Ausländerbeirat wieder komplett

  • vonRedaktion
    schließen

Bad Nauheim (pm). Nach einer kurzzeitigen Vakanz tritt der Ausländerbeirat erneut zusammen. Seit Mitte Dezember ergänzt Oksana Gerbst die Ausländervertretung der Stadt. Dadurch kann der Beirat nunmehr seine Arbeit wieder aufnehmen. Die nächste Sitzung ist für Januar angedacht.

Nach dem Ausscheiden von Ivelina Marinova musste der Beirat seine Aktivitäten für kurze Zeit aussetzen. Marinova erwarb eine Immobilie außerhalb Bad Nauheims, wodurch eine Fortführung des Mandats nicht mehr möglich war. Dadurch konnte die Mindestbesetzung von drei Mitgliedern nicht aufrechterhalten werden, bis die nächste Nachrückerposition das Mandat übernahm.

»Die auslaufende Wahlperiode des Beirats verlief nicht immer ohne Reibungen, intern wie extern«, blickt Vorsitzender Sinan Sert zurück. Dennoch sei der Beirat am Ball geblieben, habe relevante Themen nicht aus den Augen verloren. Insbesondere »die Ausgrenzung ausländischer Seniorinnen und Senioren vom städtischen Seniorenbeirat« habe in seinem lokalpolitischen Fokus gestanden, heißt es in einer Pressemitteilung. Mit einem erneuten Hinweis an den neu gewählten Seniorenbeirat habe der Beirat mit dem Internationalen Club, unterstützt von etlichen weiteren Vereinen, einen weiteren Versuch gestartet.

Die beiden letzten Arbeitsjahre des Beirats seien auch vom zunehmendem Rassismus und Antisemitismus in der Gesellschaft geprägt worden. Auch wenn Bad Nauheim nicht im Besonderen heraussteche, gelte die Devise »Wehret den Anfängen«, verweist Sert beispielhaft auf Nazi-Graffitis an den Waldteichen und dergleichen.

»NSU-Monologe« im Februar 2021

»Die große Resonanz auf unsere Veranstaltung auf dem Aliceplatz anlässlich der Morde von Hanau haben gezeigt, dass die Menschen in unserer Stadt solchen Tendenzen keinen Spielraum gewähren möchten« erläutert Sert. Die Zustimmung des Stadtparlaments für die Erarbeitung eines städtischen Aktionsplans gegen Rassismus weise in die richtige Richtung. Durch Zusammenhalt könnten sich die Reihen gegen Rassismus und Antisemitismus schließen lassen, verweist Sert auf die fruchtbare Kooperation des Beirats mit der Verwaltung, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit sowie weiteren Partnern.

An den Interkulturellen Wochen habe sich der Beirat ebenso stets beteiligt. Zuletzt mit zwei Veranstaltungen mit Rabbi Walter Rothschild, der mit seinem britischen Humor dem Publikum einzigartige Einblicke in das gelebte Judentum gewährt habe. Der Beitrag des Beirats zum Gedenken an die Befreiung von Auschwitz werde ebenso nachhallen, erinnert sich Sert an die bewegende Lesung der Künstlerin Atischeh Braun von Texten, Briefen und Liedern von Ilse Weber.

Als weiteres Element werden auf Initiative des Beirats im Februar 2021 die »NSU-Monologe« von Künstlern der »Bühne für Menschenrechte« aufgeführt werden, soweit die Corona-Einschränkungen dies erlauben. Partner sind hier Juka e. V. und der Jugendbeirat.

Sert zeigt sich zuversichtlich, dass der Beirat seine Funktion und seine Aktivitäten fortsetzen wird. Zu den Wahlen im kommenden März sei die »Internationale Liste« bereits zugelassen. Schon Mitte November haben sich dazu elf Kandidatinnen und Kandidaten aus neun Herkunftsländern zusammengefunden. Weitere Listen können sich noch bis Anfang Januar anmelden. Die Wahl findet im Rahmen der Kommunalwahl statt. Wahlberechtigt sind alle ausländischen Einwohner ab dem 18. Lebensjahr, die ihren Hauptwohnsitz in Bad Nauheim haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare