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Viele Kinder und Jugendliche fahren mit dem Rad durch die Zanderstraße zum Schulzentrum. Es gibt verschiedene Vorschläge, für mehr Sicherheit zu sorgen, entscheiden muss die Politik.

Veto

Bad Nauheim: ADFC gegen unechte Fahrradstraße

  • Bernd Klühs
    VonBernd Klühs
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Sollen unechte Fahrradstraßen Teil des Mobilitätskonzepts für Bad Nauheim werden? Darüber wurde kürzlich im Parlament gestritten. Nun meldet sich der ADFC zu Wort. Tenor: lieber echt als unecht.

Seit 1997 bietet die Straßenverkehrsordnung Kommunen die Möglichkeit, Fahrradstraßen auszuweisen. In solchen Straßen hat der Radverkehr eindeutigen Vorrang. In einer unechten Fahrradstraße können Autos und Motorräder per Zusatzschild zwar zugelassen werden, müssen aber besondere Rücksicht auf Radler nehmen, die auch nebeneinander fahren dürfen. Eine solche unechte Version hatten die Freien Wähler (FW) kürzlich im Parlament gefordert, und zwar als 24-monatiges Pilotprojekt in der Zanderstraße (zwischen Schwalheimer Straße und Eleonorenring).

Unterstützung erhielten die FW dabei von Erstem Stadtrat Peter Krank. Wie er betonte, sei in Bad Nauheim nicht überall genügend Platz für Radwege. Unechte Fahrradstraßen könnten deshalb für das neue Mobilitätskonzept eine wichtige Rolle spielen.

Wichtiger Weg zum Schulzentrum

Nach hitziger Debatte hatte die Kenia-Koalition den Vorschlag allerdings abgelehnt. Nach Ansicht von CDU, Grünen und SPD, die einen Änderungsantrag stellten, sollen neben der Fahrradstraße andere Varianten geprüft werden, um den Radverkehr in der Zanderstraße sicherer zu machen. Bei der Beratung im Bauausschuss dürfte es nicht zuletzt um den Schülerverkehr gehen. Denn zahlreiche Kinder und Jugendliche nutzen diesen vielbefahrenen Zanderstraße-Abschnitt, um das Schulzentrum anzusteuern.

Nicht nur die Kenia-Koalition, auch der ADFC Bad Nauheim/Friedberg äußert Bedenken bezüglich einer unechten Fahrradstraße. »Aus Sicherheitsgründen sprechen wir uns für eine echte Fahrradstraße aus, Durchgangs- und Parkplatzsuchverkehr sollten aus der Zanderstraße herausgehalten werden«, sagt der stellvertretende Vorsitzende Rainer Maria Hohmann. Der ADFC möchte diesen Teil der Zanderstraße komplett den Radfahrern widmen, eine Ausnahme würden nur Autos und Motorräder von Anliegern machen.

Alternativvorschlag: Radweg ausbauen

Unechte Fahrradstraße und die Regeln, die dort gelten, sind laut Hohmann relativ unbekannt. Das Zusammenspiel von Rad- und Autofahrern sei deshalb schwierig. »Wenn nach einer Umwidmung ein Unfall mit einem Radfahrer passieren würde, wäre das Geschrei groß.«

Neben einer echten Fahrradstraße käme für die ADFC-Ortsgruppe alternativ ein Ausbau des bestehenden Fuß- und Radwegs auf der Südpark-Seite in Frage. Allerdings seien dabei ökologische Aspekte zu berücksichtigen, denn eine Verbreiterung ohne das Fällen von Bäumen und Büschen sei wohl nicht möglich. Nach Auffassung von Hohmann könnten Fußgänger allerdings auch ausschließlich den Bürgersteig auf der bebauten Straßenseite nutzen. Der kombinierte Fuß- und Radweg entlang des Südparks könnte dann in einen reinen Radweg umgewandelt werden, den die Stadt nur sanieren und nicht ausbauen müsste.

Hohmann zufolge sollte bei allen Planungen für den Radverkehr in der Stadt das Thema Radschnellweg Wetterau nicht aus den Augen verloren werden. Dieser Weg, für den entsprechende bauliche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, soll nämlich durch die Zanderstraße, Kurstraße oder Frankfurter Straße führen.

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