Vor dem Gradierwerk haben sich (v. l.) Claudia Ziegle-Süßel, Vertreterin der sozialpädagogischen Ausbildung, Schulsprecherin Lara Ben Youssef, Schulleiter Andreas Stolz, Landtagsabgeordnete Kathrin Anders und Clemens Breest, Leiter Regionalbüro, getroffen. FOTO: PV
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Vor dem Gradierwerk haben sich (v. l.) Claudia Ziegle-Süßel, Vertreterin der sozialpädagogischen Ausbildung, Schulsprecherin Lara Ben Youssef, Schulleiter Andreas Stolz, Landtagsabgeordnete Kathrin Anders und Clemens Breest, Leiter Regionalbüro, getroffen. FOTO: PV

Ausbildung in Pandemie-Zeiten

  • vonred Redaktion
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Bad Nauheim(pm). Der Lebensabschnitt zwischen Schule und Berufsleben ist für junge Menschen eine herausfordernde Zeit. Während der Corona-Pandemie gestaltet er sich noch komplizierter. Die Beruflichen Schulen am Gradierwerk (BSG) sind trotz der aktuellen Widrigkeiten ein verlässlicher Wegbegleiter für junge Menschen, wie jetzt Kathrin Anders, Landtagsabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen für den Wetteraukreis, erfuhr. "Jungen Menschen wird durch die aktuelle Pandemie der Weg ins Berufsleben enorm erschwert. Andererseits führt die Corona-Krise uns den dringenden Bedarf an Fachkräften in den sozialen, Gesundheits- und IT-Berufen drastisch vor Augen. Umso wichtiger ist die Unterstützung der Beruflichen Schulen in der aktuellen Zeit", erklärt Kathrin Anders.

Erzieher dringend gesucht

An dem gemeinsamen Gespräch beteiligten sich der Schulleiter Andreas Stolz, Ralf Müller, Leiter der kaufmännischen Ausbildung, Claudia Ziegle-Süßel als Vertreterin der sozialpädagogischen Ausbildungsberufe sowie Lara Ben Youssef als Vertreterin der Schülerschaft teil.

Sie berichten von einer starken Nachfrage sowohl vonseiten junger Menschen als auch vom Arbeitsmarkt - zumindest bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie. Das stetige Wachstum der Schülerzahl stoße jedoch immer stärker auf räumliche Probleme, und die Hygieneauflagen während der Corona-Pandemie verstärke die Raumknappheit, lassen sich doch manche Räume wegen Lüftungsproblemen nicht für den Unterricht nutzen.

Eine lange geplante Erweiterung der Schule hätte sich immer wieder verzögert. Mitte Oktober haben die Bauarbeiten endlich begonnen.

Bei der Erzieherausbildung konnte die Schule in den letzten Jahren eine über 50-prozentige Steigerung der Fachkräfte für den Wetteraukreis vermelden. Jedoch sei damit immer noch nicht die Nachfrage nach Erzieherinnen und Erziehern aus der Praxis gedeckt.

Die Hoffnung sei groß, dass sich dies durch die Einführung der praxisintegrierten, vergüteten Ausbildung (PivA), in der die Studierenden von Beginn an Geld verdienen, ändere: Sieben Studierende, davon vier Männer, haben in diesem Jahr begonnen, und es sei geplant, für das kommende Schuljahr eine eigene Klasse einzurichten. Anders: "Es ist erfreulich zu sehen, dass die Maßnahmen der Landesregierung positiv aufgegriffen werden und die Ausbildungskapazitäten erweitert werden konnten. Um der enormen Nachfrage gerecht zu werden, startete das Sozialministerium jetzt eine Werbekampagne für den Beruf der Erzieher."

Ralf Müller berichtet als für IT-Fragen zuständiger Abteilungsleiter von weiterem dringenden Handlungsbedarf der Medienausstattung. Den vielfältigen Ausbildungsgängen im kaufmännischen und IT Bereich mit über 1400 Schülern/innen und weiteren 800 Lernenden stehen lediglich gut 400 Rechner zur Verfügung. "Da helfen neue iPads für einzelne Schüler nichts, denn die gängige Bürosoftware läuft auf den teuren iPads nicht." In Ausbildungsklassen säßen deshalb weiterhin bis zu drei Schüler vor einem Rechner, was in Corona-Zeiten zusätzlich problematisch sei. Und obwohl die Schule einen Glasfaserzugang im Keller installiert bekommen habe, kümmere sich der Wetteraukreis bisher nicht erfolgreich um den Anschluss an die Netzwerke der Schule, teilten die Verantwortlichen mit. "Solche Zustände werden den Ansprüchen an heutige Berufe nicht mehr gerecht. Bei der Digitalisierung der Schulen müssen deren Bedürfnisse stärker berücksichtigt werden. Es hilft nichts, wenn berufliche Schulen nach demselben Medienkonzept bedient werden wie Grundschulen", sagte Anders abschließend.

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