öffnen. (Symbolbild)

Reisen während Corona

Keine Frischluft im Abteil: Pendler ärgert sich über die Bahn - Unternehmen reagert

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Frischluftzufuhr ist sehr wichtig, um die Covid-19-Ansteckungsgefahr zu verringern. Das sollten auch Bahn-Angestellte wissen. Doch ein Pendler aus Bad Nauheim berichtet anderes.

Bad Nauheim - Als Dauerpendler zwischen Bad Nauheim und Frankfurt hält Rainer Johne der Bahn auch in Corona-Zeiten die Treue. Manchmal ist es unangenehm, ohne großen Abstand in Zügen zu sitzen, doch normalerweise sorgt die Klimaanlage für genügend Luftaustausch. Seit einem Erlebnis am Freitag ist der Bad Nauheimer allerdings ins Grübeln geraten, was die Wahl seines Beförderungsmittels betrifft. Rainer Johne hatte im Frankfurter Hauptbahnhof einen Zug der Regionalexpress-Linie 99 bestiegen, der von der Hessischen Landesbahn (HLB) betrieben wird und um 14.21 Uhr in Richtung Friedberg startet.

Pendeln zwischen Bad Nauheim und Frankfurt: Halt wegen »Personen im Gleis«

Weil dieser Zug nicht bis Bad Nauheim weiterfährt, wollte er sich 25 Minuten später von seiner Frau in der Kreisstadt abholen lassen. Doch der Regionalexpress kam zunächst nur bis zum Bahnhof Bad Vilbel, wo er um 14.35 Uhr eintraf. »Personen im Gleis« wurde als Grund für den unerwarteten Stopp auf unbestimmte Zeit genannt.

Die zahlreichen Fahrgäste - nach Angaben des Bad Nauheimers war der Zug zu etwa 70 Prozent belegt - warteten und warteten. Inzwischen fuhren drei S-Bahnen an dem Regionalexpress vorbei. Die Insassen wurden ungeduldig und nahmen per Sprechanlage Kontakt mit dem Zugführer auf. Sie baten darum, die Türen zu öffnen, damit manche HLB-Kunden umsteigen können und Frischluft in die Waggons gelangt. »Bei diesen Zügen können die Fenster nicht gekippt werden. Nur die Klimaanlage sorgt für Luftaustausch, die aber nicht richtig funktioniert, wenn der Zug steht«, erläutert Johne. Der Zugführer lehnte das Öffnen der Türen ab. Begründung: Bei einem außerplanmäßigen Halt dürften die Türen nicht freigegeben werden.

Stillstand zwischen Bad Nauheim und Frankfurt: Ärger über fehlende Frischluft

Da der Zug in der Sonne stand, wurde die Luft immer wärmer und verbrauchter. Wieder versuchten Fahrgäste, mit dem Zugführer zu sprechen, der aber nicht mehr reagierte. »Ein Fahrgast mit Asthmaproblemen bat mich nochmals um eine Durchsage an den Lokführer, der die Anlage jedoch schlicht abstellte«, erzählt der Bad Nauheimer. Informationen, wann die Fahrt fortgesetzt werden könne, habe es ebenfalls nicht gegeben. Unmut und Unverständnis bei den Fahrgästen waren die Folge.

Kommentar von Rainer Johne: »Dass ein Lokführer für solche Situationen nicht ausgebildet ist, mag in der heutigen Zeit normal sein, dass sich die HLB jedoch rühmt, aktiv an der Corona-Prävention beteiligt zu sein und es ein Lokführer fast eine Stunde nicht für nötig hielt, in einem vollen Zug die Türen für eine heutzutage doch dringend gebotene Durchlüftung freizugeben, grenzt aus meiner Sicht an vorsätzliche Körperverletzung.«

HLB bedauert den Vorfall auf der Fahrt zwischen Bad Nauheim und Frankfurt

Es dauerte schließlich 50 Minuten, ehe der Regionalexpress seine Fahrt nach Friedberg fortsetzen konnte. Der Pendler aus Bad Nauheim würde sich nicht wundern, wenn seine Corona-App in den nächsten Tagen rot anzeigt. »Dann weiß ich jedenfalls, woher es sehr wahrscheinlich kommt.« Rainer Johne will künftig nach Möglichkeit die Züge der HLB meiden, bei der Bahn AG fühlt er sich besser aufgehoben.

In der HLB-Zentrale in Frankfurt wird der Vorfall bedauert. »In dieser Situation wäre es möglich gewesen, die Türen zu öffnen«, sagt Pressesprecher Peter Runge. Müsse ein Zug außerplanmäßig anhalten, hänge die Entscheidung von der jeweiligen Lage ab. Außerhalb eines Bahnhofs dürften die Türen ohnehin nicht freigegeben werden. Im Bahnhof komme es darauf an, ob am Bahnsteig ein barrierefreies Aussteigen möglich ist. »Wenn der Stopp nur wenige Minuten andauern wird, macht es keinen Sinn, die Türen zu öffnen. Dann steigen unter Umständen Hunderte Leute aus, die kurze Zeit später wieder eingesammelt werden müssen«, erklärt Runge.

Im konkreten Fall sei ein längerer Aufenthalt absehbar gewesen. Deshalb hätte der Zugführer die Türen öffnen können. Nach Aussage des Pressesprechers soll das HLB-Personal entsprechend informiert werden. (Bernd Klühs)

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