Perfektion und Leidenschaft: So spielen die drei Freunde Ivan Róbert Lakatos (Viola), Ladislav Franzowitz (Klavier) und Danko (Oboe). 	FOTO: HMS
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Perfektion und Leidenschaft: So spielen die drei Freunde Ivan Róbert Lakatos (Viola), Ladislav Franzowitz (Klavier) und Danko (Oboe). FOTO: HMS

Außergewöhnliche Werke

  • vonHanna von Prosch
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Bad Nauheim (hms). Sie freuten sich mindestens genauso wie das 50-köpfige Publikum, dass klassische Musik wieder live möglich ist: Das Hugo-Kauder-Trio hatte innerhalb von sechs Tagen den Auftritt zugesagt. Mit großem Vergnügen präsentierten sie am Sonntag ein außergewöhnliches Romantikprogramm im Saal der Trinkkuranlage.

Hugo Kauder, nach dem sich das Trio mit Ivan Danko (Oboe), Róbert Lakatos (Viola) und am Klavier Ladislav Franzowitz, nennt, war österreichisch-US-amerikanischer Komponist und Violinist. Er steht als Symbol für vergessene Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts, denen sich das Trio vorzugsweise widmet. In Archiven stöbern sie alte Noten auf und entdecken dabei wahre Schätze an Kompositionen.

Kostbare Klangjuwelen

Die, wie sie sagen, »kostbaren Klangjuwelen auf Augenhöhe mit den Schöpfungen der großen Meister« brachten sie auch nach Bad Nauheim mit: August Klughardt (1847-1902), Ignaz Lachner (1807-1895) und Paul Juon (1872-1940). Dazu Robert Schumann, der quasi eine stilistische Messlatte seiner Zeit darstellte.

So hoch die kompositorische Qualität der Werke ist, so überzeugend war auch das Spiel der drei Interpreten. In der außergewöhnlichen, aber sehr reizvollen Besetzung mit den warmen Klangfarben von Viola und Oboe, bestachen sie vor allem durch Präzision und Spannung. Schnelle Läufe, kurze Akzente, leises Ein- und Ausschleichen, Tonlagenwechsel, dynamische Feinheiten, in allem stimmten sie perfekt überein. Sicher, es sind alles Profimusiker: Danko ist zum Beispiel Solooboist an der Stuttgarter Staatsoper, aber diese spezielle Klangharmonie und Verlässlichkeit konnten sich die drei Studienfreunde aus Bratislava seit der Gründung des Trios 2008 erfolgreich erarbeiten.

Das Programm könnte man unter dem Thema Naturromantik zusammenfassen. Zuerst waren die selten gespielten Schilflieder von August Klughardt nach Gedichten von Nikolaus Lenau zu hören. In den fünf Fantasiesätzen wechseln feurige Passagen und lyrisches Dahinträumen, Leidenschaft und Zärtlichkeit.

Im Grand Trio op. 102 des in Rain am Lech geborenen Ignaz Lachner sprüht es vor bayerischer Lebenslust, wobei er dieses Spätwerk wahrscheinlich schon als Kapellmeister in Frankfurt komponierte. Das Scherzo in diesem Werk darf durchaus wörtlich genommen werden - ein Spaß für Musiker und Zuhörer. In Russland geboren, in Deutschland tätig war der Schweizer Komponist Paul Juon. Er lehrte als Professor in Berlin. Seine Trio-Miniaturen op. 18 »Rêverie« und op. 24 »Dance Phantastique« sind original für Oboe, Viola und Klavier gesetzt. Hier konnte das Trio rhythmisch brillieren und sich vom langsamen Walzer zum furiosen Tanz steigern.

Schwierige Bedingungen

Mit »Bilder aus Osten« von Robert Schumann, für diverse Besetzungen arrangiert, erlebte das Publikum den typischen Romantiker. Sechs Szenen aus einer Welt, wie sie sich Schumann im Orient vorstellte, sie aber in seinen ureigensten Empfindungen wiedergab. In jeder Phase war ein Hauch von Dramatik, von Wehmut oder Übermut zu spüren, wogend und melancholisch die Melodien, andächtig, hymnisch »im Volkston« Lieder schmetternd.

Auch bei 60 Personen, die unter Sicherheitsvorgaben im Trinkkursaal derzeit erlaubt sind, hätte der Applaus nicht herzlicher, nur rauschender ausfallen können. Das Konzert war ein Glücksfall unter schwierigen Bedingungen, der hoffentlich Mut macht, die kommenden Veranstaltungen zu besuchen.

Am Sonntag, 23. August, steht in der Kammerkonzert-Reihe »Ein Nachmittag im Café« auf dem Programm, serviert wird das Ganze vom Kammermusikensemble des Jungen Sinfonieorchesters Wetzlar.

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